Alle Episoden

Ep. 7 „Die leeren Schränke“ von Annie Ernaux

Ep. 7 „Die leeren Schränke“ von Annie Ernaux

77m 38s

Kann man aus Klassenhass Literatur machen? „Die leeren Schränke" ist ein Schlüsseltext für das Gesamtwerk von Annie Ernaux. Es ist 1974 erschienen, als sie 34 Jahre alt war, und handelt von der Bildungsaufsteigerin Denise Lesur. Der Text zeigt schon früh die typische Verbindung von persönlicher Erinnerung und Kapitalismus-Kritik in Ernaux' Prosa. In ihrer Nobelpreisrede 2022 sagte sie, dass sie seit ihrem 22. Lebensjahr schreibt, „um meine Klasse zu rächen". Der autofiktionale Debütroman steht am Anfang ihrer Klassenliteratur.

In dieser Folge spreche ich mit der Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin Lena Hezel, wie Erfahrungen und Situationen von Menschen aus der arbeitenden Klasse die...

Ep. 6 „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez

Ep. 6 „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez

76m 36s

Ist Fiktion notwendig, um realistisch zu schreiben? Der Roman „Hundert Jahre Einsamkeit" (1967) des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez erzählt den Aufstieg und Untergang der Familie Buendía im Dorf Macondo und verbindet reale Geschichte mit fantastischen, mythischen Ereignissen. In seiner Nobelpreisrede hob Márquez 1982 hervor, wie sehr der Kolonialismus und der Imperialismus Europas und Nordamerikas die Geschichte Lateinamerikas geprägt hat und dass deshalb der Westen Lateinamerika exotisiert und politisch bevormundet -- bis heute.

In dieser Folge spreche ich mit der Sprachwissenschaftlerin und Autorin Svenja Hauerstein über die Einsamkeit beim Schreiben über koloniale und imperialistische Gewalt.

Ep. 5 „Der Dschungel“ von Upton Sinclair

Ep. 5 „Der Dschungel“ von Upton Sinclair

89m 47s

Wie beeinflusst das Leben im Arbeitermilieu das Schreiben? Das lässt sich am Werk des US-amerikanischen Schriftstellers Upton Sinclair gut nachvollziehen. Für seinen Roman „Der Dschungel" (1906) lebte Sinclair unter Arbeiterinnen und Arbeitern in Chicago und arbeitete zeitweise selbst in den Fabriken der Fleischindustrie. Die Geschichte des litauischen Einwanderers Jurgis Rudkus und seiner Familie entlarvt den „American Dream": Sie erleben grausame Arbeitsbedingungen und die Verdinglichung von Lebewesen. Einen Ausweg deutet Sinclair im Sozialismus an. Gerade aufgrund seines investigativen und dokumentarischen Charakters ist der Text auch nach über 120 Jahren noch aktuell.

In dieser Folge spreche ich mit dem Autor und Journalisten...

Ep. 4  „Martin Eden“ von Jack London

Ep. 4 „Martin Eden“ von Jack London

79m 58s

Bleibt am Ende nur die Einsamkeit des proletarischen Schriftstellers im bürgerlichen Literaturbetrieb? Der Roman „Martin Eden“ (1909) von Jack London nimmt viele Fragen und Widersprüche vorweg, die in der Neuen Klassenliteratur thematisiert werden. Der Roman gehört zu den wichtigsten Werken des US-amerikanischen Schriftstellers und Sozialisten. London bezeichnete sein Buch als „Angriff auf die Bourgeoisie“. Die autobiografische Herangehensweise ist unverkennbar. Es geht um die Geschichte des Arbeiters Martin Eden, der sich durch das Schreiben in das Bildungsbürgertum hocharbeiten will.

In dieser Folge spreche mit dem Juristen und Publizisten Daniel Polzin über den unmöglichen Aufstieg eines proletarischen Schriftstellers mit Klassenbewusstsein.

Ep. 3 „I Furiosi / Die Wütenden“ von Nanni Balestrini

Ep. 3 „I Furiosi / Die Wütenden“ von Nanni Balestrini

82m 33s

Wie viel Wut braucht Klassenliteratur? Der Roman „I Furiosi / Die Wütenden“ (1994) des italienischen Schriftstellers Nanni Balestrini spielt im Milieu der organisierten Fußballfans – der Ultras – rund um den Verein AC Milan. Balestrini (1935–2019) hat sich in seinem Schreiben immer wieder mit politischer Radikalisierung und sozialen Bewegungen in Italien beschäftigt. Dabei hat auch „I Furiosi“ einen dokumentarischen Kern. Der Text basiert auf Interviews mit Ultras und verdichtet ihre Stimmen zu einer ungewöhnlichen Literaturform: unversöhnlich und direkt.

In dieser Folge spreche ich mit dem Publizisten und Politikwissenschaftler Raphael Molter über das literarische Schreiben im Zusammenhang mit Fußballfankultur und Klassenkampf....

Ep. 2 „Die Mutter“ von Maxim Gorki

Ep. 2 „Die Mutter“ von Maxim Gorki

101m 41s

Wie viel Parteilichkeit verträgt Literatur? Der Roman „Die Mutter“ (1907) entstand im Zuge der Russischen Revolution von 1905-1907. Maxim Gorki wurde ein anerkannter Schriftsteller der internationalen Arbeiterbewegung. So hat der deutsche Dichter und Marxist Bertolt Brecht den Roman 1932 unter demselben Titel für eine Bühnenfassung dramatisiert. Die Entwicklungsgeschichte Pelageja Nilownas von der Mutter zur Klassenkämpferin gilt auch als frühes Gründungsdokument des Sozialistischen Realismus.

In dieser Folge spreche ich mit dem Publizisten und Lehrer Hamid Mohseni über die Vereinbarkeit von Klassenkampf und Literatur und die daraus entstehende hohe literarische Qualität des Schreibens.

Ep. 1 „Aufstand der Fischer von St. Barbara“ von Anna Seghers

Ep. 1 „Aufstand der Fischer von St. Barbara“ von Anna Seghers

70m 41s

Wie schreibt man über einen Aufstand? Die Erzählung „Aufstand der Fischer von St. Barbara“ erschien 1928, Anna Seghers war 28 Jahre alt. Ihr Debüt machte die Autorin aus Mainz, gebürtig Netti Reiling, nach ihrer Ehe Netty Radványi, schlagartig berühmt. Dabei ist das Werk angesichts der großen Romane wie „Das siebte Kreuz“ oder „Transit“ weitgehend vergessen. Im selben Jahr der Erscheinung trat Seghers in die KPD ein und war Gründungsmitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller von 1929.

In dieser Folge spreche ich mit der Literaturwissenschaftlerin und Aktivistin Alina Essberger über die Schwierigkeit und das Gelingen einer Aufstandserzählung vom Standpunkt der Unterdrückten.