Ep. 11 „Die Mandarins von Paris“ von Simone de Beauvoir
Shownotes
Liegt das Schicksal des linken Intellektuellen in seiner Handlungsunfähigkeit? „Die Mandarins von Paris" erschien 1954. Simone de Beauvoir schildert darin das Leben französischer Intellektueller nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris. Sie ringen am Vorabend des Kalten Kriegs mit der Frage, welche Rolle künftig Intellektuelle spielen können und sollen. So erinnern die Figuren zwar an Arthur Koestler, Jean-Paul Sartre, Albert Camus oder die Autorin selbst, dennoch ist das Buch keine verschlüsselte Biografie. Es ist eine literarische Auseinandersetzung mit einer intellektuellen Szene.
In dieser Folge spreche ich mit dem Autor Rick Lupert über ein Paradebeispiel für existenzialistische Literatur und ihre Grenzen. Zu welcher Klasse gehören Intellektuelle? Welchen Platz haben die Frauen in dem beschriebenen Milieu? Kann man in einem Roman über das Proletariat sprechen, obwohl nicht eine Figur aus der Arbeiterklasse auftritt? Und lassen sich persönliches Glück und politische Verantwortung miteinander vereinbaren?
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00:00:04: Hallo und herzlich willkommen bei Klasse Literatur, dem Literatur-Podcast mit Klassenperspektive.
00:00:17: Mein Name ist Mesut Bayraktar und in dieser Folge geht es um den bekanntesten Roman von Simone de Beauvoir – nämlich die Mandarinst von Paris.
00:00:27: Zu Gast habe ich Rick Lupath!
00:00:32: Rick, bevor wir starten möchte ich dich erst mal unseren Zuhören vorstellen.
00:00:50: Erschien, zwei, sechsundzwanzig.
00:01:02: Erhielt er ein Residenzstipendium der Jan Michalski-Stiftung?
00:01:07: Übrigens sehr lesenswerter Text!
00:01:10: Aktuell studiert er literarische Schreiben und Lektorien in Hildesheim, ist Teil des Aufbau-Komitees für einen Kongress zur Gründung eines Bundes für sozialistische Kultur.
00:01:21: Bemüht sich um eine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Österreichs bekannt als KPÖ was von Hildesseim aus schwierig ist wie er mir versichert hat aber zurück in Wien finalisiert werden wird.
00:01:33: Und er denkt darüber nach, wie er eine Masterarbeit zu kritischem Realismus historisch und heute aufziehen kann.
00:01:40: Also eine ganze Menge Arbeit!
00:01:43: Ja das Thema unseres Gesprächs ist heute ein sehr bekanntes Buch die Mandarin von Paris.
00:01:51: einige Worte dazu um dann direkt einzusteigen.
00:01:55: Der Roman erschien in den letzten Jahren und ist ein Paradebeispiel für existenzialistische Literatur, aber auch ihre Grenzen.
00:02:06: Im Roman wird das Leben französischer Intellektueller in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris geschildert.
00:02:14: Eine Gruppe von Schriftstellern, Philosophen und Journalisten ringt am Vorabend des Kalten Kriegs mit der Frage welche Rolle künftig Intellektuelle spielen sollen und spielen können?
00:02:26: Parallel dazu erzählt der Roman von komplizierten Liebesbeziehungen, Ehen, Affären und Freundschaften.
00:02:31: Also wir haben auch eine sehr starke Innenperspektive.
00:02:35: Die privaten Konflikte sind dabei eng mit den politischen und moralischen Fragen Der Zeit verknüpft.
00:02:42: So erinnern die Figuren zwar stark an Arthur Köstler, John Paul Sartre, Albert Camus und die Autorin Simone de Beauvoir selbst – dennoch ist das Buch keine verschlüsselte Biografie sondern eine literarische Auseinandersetzung mit einer ganz bestimmten intellektuellen Szene.
00:03:01: Rik zunächst erstmal zur Einordnung.
00:03:07: Lass uns doch den Kontext so ein bisschen uns vor Augen führen.
00:03:11: Und dafür ist es immer hilfreich, erst einmal auch zusammenzutragen, worum es in diesem Buch denn eigentlich geht?
00:03:17: Insofern wovon handelt die Mandarin von Paris und was geht da eigentlich ab?
00:03:23: Kannst du das mal
00:03:23: zusammenfassen?"?
00:03:25: Ja gern!
00:03:26: Du hast eh schon sehr viel genannt also... Die zentrale Frage für mich, die in diesen Buch steckt und die sich alle zumindest schreibenden Protagonisten entstellen ist die Frage danach, wie man eigentlich schreiben soll wenn um einen herum die Welt aus allen Fugen bricht.
00:03:42: Jede Überzeugung wird verunsichert jeder Glaubenssatz wird in Frage gestellt und Man befindet sich am Anfang einer neuen Zeit am Ende eines großen Krieges usw.. Zwischen der Befreiung Frankreichs und dem unvermeidlich scheinen neuen Krieg zwischen den USA und der USSR stellen sich die Hauptfiguren Robert Dubreu und Henri Perrand zwei Schriftsteller diese Fragen.
00:04:06: Die waren auch beide in der Resistenz aktiv, sind beide überzeugte Linke allerdings keine Kommunisten.
00:04:14: deren Freundschaft wird durch das Auftauchen von Berichten über Internierungslager in der Sowjetunion auf die Probe gestellt.
00:04:23: Ries nimmt ungefähr die Hälfte dieses Romance ein, der im Übrigen in einer neuen Übersetzung tausend Seiten hat.
00:04:30: Die andere Hälfe gehörte ich Erzählerin Andi Bräu, das ist die bedeutend jüngere Frau Robertis.
00:04:37: Sie ist Psychoanalytikerin und beteiligt sich ebenso wie die Männer an der Diskussion und den Diskussionen um diese Fragen.
00:04:46: aber sie treibt auch noch anderes um.
00:04:49: Die Männer treibt auch noch anderes um.
00:04:51: In ihrem Fall ist das aber vor allem ihre, ich würde sie als schwierig bezeichnen und schwierige Tochter Nadine sehr eigen-und sehr starsenig und die am Verlust ihrer ersten großen Liebe leidet ein Mann der am Ende des Kriegs ermordet wurde.
00:05:14: Und sie hält sich dann verschiedene Männer unter anderem auch an Ari.
00:05:19: Außerdem verliebt sich an selbst im Laufe der Romanhandlungen und zwar in einem US-Schriftsteller.
00:05:24: Diese Liebe kann aufgrund der Distanz und der Umstände, in denen anverhaftet ist nur scheitern und tut es schlussendlich
00:05:30: auch.".
00:05:30: Ja also das ist mal ... Der Plot würde ich sagen!
00:05:34: Ich finde was vor allen Dingen auch noch für den Aufbau und für den Textcharakter zu sagen ist Das ist sich zum einen, wie du sagtest um ein sehr umfangreichen Roman handelt.
00:05:46: Ich habe z.B.
00:05:47: die alte Übersetzung gelesen und sie hat auch tausend Seiten.
00:05:51: Also es handelt sich um ein wirklich kolossales
00:05:53: Buch.
00:05:54: Und zum anderen ist es in Kapitel aufgebaut mit sehr unterschiedlichen Längen.
00:05:58: Manche Kapitels sind wirklich hunderte von Seiten lang, manche sind nur fünfzig Seiten lang.
00:06:02: aber in der Erzählstruktur wechselt die Erzählerperspektive von Kapitel zu Kapitel immer zwischen zwei Polen.
00:06:10: Es beginnt mit dem klassischen dritte Personenerzähler, so einem objektiven Erzähler mehr oder weniger.
00:06:18: Und in den zweiten Kapitel und dann geht es immer im Wechsel so weiter wird aus der Sicht von an mit einer Ich-Erzählung angesetzt Mit der entsprechenden Erfahrungs- und Wahrnehmungswelt von ihr selbst.
00:06:31: Also insofern haben wir vor allen Dingen sie als eine sehr zentrale Figur im Blick.
00:06:38: Und was die anderen Kapitel betrifft, du hast von Horiz schon gesprochen und auf den werden wir noch mal zu sprechen kommen steht er immer wieder sehr im Fokus.
00:06:45: Aber dazu gleich noch mehr um noch vielleicht vor dem
00:06:52: Buch
00:06:53: Umschlag zu bleiben und es noch nicht aufzuschlagen.
00:06:57: lass uns doch so ein bisschen die historische Kulisse vor Augen führen.
00:07:02: Die historische Kulisse des Romans ist ja unmittelbar die Nachkriegszeit im Übergang zum Kalten Krieg, also dieser Nullpunkt wenn man so möchte.
00:07:11: Alle Figuren sind auf die ein oder andere Weise beteiligt am Widerstand gegen die fascistische deutsche Besatzung, résistance.
00:07:19: Kannst du einige für dich auch wichtige Koordinaten zur Situation in Frankreich in dieser Zeit skizzieren?
00:07:28: Zu der Nachhalt vor allen Dingen zu sehen, wie sich der Text dorthin einlegt.
00:07:34: Ja die Gemengelage war während des Krieges sehr unübersichtlich.
00:07:39: da hat sich auch viel verändert.
00:07:42: Ich fange vielleicht von hinten an.
00:07:46: Am vierundzwanzigsten August nineteen vierundvierzig endete die deutsche Besatzung Die zu dem Zeitpunkt schon ganz Frankreich umfasste.
00:07:55: Davor Bevor die Besatzung ganz Frankreich umfasste, gab es einen besetzten Norden der inklusive Paris.
00:08:03: Und bis November, in Anführungszeichen, eine freie Zone im Süden mit Henri-Philippe Perthin als Ministerpräsident und Vichy als Hauptstadt – das sogenannte Vichys-Regime.
00:08:17: Das mit den Nazis im Norden kollaborierte.
00:08:24: Genau und nicht mehr an der Seite der Alliierten gegen den deutschen kämpft.
00:08:29: Im
00:08:29: Grunde genommen war es ja auch eine Marionettenregierung von den deutschen Faschisten eingesetzt?
00:08:35: Ganz genau!
00:08:37: Der, der am erfolgreichsten würde ich sagen dagegen kämpfte, war Charles de Gaulle ein französischer General aus dem Exil heraus die exilierten franzisischen Bürgerinnen versucht hat zu organisieren.
00:08:55: Eine sehr berühmte Radioansprache hielt, die heute in Gänze unter dem Triumphbogen in Frankreich auf einer Platte abgedruckt ist und auch verteilt wurde über Flugblätter
00:09:08: usw.,
00:09:10: genau wo er versprach uns seine Mitbürgerinnen dazu aufforderte weiter gegen die Nazis zu kämpfen.
00:09:19: Diese Bewegung nennt sich im Resistance.
00:09:21: das war eine sehr uneinheitliche Bewegungen, wo drunter eben so sehr bürgerliche, patriotische Franzosen wie Schalde Gull selbst fielen.
00:09:32: Aber eben auch Kommunistinnen auf der anderen Seite die sich aber zusammenschlossen um gegen die Nazis zu kämpfen.
00:09:40: Die Resistenz war bis Mai, in nineteen dreien vierzig sehr dezentral organisiert in ganz Frankreich und Belgien und wurde dann von einem Gullisten, also einem Anhänger auf Schaldeguls vereint.
00:09:52: Das war Jean Moulin.
00:09:55: Das ... ... war eine teilweise Zentralisierung um das Comité Français de la Liberation nationale.
00:10:01: De Beauvoir und Sartre gründeten schon nineteenhundertundvierzig eine kleine Resistanzgruppe an Intellektuellen namens Socialisme et Liberté, also Sozialismus und Freiheit die vor allem weniger gegen die Besatzung im Nord als gegen dass Vichy-Regime im Süden agitierte, aber nicht für lang weil sich das wohl recht schnell als aussichtslos und nutzlos anfühlte.
00:10:27: Und so zerstreute es sich wieder bzw ging auf in anderen Resistenzgruppen.
00:10:35: Wenn wir jetzt noch einen Schritt in die Vergangenheit gehen in den Dreißigerjahren also vor dem Zweiten Weltkrieg und uns die kommunistische Partei anschauen war veränderte die sich sehr stark, beziehungsweise die Position dieser veränderte sich in den neunzehn- dreißiger Jahren sehr stark.
00:10:55: Am Anfang dieser bis nineteen vierunddreißig galt den kommunisten Frankreichs die Sozialdemokratie eigentlich noch als der Hauptfeind.
00:11:03: Die sozialfaschismustheorie ist dann Stichwort.
00:11:06: Ninzeinvierunddreißig wurde sogar der Generalsekretäre Jugendorganisation aus der Partei ausgeschlossen weil er sich gegen diese Politik wandte und ein antifaschistisches Bündnis forderte.
00:11:17: Diese Position übernahm die Partei dann auch im Laufe des Jahres, und es kommt zu einem erneuten Patriotismus.
00:11:25: Auch unter französischen Linken und Kommunisten und dem Zusammenschluss mit der linksbürgerlichen Partie radikal.
00:11:33: Und das ist dann die Geburtsstunde der Front populär also der Volksfront, die in nineteen sechsten dreißig sogar die Wahlen zur Nationalversammlung gewinnt.
00:11:41: In den letzten Jahren kam das aber zum Verbot kommunistischer Parteiorgane aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes, der die gesamte französische Linke ganz schön schockiert haben dürfte und sogar zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Moskau durch die Volksfrontregierung.
00:11:59: Bis Ende neunzehntneunzeißig wird dann sogar die ganze Kapie verboten.
00:12:05: Sie stellt sich auf Grund einer Weisung aus Moskauer auch gegen den Krieg mit Deutschland.
00:12:10: Als man in der Mitte kam, bekam die Partei die Weisung sich am antifaschistischen Widerstand zu beteiligen.
00:12:17: Was ihre Mitglieder zu großer Zahl auch tun, was natürlich das Prästisch der Partei sehr gehoben hat so sehr dass sie in den letzten Jahren nach dem Krieg sogar als stärkste Kraft aus diesen hervorgängern also die Wahl zur Nationalversammlung und dann Teil der Regierung wird.
00:12:38: Ja, man merkt es ist ein sehr welthistorisch konflikthafter Moment der in diesen Text hineingeht.
00:12:48: Denn der Roman selbst beginnt ja quasi mit dem Tag wo die deutschen Faschisten Frankreich verlassen bzw.
00:12:57: Frankreich befreit wird von den deutschen Faszisten.
00:12:59: Im Grunde genommen beginnt das erste Satz und das erste Kapitel gerade mit diesem Ereignis.
00:13:07: Und all die Haupt-, all die Figuren, all die zentralen Figuren aber auch die Nebenfiguren treffen sich dort anlässlich dieses Eregnisses um gewissermaßen ein Toast zu sprechen auf die Zukunft.
00:13:20: also was wird jetzt folgen?
00:13:22: und alle sind mehr oder weniger sehr geprägt von der Zeit der Resistanz des Untergrundarbeit.
00:13:30: Und deswegen hatte ich so den Eindruck, um auch ein bisschen im existenzialistischen Vokabular an der Stelle zu bleiben.
00:13:37: Dass so ein historischer Nullpunkt irgendwie markiert wird.
00:13:40: Auch von Simone de Beauvoir selbst.
00:13:42: Null Punkt deshalb weil es einen Nichts markiert aus dem heraus ein neues Leben entworfen werden kann.
00:13:49: und damit beginnt eigentlich schon die große Verstrickung Weil nichts beginnt aus dem Nichts wenn man so möchte und das merken früher später irgendwie alle Figuren.
00:13:58: Aber dass ist nun mal die mehr oder weniger das große Lebensgefühl an der Stelle und irgendwo auch das Selbstverständnis dieser Resistenzintellektuellen.
00:14:10: Ein Neuer Anfang steht an, damit auch die Frage wie Intellektuelle nach dem Krieg mit ihrer eigenen Rolle umgehen sollen?
00:14:16: Mit dieser Erfahrung, mit dieser antifaschistischen Widerstandspraxis aber auch mit dem erklärten Anspruch linker Intellektueller zu sein links unter dem Gesichtspunkt einer nicht kommunistischen oder wie Robert an einer Stelle sagt, unabhängigen Linken die die Aktionseinheit mit den Kommunisten aber suchen möchte.
00:14:35: Also quasi diese Volksfrontstrategie, die du geschildert hast ist nach wie vor ja die strategische Orientierung.
00:14:44: Naja es stellt sich dann auch die Frage, die so salopp daherkommt Rick doch sehr relevant ist und vielleicht gerade in diesem Podcast mit dem Namen Klasse Literatur, das nämlich unter Klassengesichtspunkten gefragt.
00:15:02: Man sich dann doch ein Gedanken umtreiben wie welcher Typus des Intellektuellen ist hier überhaupt am Werk?
00:15:12: Also mit welchem Typus das Intellektuelle haben wir es hier zu tun der dieses Milieu im Roman ausmacht?
00:15:20: Damit auch die Frage an dich.
00:15:21: Zu welcher Klasse gehört ein Intellektueller konkreter dieser Typus von Intellektuellen?
00:15:29: Ja, also ganz platt gesprochen würde ich die alle als großbürgerlich bezeichnen.
00:15:37: Marie Perron ist vielleicht dann ein bisschen eine Ausnahme aber in dem Zusammenhang ist vielleicht auch dieser Titel ganz spannend weil der Titel Die Mandarinst von Paris Der kommt kein einziges Mal im Text vor, also das Wort Mandarin kommt kein einiges mal darin vor.
00:15:57: Und man kann sich die Frage stellen was es für die Interpretation dieses Buches und dieser Leute ausmacht dass sie von der Autorin am Titelblatt als Mandarin bezeichnet werden.
00:16:11: Mandarin sind nämlich Zivilbeamte die in der Verwaltung des chinesischen Staates tätig waren und zwar Jahrhunderte für die Ming und die Qing-Dynastie, das bedeutet von den Dreizehnhundert achten Sechzig bis Neunzehundert Elf.
00:16:29: Also bis zum Ende des Kaiserreichs eigentlich oder nicht ganz.
00:16:35: Und das waren gelehrte Richter und Beamte also Leute der Führungsschicht.
00:16:40: Staatstragende Leute!
00:16:43: Das sind die Hauptfiguren dieses Romanens.
00:16:46: meiner Ansicht nach eigentlich nicht.
00:16:48: Sie befinden sich konstant in einem Spannungsverhältnis zum Staat auch zu den Gaulisten, die dann die Macht ja übernehmen.
00:16:54: Schalte Gold wird ihr dann Staatspräsident und mit denen, die nach eigenem Verständnis zumindest nicht viel gemein haben.
00:17:03: Trotzdem sind sie bürgerliche Intellektuelle.
00:17:07: Sie sind sehr bewusst keine Kommunisten.
00:17:10: Sie stammen alle bis auf Marie, wie gesagt aus gutem Hause.
00:17:16: Und die Autorin selbst stammte ja auch aus Gupenhause – sie hat sogar eines ihrer Erinnerungsbücher als Tochter aus G upenhauses sozusagen bezeichnet.
00:17:29: Ja ich würde sagen es ist eine sehr bürgerliche intellektuellen Schicht, die da beschrieben wird.
00:17:34: Ja in der Tat, dem kann ich nur beiflichten.
00:17:36: Ich finde das merkt man vor allen Dingen in der Sprache und den Dialogen also quasi wie sie zueinander sprechen.
00:17:43: es gibt eine gewisse Firmlichkeit die bestimmten Milieus der bourgeoisie sehr eigen ist vor allem der bildungsbürgerlichen groß bürgerlichen Milieuse der Bourgeoisie aber auch mit dem riesengroßen Gepäck und Reservat an Wissen und Ideen die Sie haben.
00:18:01: Mit Ideen umzugehen, mit Ideen zu kommunizieren erscheint den Figuren als was völlig Selbstverständliches.
00:18:09: Wie vielleicht manchen Milieus aus der proletarischen Klasse der Sport eher normal erscheinen oder das Fußball spielen oder andere Form kultureller Praxis und ich finde auch – und das denke ich ist sehr wichtig an dieser Stelle Es handelt sich aber auch um Überläufer.
00:18:28: Also das sind alles Leute, die haben nach wie vor ihren bürgerlichen Habitus, Mit Bewusstsein ab, also nicht nur weil sie keine Ahnung wie in anders gelagerten Fällen von Thomas Mann oder so merken.
00:18:46: naja meine Klasse ist historisch überholt und deswegen bin ich historisch dazu gezwungen meine klasse zu verlassen.
00:18:52: Sondern auch mit einem moralischen Kompass versehen sagen Sie okay meine Klasse ist aber auch eine Verbrecherklasse.
00:19:00: Ich muss mich von Ihnen loslösen nicht nur aus historischen Gründen, sondern auch aus moralischen Gründe.
00:19:05: Und ich finde das schlägt immer wieder durch und ich fand tatsächlich auch in dem Zusammenhang den Titel ja der hatte was Ironisches, was selbst ironisches zumal er neben denen was du gesagt hast beschrieben hat vor allen Dingen ja auch zeigt naja die Mandarin waren ja auch bezahlte Intellektuelle im chinesischen Kaiserreich also sie war nicht nur Funktionseliten wie Richter sondern es waren bezahlten Gelernte die im Grunde genommen Ja, Stichwortgeber Ratgeber des Kaisers waren also der Herrschaft in gewisser Weise und da ist finde ich immer wieder ein Twist.
00:19:40: Und vielleicht lohnt es sich an der Stelle auch kurz mal was zum französischen Existenzialismus zu sagen einfach zum besseren Verständnis des Romans und der Figuren.
00:19:51: Die französischen Existenzialisten sind soweit mir bekannt, nicht bezahlt worden von der französsischen Regierung oder der herrschenden Klasse.
00:19:58: Wobei man natürlich bei einer sociologischen Untersuchung dann auch schon mal schauen konnte wer in der Uni arbeitet oder wer in Institutionen seinen Platz hat.
00:20:06: Tatsächlich muss man aber so viel Gerechtigkeit walten lassen dass ja Sartre oder Camus oder Beauvoir meines Wissens nach Ja, er Lohnschreiber waren.
00:20:18: Sie hatten vielleicht eine eigene Redaktion und eigene Zeitungen geführt.
00:20:22: Eine Zeit lang auch tatsächlich gelehrt als Lehrer aber sie war nie klassische Akademiker mit Lehrstuhl und einem Professor mit einem Professor-Titel versehen wo sie dann ihre wöchentlichen Lesung oder Vorlesung gehalten haben.
00:20:36: Es handelt sich schon um ein Milieu von subversiven Bohems und Außenseitern die man in der öffentlichen Debatte nicht einfach so ignorieren kann.
00:20:47: Was den Französischen Existenzialismus betrifft, in aller Kürze vielleicht so viel.
00:20:53: Der Existenzialismus versteht den Menschen als radikal frei und verantwortlich für sein eigenes Tun.
00:20:59: also er besitzt keine vorgegebene Essenz oder Bestimmung, sondern der Mensch schafft seine Identität durch sein eigenes Handeln.
00:21:09: Sartra hat dazu mal ziemlich knackig die Aussage formuliert das Zitat Die Existenz der Essenz voraus gehe oder vorausegeht.
00:21:19: man kann es auch anders ausdrücken Ausgangspunkt der menschlichen Existenzen ist so zu sagen dass nichts ein unbeschriebenes Blatt zu sein eine Tabula rasa zu sein und gerade deshalb Weil man nichts ist, sei man als Mensch zur Freiheit verurteilt.
00:21:36: Also da haben wir zwei ganz starke Begriffe die meiner Ansicht nach auch immer praxistheoretisch in dem Roman zum Einsatz kommen.
00:21:44: also was ist Freiheit?
00:21:46: Was ist moralische Integrität?
00:21:48: und wie können wir diesem Nichts dieser Sinnlosigkeit unsere Existenz entkommen?
00:21:52: ja Daher betont der Existenzialismus auch, dass Freiheit immer in Beziehung zu anderen Menschen und zur Gesellschaft gelebt wird.
00:21:59: Also man ist Atom aber immer assoziiert mit anderen Atomen Und deshalb das ethische und das politische Engagement Teil des ja des eigenen Daseins ist.
00:22:12: Mit anderen Worten Du bist nichts Willst du sein musst du handeln musst du dich in die Welt werfen.
00:22:20: Auch das wieder so ein typischer Begriff von Zartre, dass man einen Lebensentwurf entwickeln muss und den man jederzeit auch überwerfen kann.
00:22:33: Im Angesicht jedoch der Befreiung vom deutschen Faschismus – dann wird es wieder konkret, dann hört das nichts auf, nicht zu sein!
00:22:42: Und seiner Barbarei brachte der Existenzialismus in der Tat auch das Lebensgefühl einer ganzen Generation von Intellektuellen, in dieser bestimmten historischen Situation begrifflich und ästhetisch unsystematisch – wenn man an die Schriften von Zartre denkt – zum Ausdruck.
00:22:58: Davon hat sich dann auch Simone de Beauvoir sehr inspirieren lassen.
00:23:03: Deswegen fände ich es ganz interessant, an dieser Stelle nochmal einen Blick auf sie zu werfen Rik, war sie denn auch Teil des organisierten Widerstands?
00:23:14: Und inwiefern hat der Krieg und diese Faschismus-Erfahrung sich schriftstellerisch und politisch geprägt.
00:23:25: Als Zartre aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam, ... ... haben die beiden ja zusammen unter anderem mit Merloponti eine Intellektuellen Gruppe... die irgendwie Teil der Resistanz war gegründet, diese Sozialisme-Libertegruppe.
00:23:45: Davor war sie knapp zwei Jahre ohne Sartre in Paris und vor allem in dieser Phase des sogenannten komischen Kriegs vor der Besatzung Nordfrankreichs.
00:23:57: Diese Phase muss sich ewig angefühlt haben, dieser Stellungskrieg wo nichts weiter ging, wo der Krieg keine direkten Auswirkungen auf das Volk hatte, wo man wusste okay der Krieg ist ausgebrochen aber wir merken das gar nicht und es muss eine total absurde Situation gewesen sein den dem die Franzosen dann eben den Namen komischen Krieg gegeben haben.
00:24:25: Und in dieser Zeit vor allem als dann klar war okay die Deutschen gewinnen diesen komischen kriege und ziehen auf paris zu ist sie vor den auf der auf der flucht gewesen und aus Paris weggegangen Richtung Westen.
00:24:40: Spannenderweise, sobald die Besatzung dann vollendet war ist sie wieder zurück nach Paris gegangen.
00:24:46: also sie hat richtig eingeschätzt dass sie eigentlich nicht so viel – Sie persönlich – nicht soviel von den Deutschen zu befürchten hatte.
00:24:58: Sie kam zurück, arrangierte sich was ihr Satre bei seiner Rückkehr sehr vorhielt gewissen Blaueugigkeit heraus, denn er arrangierte sich dann auch.
00:25:12: Also er schaffte es sogar sich dazu zu bringen unter deutscher Zensur zu publizieren.
00:25:18: Sein wichtigstes... also ich glaube sein erstes Hauptwerk Philosophisches ist unter der deutschen Zensuur erschienen konnte da erscheinen vermutlich auch weil das kein Zensor tatsächlich gelesen hat komplett.
00:25:31: du meinst dass seien und nichts?
00:25:34: Genau, ja.
00:25:35: Tatsächlich.
00:25:35: an der Stelle vielleicht auch der Hinweis, Sartre hat seine eigene Philosophie nämlich des französischen Existenzialismus entwickelt aus einer intensiven Rezeption kritischen Rezeptionen von Martin Heidegger's Existenzialphilosophie.
00:25:53: und das spielte sich alles in dieser Zeit ab.
00:25:55: Dann irgendwann gegen Ende des Krieges vor allem als die Deutschen angefangen haben die Rassengesetze auch in Frankreich anzuwenden, Jüdinnen und Juden den Stern tragen mussten.
00:26:09: Dann auch Deportationen begonnen haben.
00:26:11: Da wurde jetzt auch für Sartre et Beauvoir sehr spürbar.
00:26:16: dieser Krieg und die deutsche Besatzung.
00:26:18: Und sie haben später beide geschildert dass Sie sich wahnsinnig gelehmt gefühlt haben.
00:26:27: Merleau-Pontier Dieser schon erwähnte Freund der beiden schrieb, dass der Krieg jede Möglichkeit auf einem Privatleben ab dem Punkt eigentlich zerstört hatte.
00:26:38: Er selbst radikalisierte sich soweit an das er in Frankreich einen Kommunismus nach sowjetischem Vorbild forderte.
00:26:46: Soweit gingen Neosaten und Dubobois nie alle drei und einige andere auch publizierten nach der Befreiung.
00:26:54: dann aber in rascher Folge einer unzolleren Texte, gründeten diese sehr berühmte Zeitung Le Tombe Modern.
00:27:03: Eine politische Zeitung für Kulturpopulizistik und sie schrieben im Literatur Theaterstücke Romane Sie schreiben ständig Sarah Bakewell die eine wirklich sehr lesenswerte populär wissenschaftliche Kollektivbiografie dieser Leute geschrieben hat, schreibt in diese.
00:27:25: all diese romane Erzählungen und Essays der vierziger Jahre zeigten weniger einen Zustand der posttraumatischen Erschöpfung als den einer erwartungsvollen Erregung.
00:27:34: Und genau diesen Zustand finde ich fängt Simone de Beauvoir in dem Mandarin von Paris auch in diesen ersten Kapiteln ein wo klar ist okay jetzt muss irgendwas passieren was tun wir also?
00:27:44: da war sehr viel Lust jetzt mitzugestalten Und die Mandarin sind für mich so irgendwie eine Chronik der Ernüchterung dieser anfänglichen erwartungsvollen Erregungen.
00:27:57: Die in der Tat stufenweise kulminiert.
00:28:00: und während du beschrieben hast, filmier noch dazu ein recht spontan dass auch biografisch all diese Persönlichkeiten unter dem Eindruck der Oktober Revolution standen von der man ja wusste sie folgte inmitten oder in Folge eines Krieges.
00:28:20: Und gerade in der französischen Arbeiterbewegung gibt es ja dann auch dieses durchaus heroisch und leerfte Beispiel, der Pariser Commune das hier auch im Kontext eines Kriegs entstand und überhaupt als Revolution aus einem Krieg heraus hervorgehen weil das Volk sagte nein wir wollen unser Blut nicht mehr vergießen für die Interessen der Herrschenden Klasse.
00:28:41: Und vielleicht ist es diese Art von euphorischer Erwartungshaltung, die damit einhergeht dass die Intellektuellen so eine unglaubliche Produktivität entfaltet haben.
00:28:51: Weil sie vielleicht ja erwartet haben jetzt wo wir vom deutschen Faschismus befreit sind mit einem gewissen Anteil unserer eigenen Untergrundarbeit.
00:29:01: Jetzt muss ne neue Zeit anbrechen!
00:29:03: Eine revolutionäre andere Zeit.
00:29:05: Tatsächlich muss man dazu auch hinzufügen und ich glaube, wir werden immer wieder zu sprechen kommen.
00:29:11: Dass es sich bei diesen nicht kommunistischen Linken Merloponte vielleicht etwas ausgenommen, wobei der sich später auch nochmal anders entwickelt.
00:29:19: Immer wieder diese Orientierung zeigt – auch bei Sartre, bei Beauvoir sowieso meine Ansicht nach und bei Camus mit fast so tragikomischer Konsequenz -, dass sie alle irgendwie einen dritten Weg suchen.
00:29:35: Nicht kommunistische Linke Utopie verfolgen.
00:29:40: Jenseits von Kapitalismus, jenseits aber auch des real sich verwirklichenden Kommunismus in der UDSSR und später vor allen Dingen in einigen Teilen Osteuropas?
00:29:53: Ja da fand ich es ganz ganz spannend und erstaunlich beim Lesen das sich trotzdem dass das alles so dritte Weg.
00:30:02: linke waren Vor die Wahl gestellt, USA oder UDSSR wählen sie alle ausnahmslos.
00:30:09: Die gesamte Romanhandlung über die UDSSR also vor diese rein rhetorische Frage gestellt, aus der dann nicht zwingend folgt das man in der KP beitritt.
00:30:18: aber trotzdem sind sich alle sicher dass die UdSSR wenn man sich schon entscheiden muss als kleines Frankreich die bessere Option wäre.
00:30:26: Absolut!
00:30:27: Also der Gassenhast ist eher Richtung dem US-Kapitalismus gerichtet und die Sympathienrichtung dem Sozialismus in der UDSSR.
00:30:38: Und das nicht nur im Zweifel, sondern tatsächlich auch im Wissen dass man in dieses Lager gehört.
00:30:45: Nur warum dann doch noch diese Haltung bewahrt hat?
00:30:52: zu sagen, wir treten nicht ein.
00:30:54: Wir werden keine Kommunisten.
00:30:55: Wir müssen auch andere Aufgaben als linke Intellektualität
00:30:57: erfüllen.".
00:30:58: Dazu kommen wir jetzt zu sprechen indem wir eben in den Roman einsteigen und ich glaube der beste Weg diesen Roman zu verstehen ist anhand seiner zentralen Figuren.
00:31:09: die Namen sind schon gefallen.
00:31:11: Der Kontext liegt vor Und gerade diese Figuren tragen sozusagen die Geschichte und auch um sie herum kreist dann auch dieses Pariser linke Boheme-Milieu, wie eine Drehscheibe aus der dann die Figuren halt irgendwie plötzlich in ganz andere Richtungen geschleudert werden.
00:31:32: Fangen wir mit dem Schriftsteller und Journalisten Henry Perron an.
00:31:37: Kannst du ihn vorstellen und seine Entwicklung skizzieren?
00:31:42: Ja, genau.
00:31:43: Arie ist eben der, dem die Hälfte des Romans gehört aus dessen Perspektive wenn noch aus der dritten Person ungefähr fünfhundert Seiten dieses Buches erzählt sind.
00:31:56: Arrie ist im Journalist und Schriftsteller und liiert mit Paul, die er aber schon zu Beginn des Romands eigentlich nicht mehr liebt.
00:32:05: Er ist Mitherausgeber der Espoir.
00:32:09: Wir haben uns eigentlich darauf geeinigt dass wir das Ganze nicht in irgendeiner Weise biografisch lesen, aber die SPOA ist equivalent zu lesen.
00:32:17: Zu dieser letont-modernen Zeitung eines Organs der Resistenz eben.
00:32:23: Dieses steht genau wie Henry selbst für einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus sowjetischer Prägungen.
00:32:30: um der Stadt Paris und seiner Freundin Paul zu entkommen fährt er erstmal ins faschistische Portugal also immer noch faschistsische Portugal um eine Reportage zu schreiben und Vorträge zu halten.
00:32:44: Dorthin mit nimmt er Nadine Dubreu, also die Tochter ist eines älteren Freundes Robert und dessen Frau an.
00:32:52: Die beiden haben da eine Affäre... ...die Altersunterschiede zwischen den verschiedenen in den verschiedenen Paaren sind auch ganz spannend.
00:33:02: Zurück aus Portugal bittet ihn bald Robert Dubreu die Espoir zum Sprachrohr der linken Bewegung zu machen, die Robert mit anführt und deren Mitglied auch Henri ist.
00:33:12: Doch der weigert sich!
00:33:15: Und als Berichte über Straflager oder SSR auftauchen entscheidet Henri sich dazu von diesen zu berichten... ...und damit entscheidet er sich eigentlich gegen Robert weil... Ja, dazu komme ich vielleicht später noch wenn wir über Robert reden.
00:33:33: Die beiden brechen auf jeden Fall.
00:33:35: Die SPOA leidet dann in weiterer Folge unter schwindendem Publikum, weil die Arbeiterchaft liest ihr nicht mehr.
00:33:42: Weil es kommunistische Blätter gibt... ...die eher ihre Interessen vertreten und das Bürgertum liest sie auch nicht.
00:33:56: Er verdient aber doch Geld oder schafft es an Geld zu kommen.
00:34:01: Und zwar indem er sich an einen mit Szenen hält.
00:34:06: Der bringt dann sogar ein Theaterstück von ihm auf die Bühne.
00:34:09: Im Gegendzug dazu muss dessen Tochter, also die Tochter des Metsenen Josette allerdings die Hauptrolle in dem Stück spielen und sie ist keine begnadete Schauspielerin.
00:34:19: Zusätzlich fängt sich Ori dann aber gleich auch ein Verhältnis mit dieser an.
00:34:25: Als ihm Unterlagen zukommen, die beweisen dass Josette während des Kriegs eine Lyaison mit einem deutschen Soldaten hatte Und dann auch noch erfährt, dass Josette und ihre Mutter damit erpresst werden von einem Nazispitzel der gefangen wurde.
00:34:40: Entschließte sich vor Gericht einen Main-Eid abzulegen und damit sowohl den Spitzel als auch Josett zu retten.
00:34:47: Angeeckelt für sich selbst sucht er den Rückzug ins Private will nur mehr unpolitisches schreiben nach Italien ziehen.
00:34:53: mittlerweile ist ja wieder mit Nadine zusammen die ein Kind von ihm erwartet.
00:34:59: aber auch diese Haltung ist nicht dauerhaft.
00:35:02: Das zeigt dann das Ende des Romans, wo er sich tatsächlich mit Robert versöhnt und in Paris bleibt.
00:35:09: Ja ich finde dazu muss noch was gesagt werden nämlich weil es mich so sehr auch streckenweise empört hat die Beobachtung nämlich dass Henri im Laufe des Romans drei große Liebesaffären hat und auch sicherlich aufrichtig liebt nämlich Paul Nadine und Josette Und tatsächlich all diese drei Frauen beträchtlich jünger sind als er, das mal dahingestellt.
00:35:38: Das ist sich aber auch bei diesen Frauen oft handelt, Nadine vielleicht etwas ausgenommen um KünstlerInnen die ja irgendwie groß rauskommen wollen oder mal... das Potenzial dazu hatten und sobald sie nicht mehr dieses Potenzal verwirklichen können, er sich irgendwie von ihnen löst.
00:35:58: Das ist auch echt irgendwo unter dem Gesichtspunkt.
00:36:02: ein geschlechter Aspekt spielt immer in dem Roman eine Rolle der den Männern eine bestimmte Position zuweist ebenso aber auch den Frauen.
00:36:14: Das möchte ich an dieser Stelle hervorheben, weil wir später noch mal auf diesen Aspekt der Situation der Frauen zu sprechen kommen.
00:36:21: Zurück zur Orie.
00:36:22: Orie ist ... Der große Morallist!
00:36:25: Das ist so meine Notiz rick und nach eigenem Verständnis an einer Stelle heißt es der Kleinbürgerliche Schriftsteller.
00:36:33: Dieser genießt aber auch eine große Integrität und Achtung bei den jungen Intellektuellen.
00:36:39: Immer wieder fragt er sich ob man sich politisch engagieren und gleichzeitig unabhängig bleiben kann.
00:36:47: Er will sich also nicht schuldig machen, er wird aber schuldigt angesichts der Umstände und seinen Entscheidungen.
00:36:53: Ich habe dazu eine kleine Ausschnitte zusammengestellt die so mehr oder weniger seine Entwicklung... schlaglichtartig meine Ansicht nach wiedergeben.
00:37:07: Und die möchte ich kurz vorlesen, relativ am Anfang des Romans sagt er an einer Stelle und der Kontext ist jetzt erst mal egal, da sagt er Ich lehne mich dagegen auf weil ich Angst habe von der Politik aufgefressen zu werden Weil ich neue Verantwortlichkeiten fürchte, weil ich mich vergnügen und vor allem mein eigener Herr im Hause bleiben möchte.
00:37:29: Also das sagte im Kontext ob die Espoir Teil der Zeitung von Roberts Parteiplänen sein soll.
00:37:39: Und das lehnt er zunächst erst mal ab, dann heißt es vom Erzähler weiter alles in allem waren das recht belanglose Gründe.
00:37:47: als er am nächsten Morgen in den Verlag ging hofft er im Grunde seines Herzens dass Luke ihm bessere liefern könnte.
00:37:54: Dann heißt es etwas später Die beraten quasi schon, also mit die meine ich Henri und ja andere Intellektuelle, die sich schon parteiförmig organisieren oder organisieren möchten.
00:38:09: Und es findet eine Versammlung statt.
00:38:11: Und Henri sitzt dabei in der Runde und dann heißt das alle Perspektiven würden sich ändern wenn sich die Haltung der Kp ändern sollte feststand nur dass man sich nicht einschüchtern lassen durfte.
00:38:24: darüber waren sich alle einig und diese Debatten waren läppisch.
00:38:29: So, und jetzt kommt Henri.
00:38:30: Während wir hier sitzen angeln.
00:38:32: manche Leute dachte Henri er machte sich nichts aus Angeln aber die anderen, die es liebten was hatten die für ein Glück?
00:38:42: Also man merkt hier ist auch so ein Istät irgendwo.
00:38:45: irgendwie will in der Welt seinen Rücken zuwenden Aber irgendwie kann er auch nicht.
00:38:50: Dann ja sozusagen gegen Ende Gibt es dann diesen knackigen Satz, wo er seine Versöhnung gefunden hat mit den Umständen?
00:39:05: Heute war er von seiner Ohnmacht hinreichend überzeugt um sich völlig frei zu fühlen.
00:39:14: Ja das ist irre an der Stelle also auch angesichts des Pathos und des Anspruchs des Existenzialismus Rick, lassen sich persönliches Glück und politische Verantwortung miteinander vereinbaren?
00:39:25: Und vor allem gelingt das ... gelingt es Henri.
00:39:31: Ja also, Henri gelingt ganz klar nicht!
00:39:35: Für mich liegt darin auch eine Kritik seines Schlags, dass sich nicht festlegen dann nicht vereint zu nehmenden hyperindividuellen Künstlers.
00:39:46: Er ist in seinem ganzen Wesen im Widerspruch zu den Idealen für die er glaubt, zu kämpfen.
00:39:50: Nach eigener Auffassung ist er ja sehr wohl ein Linker... ... doch tut er in dem ganzen Roman eigentlich nur Dinge, die der Linken schaden.
00:39:57: Nicht nur der kommunistischen Linken sondern der Linkens insgesamt!
00:40:01: Er ist außerdem wahnsinnig opportunistisch und selbstgerecht und schafft es sich jede Handlung zurechtfertigen weil er selbst die einzige moralische Instanz ist, der er höre ich sein möchte.
00:40:14: Das führt fast schon zwingend dazu, dass er alle Ideale verrät und mit seinen Freunden bricht.
00:40:19: Also persönlicher Lesereindruck vielleicht bei dieser Sache mit dem Main-Eid wo er um Josette und ihre Mutter zu rächen die offensichtlich kollaboriert haben mit den Deutschen behauptet er also rettet er einen Spitze also einen richtigen Kollaborateur vor einer Verurteilung ... dann in weiterer Folge eigentlich selbst zu einem ... ... Kollaborateur und hasst sich auch dazu, dafür macht es aber trotzdem.
00:40:53: Und da liegt eine ganz große Tragik drin ... ... und ich finde diese Tragic ist in dem Buch auch ... ... wahnsinnig packend geschildert... ... und es hat mir halt gegraut in diesem
00:41:06: Kapitel.".
00:41:07: Ja!
00:41:08: Eine Tragik, aber auch eine Komik finde ich.
00:41:12: Die ein immer wieder überrascht zurücklässt weil ein unfassbares Gefälle zwischen Anspruch und Handlung am Werk ist.
00:41:23: Kommen wir zu weiteren Figuren an nämlich die ja auch immer wieder als Erzählerin auftritt.
00:41:28: kannst du sie mal vorstellen und die wichtigen Stationen ihrer Entwicklung skizzieren?
00:41:35: An ist Psychoanalytikerin und mit Robert Dubreu verheiratet.
00:41:40: Die beiden führen eine offene Beziehung, was ja für die vierziger-fünfziger Jahre in Frankreich schon bemerkenswert ist.
00:41:48: Andererseits nutzen beide diese Beziehungen kaum Robert weil er sich eigentlich nicht viel anderes als seine Bücher und seinen Schreiben interessiert.
00:41:58: frustriert, dass sie das auch nicht nutzt.
00:42:01: Sie fühlt sich alt und nicht begernswert.
00:42:03: Man muss dazusagen, sie ist glaube ich zwanzig Jahre jünger als Robert und war seine Studentin, als sie sich kennengelernt haben.
00:42:14: Aber sie begehrt auch selbst kaum am Anfang des Buches Das eine sexuelle Erlebnis, was sie in Paris hat es dann sehr unangenehmes.
00:42:22: Dann aber geht sie in die USA also trennt sich räumlich auch sehr stark von Robert und Nadine.
00:42:30: Sie ist sich lange Zeit auch gar nicht sicher, ob sie sich das zutraut allein in die USA zu gehen und mal was für sich, für ihre Karriere zu tun, nämlich sie soll in den USA psychoanalytische Vorträge halten.
00:42:44: Dort lernen sie dann aber jemanden kennennen, nämlich den kommunistischen Schriftsteller Louis.
00:42:49: Mit ihm beginnt sie eine Affäre, die sich schnell zu einer sehr intensiven Liebesbeziehung entwickelt.
00:42:55: Die aufgrund der räumlichen Distanz von vornherein eigentlich schon zum Scheitern verurteilt ist.
00:43:00: Für mich sind die Beschreibungen der glücklichen Tage, die Anne und Louis miteinander verbringen mit das schönste, merklich am tiefsten gefühlte Element des Romans.
00:43:10: Sie besucht ihn noch einmal nach der ersten Begegnung für einige Monate.
00:43:13: Sie reisen umher ganz friktionslos bleibt es nicht Und wenn Sie sich nicht sehen, wenn sie also in Frankreich ist und eher in den USA schreiben Sie sich viele Briefe.
00:43:24: Anne ist von vornherein klar dass sie Robert und ihre Tochter nicht für Louis verlassen wird.
00:43:28: doch am Ende des Buches als sie zurück in Frankrich ist führt diese Gewissheit kein Leben mit Louis verbringen zu werden beinahe zum Suizid und lässt sie völlig verzweifelt zurück.
00:43:40: Du hast ja darauf hingewiesen das die beiden auch eine Tochter haben nämlich Nadine und mir ist beim Lesen aufgefallen in allen Fragen dieser Eltern-Tochterbeziehung.
00:43:53: Der Robert im Grunde genommen immer sagt, laisse sie fair.
00:43:56: also egal Sie wird schon ihren Weg gehen.
00:43:59: ich brauche mich nicht darum zu kümmern Ich habe genug Scheiß zu erledigen aber wiederum an doch immer wieder als Mutter sich fragt was das Richtige für Anne ist und wie sie sich als Mutter zu ihr verhalten soll.
00:44:10: Also auch da finde ich zeigt sich Ja, die ganzen Männerfiguren irgendwie dieser Ebene entziehen.
00:44:20: Die Männer sind ja für die ist die Politik reserviert.
00:44:22: Es gibt nur die Männer machen auch Politiker sich... ich weiß nicht vielleicht kannst du mich korrigieren aber nicht.
00:44:27: eine Frauenfigur ist beteiligt an den politischen Debatten oder Entwicklung da wenn nicht als Stichwortgeber ne?
00:44:35: Aber sonst machen sie ja nichts dabei!
00:44:37: Und an ist ja tatsächlich irgendwie, dann muss die diese ganze Erziehungsarbeit machen und auch teilweise diese Sorge als Mutter mit sich verhandeln.
00:44:49: Ohne das Robert als ihr Mann und als der Vater von Nadine hier irgendwie beisteht.
00:44:58: Es ist so... Du hast jetzt diese Station beschrieben, auf der einen Seite erscheint ihr die Liebe zu Lewis als Rettung immer wieder.
00:45:07: Als eine unmögliche Rettungen.
00:45:10: Auf der anderen Seite wird sie ja von einer Todessehensucht und Sinnlosigkeit von Anfang bis Ende gequillt, bis zu diesem Suizidversuch.
00:45:17: Ich finde das bahnnt sich schon am Anfang an und dazu möchte ich kurz was lesen.
00:45:21: Denn dieser Sound kommt bei Ann immer wieder hoch!
00:45:24: Da heißt es wie folgt... Ich bin schon
00:45:30: alt.".
00:45:32: Kurz Anmerkung, ich glaube sie ist neundreißig.
00:45:34: Vor dem Krieg war ich noch zu jung als das mich die Jahre beschwert hätten dann während jener fünf Jahre habe ich mich ganz und gar vergessen.
00:45:44: Ich finde mich wieder um zu erfahren dass ich verurteilt bin.
00:45:48: mein alter erwartet mich.
00:45:50: es gibt kein Mittel ihm zu entrinnen.
00:45:53: schon kann ich es dort in der Tiefe des Spiegels erraten.
00:45:57: Noch bin ich eine Frau.
00:45:58: Ich blute noch jeden Monat.
00:46:00: Nichts hat sich geändert, doch ich weiß es jetzt!
00:46:03: Ich hebe meine Haare hoch – diese weißen Strähnen bedeuten nicht mehr nur Neugierde oder ein Zeichen?
00:46:09: Sie sind ein
00:46:09: Beginn.".
00:46:10: Mein Kopf wird noch lebendig, die Farben meiner Knochen annehmen.
00:46:15: Mein Gesicht kann noch glatt und fest erscheinen aber vor von einem Augenblick zum anderen wird die Maske abschmelzen und die verquollenen Augen der alten Frau entblößen.
00:46:25: Die Frühlinge beginnen immer wieder, die Niederlagen lassen sich gut machen Aber es gibt keine Möglichkeit mein Altern aufzuhalten.
00:46:33: Ich habe nicht einmal mehr Zeit mich darüber zu beunruhigen dachte ich und wandte mich von meinem Spiegelbild ab.
00:46:41: Selbst für ein Bedauern ist es zu spät, es bleibt nur noch übrig
00:46:46: weiterzumachen.".
00:46:47: Also dieses Altern, dieses Sterben als Lebendige taucht in unterschiedlichen Metaphern und Facetten immer wieder auf.
00:46:55: Und durch Anne kommt ja auch die Situation von Frauen im intellektuellen Milieuzusprach.
00:47:01: also das muss man wirklich betonen.
00:47:02: Es handelt sich um Frauen, die in diesem intellektualen Milieux sich bewegen Und wo man ja meinen könnte Emanzipation und so, ne?
00:47:11: Und alle Frauenfiguren scheinen auf ihre Weise vor allem an ihren Gefühlen zu leiden.
00:47:16: Also weniger an Ideen sondern vor allen Dingen an ihren gefühlen.
00:47:19: Rick kannst du vielleicht diese Situation etwas uns näher bringen und vor allem auch hier und da die Herkunft dieser Frauen eingehen, sofern es passt?
00:47:31: Ja also das was wir jetzt... von über an erzählt haben und auch gerade gehört haben.
00:47:39: Einfach nur weil ich das noch einmal so betonen möchte, an ist für mich eigentlich das größte Argument gegen eine Lesart dieses Buches als Schlüsselromanen.
00:47:49: Wenn man sich dem Wikipedia-Artikel durchliest zu den Mandarins von Paris kriegt man in der Aufschlüsselung, welche Figur in dem Buch welchem historischen Intellektuellen entspricht?
00:48:00: Da ist Robert Sartre Camus und Anselbst müsste Beauvoir sein.
00:48:10: Das geht null auf, also die Beziehung zwischen Anne und Robert funktioniert grundlegend anders als die zwischen Satre und Beauvoir funktioniert hat, die nie verheiratet waren, die gleich alt waren, sie auf Augenhöhe gelebt haben.
00:48:27: Genau nur so viel mal!
00:48:29: Für mich sind diese Frauenfiguren eigentlich nicht nicht viel mehr als eine Typenstudie.
00:48:40: Wenn man sich de Beauvoirs theoretisches Hauptwerk, das berühmte und andere Geschlecht durchliest, dann merkt man dass die Frauen in den Mandarinen eigentlich Repräsentantinnen der unterschiedlichen Typen Frau sind, die sie im anderen Geschlechten beschrieben hat.
00:48:56: Diese Typen sind solche natürlich bloß im Verhältnis zu den Männern.
00:49:01: aber was heißt bloß?
00:49:01: Es bleibt nichts anderes.
00:49:03: im Patriarchat An beispielsweise ist die verheiratete Frau in Anführungszeichen.
00:49:09: De Beauvoir schreibt im anderen Geschlecht, Zitat Nun ist die Ehe der Dubreuess zwar ungemein modern und liberal trotzdem ist immer klar dass sie das wegen ihm ist.
00:49:31: er erlaubt ihr ihre Affäre Er ist auch der deutlich ältere und sie hat ihn noch als seine Studentin kennengelernt.
00:49:37: Und, sie isst dank ihm in diesem Künstlermilieu.
00:49:40: Sie selbst ißt ja im Gegensatz zu de Beauvoir auch keine Künstlerin... ...und ihre Profession als Psychoanalytikerin, in der er sehr erfolgreich sein dürfte wenn es jetzt so eine Vortragsreise in die USA eingeladen wird spielt für ihn absolut keine Rolle und wenn man ehrlich ist eigentlich auch für den Romanen nicht.
00:49:58: Die anderen Frauen entsprechen anderen Typen, Pol zum Beispiel die Orie völlig höchrig ist ohne mit ihm verheiratet zu sein und die darüber den Verstand verliert.
00:50:08: Die entspricht der Liebenden im anderen Geschlecht.
00:50:11: meiner Meinung nach über die Liebende schreibte wo er eingeschlossen in die Sphäre des Relativen sei ihrer Kindheit dem Mann bestimmt daran gewöhnt in ihm einen Herrscher zu sehen mit dem sie sich nicht messen darf.
00:50:23: hat die Frau wenn sie ihren Anspruch mensch zu sein nicht völlig erstickt hat, nur einen Traum.
00:50:29: Ihr Sein auf eine jener höheren Wesensheiten hinzuüberschreiten sich mit dem souveränen Subjekt zu vereinigen und ihm zu
00:50:36: verschmelzen.".
00:50:38: Einer des Zitats Da Orisich dem entzieht Stürzpol in einer psychische Krise.
00:50:44: Dass die Frauen in den Buch so sehr diesen theoretischen Konstrukten entsprechen, hat mich sehr irritiert als ich das bemerkt habe.
00:50:50: Ich hab den Roman und das andere Geschlechts im Prinzip hintereinander gelesen für ein Uniseminar.
00:50:56: Am anderen Geschlecht irritiert noch so einiges andere, vieles davon ist einfach nicht mehr sehr haltbar und es kommt auch aus diesem Existenzialismus heraus.
00:51:07: In dem Buch in beiden Büchern interessiert sich de Beauvoir nämlich eigentlich nichts sehr für Klassenfragen.
00:51:13: Trotzdem wirken die Frauen in den Mandarinen sehr echt und wahrhaftig.
00:51:19: die Typen, die de Beauvoir im anderen Geschlecht beschreibt tatsächlich eigentlich die Situation der bürgerlichen Frau dieser Zeit ganz gut beschreibt oder beschreiben.
00:51:30: De Beauvoir macht dann halt den Fehler dass sie diese Typen universalisiert und irgendwie alle Frauen damit meint wo ihre Theorie einfach so sehr stark auf die bürgernliche Frau beschränkt bleibt.
00:51:48: Da möchte ich eigentlich gerne noch tiefer einsteigen.
00:51:51: Aber wir haben eine andere Figur vor uns, die jetzt immer wieder namentlich gefallen ist und an den Henri so einen Halt finden.
00:52:03: Und der auch irgendwo einen Haltung markiert, nämlich Robert.
00:52:09: Er ist ein politischer Denker und Schriftsteller ... Wie gesagt, einen fixen Bezugspunkt abgibt für Henri und ans Unsicherheiten.
00:52:23: Rik, wer ist er?
00:52:24: Und wie entwickelt er sich im Laufe des Romans?
00:52:28: Ja also Robert ist das Gravitationszentrum des Romans.
00:52:31: Er verbindet diese beiden Erzählstrenger.
00:52:33: Er kommt in beiden gleichermaßen als sehr wichtige Figur vor.
00:52:38: Er ist ein sehr erfolgreicher Schriftsteller und Publicist, der eben Ori dazu drängt die Espoir seiner linken Bewegung anzureignen.
00:52:49: Er ist Udessis-R treuer als Ori aber auch kein Kommunist.
00:52:53: ihn verstören Gerüchte über die Lager dementsprechend auch tief.
00:52:57: trotzdem ist er gegen eine Veröffentlichung weil er doch der Überzeugung ist dass die Udassis R als einziger Staat der Welt die Interessen der gesamten Menschheit vertritt.
00:53:08: ein Arbeitstier sehr genügsam.
00:53:10: Er braucht nicht mehr als das Schreiben, wie gesagt darunter leidet an.
00:53:14: Er ist vielleicht auch deshalb weil wir keine Innensicht von ihm bekommen – auch der gefestigste der drei zentralen Charaktere.
00:53:20: Ein in sich runder Beiser mit klarem moralischem Kompass.
00:53:25: Er is' nicht mal besonders nachtragend versöhnt sich dann mit Marie und bleibt eigentlich meistens oder immer sein Prinzipienträum.
00:53:34: Natürlich ist er auch ein Bürgerlicher, der sich trotz seiner Ideale seine Unabhängigkeit wahren will.
00:53:39: Also darin ist er ähnlich und dementsprechend nicht der kommunistischen Partei beitreten sondern mit dieser Konkurrieren will oder mit ihr fusionieren will.
00:53:51: Er gründet diese Bewegung die SRL.
00:53:54: Wofür dieses Akronym steht weiß man nicht.
00:53:57: es ist auf jeden Fall eine linke nicht kommunistische Bewegung.
00:54:01: die Frage, wie sich richtig zu verhalten ist.
00:54:03: Wo man sich positionieren muss.
00:54:05: diese ganzen Fragen beschäftigen auch ihn durchgehend aber er ist sehr viel Resoluter als Henri.
00:54:12: Er arrangiert sich eigentlich damit kein richtiges Leben im Fall schon führen zu können und kommt damit klar.
00:54:19: Er kommt damit Klar!
00:54:20: Und ich finde dass er auch nicht ein Privatleben hat.
00:54:24: also Ich hatte den Eindruck beim Lesen für ihn es nur die Sphäre des politischen Eine Realität.
00:54:31: Und der Rest ist ... in gewisser Weise mit heiterer Stoicismus zu sehen, nach dem Motto ob es jetzt eine Dienste ist oder auch an und ihre Fragen die sie quälen.
00:54:45: Darauf reagiert er immer so mit einem Achselzug und sagt ja mach einfach mal du wirst deine eigene Erfahrung daraus machen.
00:54:52: also gerade nicht das was diese Leute von ihm erwarten an dieser Stelle nämlich nach nem freundschaftlichen Ratschlag sondern eher so Du musst deine Erfahrungen selbst machen.
00:55:02: Das ist bemerkenswert, auch deshalb, weil ... Vielleicht ging es dir da auch so, Rick?
00:55:09: Ich finde, ob zwar so viel über Robert gesprochen wird und er auch selbst viel spricht, ist der immer in so einer Ferne.
00:55:20: Es ist immer als würde ein Abgrund auch ... mich als Leser von ihm trennen.
00:55:25: Nicht weil ich mich nicht mit ihm identifizieren kann oder möchte, darum geht es gar nicht.
00:55:29: aber er wirkt immer so unantastbar und ungreifbar hinter einem durchsichtigen Vorhang von mir getrennt.
00:55:39: Aber auch er leidet ein tragisches Schicksal unter dem Spannungsverhältnis seiner Ideale und der Realität vor allen Dingen politischen Realität zwischen seiner Rolle als Politiker und seiner Rolle als Intellektueller.
00:55:55: Und er ist auch einer der für alle anderen Figuren eine Vision nach dem Zweiten Weltkrieg anzubieten hat, nämlich diesen Weg zu gehen den du geschildert hast.
00:56:08: Ich möchte zwei Stellen lesen einmal vom Anfang und einmal ja nach einer gewissen Disillusion gegen.
00:56:17: im zweiten Teil.
00:56:18: Am Anfang heißt es in einem Gespräch, auch wieder eine politische Debatte.
00:56:22: Da sagt er ... Sie müssen's ja wissen, sagte De Bruyel.
00:56:27: Lebhaft begann er wieder!
00:56:29: Auf jeden Fall haben wir hier in Frankreich ein sehr präzises Ziel.
00:56:34: Die Verwirklichung einer echten Volksfrontregierung.
00:56:37: Dazu bedarf es einer nicht kommunistischen Linken die Stand hält Erwandte sich an Henri.
00:56:43: Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren!
00:56:45: Jetzt haben die Leute das Gefühl, dass die Zukunft noch offen ist.
00:56:49: Warten wir also nicht so lange bis sie enttäuscht
00:56:51: sind.".
00:56:54: Im zweiten Teil wieder ein Dialog mit Henri und nach gewissem Lehrgeld sagt der Folgendes Robert Zürgerthe Willst du wissen was ich im Grunde meine?
00:57:07: Natürlich entgegnete Henri Und Robert sagt Der Intellektuelle hat heute ausgespielt.
00:57:15: Klar, er meint sich selbst.
00:57:17: Wieso?
00:57:18: sagt Henri.
00:57:18: Er kann immerhin Schrift stellen oder etwa nicht?
00:57:22: und Robert dazu... Oh!
00:57:23: Wenn es einem Spaß macht, kann man Worte aneinander rein wie man Perlen aufzieht.
00:57:28: Man muss sich nur hüten etwas zu sagen.
00:57:31: aber selbst so ist es gefährlich.
00:57:33: Nanu sagte ich also in ihrem Buch setzen sie sich für die Literatur ein.
00:57:41: Hoffentlich bewahrheitet sich das, was ich gesagt habe eines Tages.
00:57:45: Zur Zeit glaube ich ist das Beste, was wir tun können dafür zu sorgen dass man uns vergisst.
00:57:52: Sie werden nicht einfach aufhören wollen zu schreiben fragte an.
00:57:55: doch wenn ich mit diesem essay fertig bin schreibe Ich nicht mehr?
00:57:59: ja weshalb nur?
00:58:01: und robert sagt Ja, weshalb schreibe ich denn?
00:58:04: Weil der Mensch nicht vom Brot allein lebt und ich an die Notwendigkeiten dieses überflüssigen glaube.
00:58:11: Ich schrei beum alles das zu retten was beim Handeln vernachlässigt wird – die Augenblicklichen Wahrheiten, dass Individuelle das Unmittelbare.
00:58:20: Bis jetzt dachte ich diese Arbeit gehöre mit zur Revolution aber nein!
00:58:26: Sie stört sie.
00:58:27: Heutzutage nutzt man jede Literatur, die darauf abzielt den Menschen etwas anderes als Brot zu geben für den Nachweis aus dass sie sehr wohl ohne Brot auskommen können.
00:58:39: Also sozusagen die Literatur ist per se reaktionär weil sie dieses große Ziel nicht sieht oder weil das was sie mitteilt gegen die Revolution gegen die klassenlose Gesellschaft, gegen den Kommunismus gewendet wird.
00:58:54: Also wir sind hier mittendrin, Rick und ich muss diese Frage trotzdem stellen auch wenn du die schon gestriffen hast nämlich warum organisiert sich Robert nicht als Kommunist um gerade diese Widersprüche in einer revolutionären und kollektiven Praxis aufzuheben?
00:59:13: Ja also ich habe die Deinigen gestriffen das ich gesagt hab ja gut er ist halt ein bürgerlicher Intellektueller Aber das reicht nicht, weil es gab ja auch bürgerliche Intellektuelle die dann revolutionär wurden.
00:59:28: Vielleicht ein kurzes Zitat von Ori warum der nicht beitritt ist... ...Zitat Anfang Wenn man aber kein Vertrauen in ihre Freiheit also die Freiheit der Menschen ihr Urteilsvermögen ihren guten Willen hatte Dann lohnte er sich auch nichts für sie einzusetzen und man setzte sich schlecht für Sie ein.
00:59:48: Also das ist so die Unterstellung dass die Kommunisten eben keinen Vertrauen in die individuelle Freiheit der Leute haben.
00:59:56: Und diese Haltung teilt Henri mit Robert und das ist auch die Haltung Satres und de Beauvoirs, die sich aus dem Existenzialismus erklärt.
01:00:09: Du hast vorhin schon ein bisschen was zum Existenzialismus gesagt – ich habe bei Georg Lukasch, den maksystischen Theoretiker nachgeblättert, er hat einen Buch geschrieben mit dem Titel Existenzialismus oder Marxismus und der führt darin aus.
01:00:25: Der Existenzialismus ist nicht allein die Philosophie des Todes, sondern zugleich auch die der abstrakten Freiheit.
01:00:32: Dies ist einer der wichtigsten Gründe für die Popularität vor allem des zartrischen Existenzealismus.
01:00:37: und hier ist – obwohl dies im ersten Moment paradox klingt– die reaktionäre Seite der heutigen Wirkung des Existenziellismus verborgen Die Freiheit, die der Existenziallismus meint eine Freiheit im Allgemeinen abstrakt, ohne jedweder Analyse oder Differenzierung.
01:00:56: Kurz gesagt die Freiheit als Mythos der gerade in seiner konturlosen Beschaffenheit alle unter seiner Fahne vereinigen konnte, die Feinde des Faschismus waren, die gleich gültig von welcher Perspektive aus den Faschwismus hassten Gleichgültig, woher sie kamen und wohin sie zu gehen gedacht.
01:01:13: Für diese Menschen war nur eines wichtig – dem Faschismus ein Nein zuzurufen!
01:01:18: Je inhaltsloser dieses Nein war umso besser drückte es dieses Lebensgefühl aus.
01:01:22: Das abstrakten Nein und sein gedankliches Pondant die abstrakte Freiheit waren für viele Menschen der genaue Ausdruck für den Mythos des Widerstandes.
01:01:31: Wie wir sehen werden… ist der satrische Freiheitsbegriff so abstrakt wie nur irgend möglich.
01:01:36: Dies macht es verständlich, warum die Zeitstimmung den Existenzialismus auf ihren Schild erhob und weshalb sie in ihm die adäquate Philosophie einer Zeitströmung
01:01:45: erblickt.".
01:01:49: Ich finde daraus wird schon recht deutlich, warum diese Leute sich dieses Gedankengut propagiert – wer es begründet im Satresfall kann dann nicht kommunist werden.
01:02:02: Und da, auch wenn das Wort Existenzialismus kein einziges Mal in den Mandarin von Paris vorkommt würde ich sagen ist all deren Haltung zum Kommunismus in der Haltung des Existenzialismus begründet.
01:02:16: So wie Lukas den beschreibt und das lehnt sie alle.
01:02:20: Der Ausführung zeigt vor allem auch dass der Existenziellismus als eine historisch gewordene und in einer historisch ganz konkreten und bestimmten Situation wirksame Philosophie zu verstehen ist.
01:02:36: Und man sie nicht einfach so von dieser Zeit und diesem Kontext lösen kann, vielleicht würde ja gerade diese Loslösung vom Kontext und einer regelrechten Adaption in die heutige Gegenwart erst recht diese reaktionären Seiten hervorheben, sie da zum Beispiel sich im hyperindividuellen Handeln oder in einer hyperindividuellen Haltung zeigen würden.
01:03:05: Oder auch in einem gewissen ahistorischen Verhältnis zu der eigenen Umgebung.
01:03:11: Das ist ein anderes Thema.
01:03:13: Mir ist vor allen Dingen über diesen weltanschaulichen Respekt hinaus auch aufgefallen dass alle Figuren ständig von und über die Arbeiter und das Proletariat reden doch ist doch es nicht eine Figur aus der Arbeiterklasse gibt, die irgendwie auftaucht.
01:03:34: Namentlich oder so was.
01:03:36: Wenn auch als Randfigur... Es gibt nur den einen Hinweis des Arbeitern neben der Humanité, also der Zeitung der französischen
01:03:44: Kp.,
01:03:44: auch den Espoir am Kiosk kaufen.
01:03:47: Nur dann werden sie genannt quasi als zahlungsfähige Nachfrage.
01:03:53: Also die Arbeiter erscheinen uns nicht mal als aus Entfernung.
01:03:59: Sie erscheinen uns gar nicht in diesem Roman, obwohl immer wieder auf sie Bezug genommen wird.
01:04:05: Ich finde darin drückt sich auch das ganze Dilemma der Hauptfiguren und vor allen Dingen von Robert aus.
01:04:11: Intellektuelle sind nicht das revolutionäre Subjekt.
01:04:15: Das ist das Fazit von die Mandarins von Paris – zumindest ist es mein Fazit!
01:04:20: Und das macht es sehr leerhaft... Rick, üblicherweise gehe ich zum Schluss immer auf Stil und Ästhetik und die Sprache den Text ein.
01:04:31: Und das würde ich gerne jetzt auch machen.
01:04:33: Lass uns noch einen Blick werfen auf Bevoirs Sprache!
01:04:38: Der Roman ist – Ich habe es dir im Vorgespräch mal gesagt etwas polemisch überspitzt eine Flut von Wörtern und lebt von zwei Drittel Dialogen und ein Drittel Reflexion über diese Dialoge.
01:04:53: Wie hast du den Text wahrgenommen?
01:04:55: Ja, also das widerspricht jetzt vielleicht meinen kritischen Ausführungen von gerade oder beziehungsweise meinem Vorlesen von dem was Lukas über die Existenzialisten dachte und dem ich eigentlich auch zustimme.
01:05:07: Aber mich hat der Roman wahnsinnig gepackt!
01:05:09: Ich finde... Das ist eine Konstruktion mit diesen Dialogen, mit diesen Reflexionen, die wahnsinnigt mitreißend sind, die sich gut wegliesen lässt.
01:05:21: Also das ist trotz dieser Thematik.
01:05:24: Ein wahnsinnig gut wegließbares Buch, vielleicht liegt das auch an der Neuerung Übersetzung und am neuesten die ich gelesen habe dass ich eher den Eindruck hatte aber ja ich hatte wahnsinnigen Spaß damit.
01:05:40: Ich finde nämlich dass de Beauvoir wahrscheinlich ohne es zu wollen einfach weil sie einen ehrlichen Fragezeichen realistischen Roman schreiben wollte vorgeführt hat, wie sich Intellektuelle in so einer politischen Situation eben nicht verhalten sollten.
01:05:57: Arie ist natürlich das große Mahnmal – so darf man keinesfalls werden!
01:06:00: Man muss gefestigter sein als er und etwas anderes zu einer moralischen Instanz machen als ein eigenes Gewissen.
01:06:06: Robert ist zwar standhafter aber auch ratlos anerwiegt Selbstmord.
01:06:10: Das sind alles keine Helden denen es nachzueifern gilt.
01:06:15: De Beauvoir finde ich entlarvt mit diesem Roman vermutlich wieder Willen den Existenzialismus als untaugliche politische Philosophie.
01:06:24: Und das macht das Buch wahnsinnig wertvoll, auch aus linker Perspektive zu lesen und zu besprechen.
01:06:31: Dem kann ich nur zustimmen!
01:06:34: Das bestätigt total meine Lese-Erfahrung.
01:06:37: Und an dieser Stelle möchte ich auch die eine oder anderen Merkmale generell existenzialistischer Literatur zusammentragen und hervorheben.
01:06:47: Nicht mit dem Anspruch auf Abgeschlossenheit, sondern eher mit dem Anspruch auf der Schärfung eines klassenorientierten Blicks auf Literatur dieser Art.
01:07:00: Es wurde schon Eingangs- während unseres Gesprächs immer wieder ja zum französischen Existenzialismus was gesagt.
01:07:07: Er hat seine Ideen vor allem mit literarischen Werken konkretisiert, also man kennt vor allen Dingen die Bücher, die Erzählungen und die Prosa von Camus ist glaube ich sehr... Bekannt, viel bekannter vielleicht auch als von Beauvoir oder Sartre.
01:07:23: Aber ebenso Sartres und Beauvoir haben ja auch ein durchaus der Reiches literarisches Werk hinterlassen in denen diese Ideen konkretisiert werden und dazu gehört nun einmal auch die Mandarins von Paris.
01:07:33: Der Roman ist deshalb auch ein Paradebeispiel für existenzialistische Literatur weil er diese Grundfragen rund um Freiheit und Verantwortung und Moral nicht abstrakt diskutiert, sondern in den Entscheidungen der Figuren sichtbar macht und auch unheimlich lebendig werden lässt.
01:07:54: Du hast heute von Typenstudien gesprochen, dass diese Art Figuren zu gestalten, in denen halt ideologische Strömungen oder weltanschauliche Aspekte zum Ausdruck kommen, die würden hier in diesem Roman mit zu hundert Prozent erfüllt.
01:08:12: Und das wirklich aus ein sehr beeindruckender Weise... Dennoch ist es so, dass auch typisch existenzialistische Themen irgendwie zum Einsatz kommen.
01:08:25: Eine davon ist der Komplex Freiheit.
01:08:30: Die Figuren können zwar wählen aber jede Wahl hat Konsequenzen und man hat den Eindruck, dass gerade bei den Mandarins dieses durchgespielt wird... Was folgt aus Handlungen, was folgt von Entscheidungen?
01:08:47: Und vor allen Dingen welche Aspekte sind Teile einer Entscheidung.
01:08:52: Inwiefern entscheiden sich die Figuren eigentlich selbstständig?
01:08:56: Des Weiteren ist ein ganz großer Begriff auch bei den Mandarin-Verantwortung.
01:09:03: Also niemand kann die Verantwortung für sein Handeln an historische Zwänge oder andere Figuren delegieren und mitmenschen wenn man so möchte.
01:09:14: Es hat aber auch natürlich irgendwie so einen sehr stark bis in den Individualismus gehenden Twist, weil damit auch jede Figur in sich selbst ihre Sackgasse wiederfindet.
01:09:26: Also Henri Anna und Robert haben irgendwie anders als wie man zum Beispiel in einer sozialistischen Theorie Tradition oder Moralphilosophie... eher ein kollektives Austragen und Aushandeln von dem richtigen Handeln sucht, der Existenzialismus oder die existenzialistische Literatur immer dich auf dich selbst verweist.
01:09:51: Auf dieses autonome Subjekt das dafür gerade stehen muss was es tut und auch nur selbst erfahren kann was richtig ist wenn es sich selbst entscheidet.
01:10:01: dann gibt es auch diese Ebene der Ambiguität also nichts anderes als Mehrdeutigkeit.
01:10:07: Es gibt keine vollkommen richtige Entscheidung und damit vielleicht auch keine objektive Wahrheit, vielleicht gar keine obaktive Realität.
01:10:18: Was auch sehr zentral ist in diesem Roman ist die Authentizität.
01:10:23: Die Figuren suchen ein Leben das ihren eigenen Überzeugungen entspricht.
01:10:28: also authentisch zu leben.
01:10:29: Das merkt man bei Anne find ich sehr stark als wenn sie immer wieder ja Skrupe Einholen, ob die Beziehung mit Robert richtig ist.
01:10:41: Und trotzdem kann sie sich nicht trennen.
01:10:43: Ja und dann auch vor allen Dingen dieser Aspekt rund um Engagement.
01:10:47: ja also Sartrate dazu hier auch ein berühmtes Essay geschrieben engagierte Literatur ich finde Die Mandarin von Paris Gehören genau da rein.
01:10:56: Also Freiheit bedeutet eben Nicht rückzug ins private sondern teilnahme an der welt und das auch sehr konkret Mit den jeweiligen zeit historischen Ereignissen.
01:11:06: Ich finde ja gerade bei den Mandarins ist dieser Gedanke der Mehrdeutigkeit, also Ambiguität sehr zentral.
01:11:13: Den Biroir später dann in ihrem philosophischen Werk für eine Moral-der-Doppelsinnigkeit entwickelt hat.
01:11:20: Die Figuren müssen halt zwischen konkurrierenden Gütern aber auch Personen immer wieder wählen ohne dass eine Lösung eindeutig richtig wäre.
01:11:30: Vielleicht kann man an der Stelle ein Fazit ziehen dem nicht das die Mandarines von Paris Ja, am treffendsten als existenzialistischer Gesellschafts-Roman.
01:11:41: Als existenzualistischer Zeitroman zu bezeichnen sind.
01:11:46: Denn der Roman verbindet diese philosophischen Grundideen des Existenzialismus mit einer ja doch realistischen Darstellung der intellektuellen in der französischen Nachkriegsgesellschaft.
01:11:57: Ich finde, darin hat er auch einen so produktiven Aspekt für uns heute im Gegensatz sage ich mal zu Jean-Paul Sartres der Ekel oder Albert Camus.
01:12:09: Der Fremde und die Pest was ja sonst als die existenzialistischen Romane gelten.
01:12:15: weil diese drei kanonische Bücher die kommen... ...die behaupten eigentlich in sich selbst überzeitlich zu sein Kondizio Humana darzustellen, es ist bei all diesen Büchern nicht so wirklich klar wann die spielen.
01:12:33: Es spielt keine Rolle, obwohl man vor allem in Kamüsfall mit Algerien und so weiter da könnte.
01:12:40: Man so viel machen und das entscheidet sich da denke ich mal sehr bewusst dagegen während de Beauvoir in den Mandarin von Paris das in einem ganz klaren historischen Kontext setzt auch in einem politischen Kontext setzt.
01:12:53: Und es geht um Politik, worum es in diesen anderen existenzialistischen Klassikern nie
01:12:58: geht.".
01:12:59: Die Mandarins von Paris sind unter diesen kanonischen Werken das am wenigsten metafysische Werk und das am meisten historisch konkrete Werk.
01:13:09: Ja, unter dem Gesichtspunkt fand ich die Lektüre mit den Mandarines auch besonders ergiebig und erfrischend.
01:13:17: In gewisser Weise habe ich sie ja auch zu verdanken, dass sich dieses Buch noch gelesen hat.
01:13:22: Ich möchte zu meiner Abschlussfrage kommen.
01:13:25: Alle scheitern auf ihre Weise an ihren Widersprüchen und Konflikten, du hast sie heute verhandelt dargestellt?
01:13:35: Und ich finde ja dass auch alle Figuren an einer relativen Equidistance zur Theorie und Praxis leiden also dem gleichen Abstand zu Theorie & Praxis weil das eine das andere konnt hat und Schachmatts setzt.
01:13:51: Hängen bleibt in der Paralyse erstarrt.
01:13:55: Und ich finde, dass auch das Selbstverständnis der Intellektuellen sich auch in der Form des Erzählungen niederschlägt.
01:14:03: Weil man könnte dieses Buch ja auch als eine Art Conversationsroman lesen und mir ging es so alles existiert nur in Form von Gedanken also Ob die Straflager in der USSR, ob de Gaulle oder die Arbeiter am Kiosk, die den Espar kaufen.
01:14:22: Oder all die Begebenheiten in der USA mit an.
01:14:29: Irgendwie erscheint mir alles, erschien mir alles... ...dass es nur in Gedankenform existiert.
01:14:36: Unabhängig von Gedanken, nicht eine Realität.
01:14:39: Aber gerade das ist vielleicht die große ästhetische Qualität des Buches weil es damit das Selbstverhältnis und das Selbstbild dieser intellektuellen und dieses intellektuelle Typus widerspiegelt.
01:14:49: Ich möchte eine Stelle lesen zum Schluss Da sagt Robert quasi seine große Erkenntnis an der Stelle.
01:15:00: da heißt es Die Widerstandsbewegung war eine schöne Sache Eine Handvoll Leute reichte dafür aus.
01:15:07: Man wollte schließlich nichts weiter als Bewegung schaffen, Bewegungen, Sabotage und Widerstand – das war Sache einer Minderheit!
01:15:15: Wenn es aber an den Wiederaufbau geht ist es etwas anderes.
01:15:19: Wir haben gemeint wir brauchten nur unseren Elan weiterzutreiben.
01:15:23: Dabei klaffte ein tiefer Einschnitt zwischen der Besatzungszeit und der Zeit nach der Befreiung die Zusammenarbeit mit dem Feind abzulehnen.
01:15:31: Das hing von uns ab.
01:15:33: Das weitere ging uns nichts mehr an.
01:15:36: Man könnte meinen, das ist ein Zitat von Lukacs den du heute angebracht hast.
01:15:42: Also dass nämlich in diesem Mythos des Widerstands man immer nein sagen konnte und das machte dich schon per se zu einem handelnden Subjekt.
01:15:51: aber nach dem Faschismus ja es doch zu unbestimmt blieb für diese Intellektuellen was zu tun ist.
01:16:02: Insofern Wir haben sie mit einem großen Dissolutionsroman zu tun.
01:16:06: Also die Figuren waren eine Entwicklung, in dem am Ende steht ja alles was ich bisher gedacht habe war eigentlich falsch.
01:16:14: Liegt das Schicksal des linken Intellektuellen in seiner Handlungsunfähigkeit in dieser Form des Fatalismus?
01:16:22: Ja, ich glaube nicht!
01:16:24: Ich finde oder wieder anekdotisch von mir aus gesprochen tatsächlich dieses Buch Die Lektüre dieses Buches, das war für mich fieberhaft.
01:16:36: Ich habe die Tausendzeiten in einer Woche verschlungen haben mir so den letzten Schubser Richtung KPO gegeben.
01:16:45: ich hab das Buch beendet und habe mich bei der KPO gemeldet weil ich so war.
01:16:48: dass muss nicht so sein man kann nicht so werden und da gar keine Umständen kann man so werden wie diese Leute weil ich glaube eben daran dass wir handlungsfähig sind wenn wir uns organisieren versuchen das ja auch gerade im deutschsprachigen Raum mit dem schon angesprochenen Kongress, den wir planen.
01:17:08: Ich glaube niemand muss so werden wie Ri damals schon gar nicht als es eine aufstrebende Linke international gab aber auch heute nicht wo eben linke handelnde Intellektuelle eigentlich an der Seltenheit sind.
01:17:24: Ja ich werde jetzt nicht sagen dass man zu irgendeiner Partei beitreten muss Aber ich glaube Für mich war das die Lehre sozusagen aus diesem Romanoke.
01:17:35: Ich trete jetzt der KPU bei und wer hatte dementsprechend ein parteiischer Schriftsteller?
01:17:43: Und möglicherweise ist das genau im Sinne von Beauvoir gewesen.
01:17:46: Rick, vielen Dank für deine Gedanken und deinen Beitrag!
01:17:50: Ja, vielen dank dir!
01:17:56: Hi Leute dieses Projekt lebt von eurer Unterstützung und eurer Solidarität.
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01:18:11: Wenn ihr etwas Geld übrig habt dann spendet für dieses Projekt.
01:18:15: Infos wie ihr das tun könnt findet ihr im Beschreibungstext denn dieses Projekt wird ausschließlich mit eigenen Mitteln beschritten.
01:18:22: wir hören voneinander wenn es wieder heißt klasse Literatur der podcast mit Klassenperspektive.
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