Ep. 13 „Kunst und Proletariat“ von Clara Zetkin

Shownotes

Ist Kunst wirklich frei? Darüber denkt die Kommunistin und Politikerin Clara Zetkin in ihrem kurzen und erstaunlich aktuellen Text „Kunst und Proletariat" nach. Er erschien im Januar 1911 in der Frauenzeitschrift Die Gleichheit. Allein ideengeschichtlich ist der Text hochinteressant, weil Zetkin Marxismus, klassische deutsche Ästhetik und die Debatten der Moderne zusammenführt, ästhetische Probleme ebenso wie kulturpolitische Herausforderungen der Arbeiterbewegung im Kapitalismus reflektiert. Sie spricht gleichermaßen Arbeiter, Politiker und Künstler an.

In dieser Folge spreche ich mit der Malerin und Aktivistin Sophie Linde über künstlerische Entwicklungsmöglichkeiten durch den Klassenkampf von unten. Ist Kunst Luxus? Kann die arbeitende Klasse eine eigene Kunst im Verhältnis zur bürgerlichen entwickeln? Ist Kunst unter dem Zwang des kapitalistischen Marktes überhaupt möglich? Was hält Zetkin vom Komponisten Richard Wagner? Und was stört sie am Naturalismus?

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Transkript anzeigen

00:00:04: Hallo und herzlich willkommen bei Klasse Literatur, dem Literatur-Podcast mit Klassenperspektive.

00:00:18: Mein Name ist Mesut Bayraktar und in dieser Folge geht es nicht um einen literarischen Text sondern um ein Text über Literatur und Kunst im Allgemeinen nämlich um Kunst und Proletariat von Clara Zetkin.

00:00:31: Zu Gast habe ich Sophie Linde.

00:00:33: Hi Sophie!

00:00:35: Hallo!

00:00:35: Ich freue mich auf unser Gespräch.

00:00:37: Sophie, bevor wir mit dem Gespräch starten möchte ich dich kurz unseren Zuhörerinnen vorstellen.

00:00:43: Sophie hat Philosophie studiert.

00:00:45: sie arbeitet in einem unabhängigen Verlag in Tübingen und seit diesem Jahr auch bei der Informationsstelle Militarisierung.

00:00:53: das ist ein Verein der antimilitaristische Analysen veröffentlicht und dort hat sie kürzlich ihre Studie Pressefreiheit unter Beschuss veröffentlicht.

00:01:03: Außerdem schreibt sie immer wieder in der Tageszeitung Junge Welt, zuletzt erschien ein Themenartikel sehr lesenswert über ZKINs zweiten Lebenspartner den Künstler Friedrich Zundl mit dem Titel Portretist seiner Klasse.

00:01:19: Seit einigen Jahren beschäftigt sich Sophie auch intensiv mit klarer ZKin Auch politisch.

00:01:24: Es gab es zum Beispiel in Tübingen eine Auseinandersetzung um die Clara Zetkin Straße, wo Sophie als Sprecherin des Aktionsbündnisses kein Knoten für Zetin mit dafür sorgte dass eine Markierung der Namensgeberinnen als kritikwürdig verhindert wurde.

00:01:44: Diese Ereignisse könnt ihr auf der Website www.keinknoten.wordpress.com nachvollziehen und lesen.

00:01:52: Aber und das finde ich auch sehr erwähnenswert, ist Sophie auch selbstkünstlerin, bildende Künstlerin.

00:01:59: Mit ihren Bildern war sie bei Ausstellungen in Berlin Mannheim und Stuttgart vertreten.

00:02:05: Sophie bevor wir oder bevor ich dir meine Fragen stelle lasst mich doch ganz kurz den Text vorstellen und das Thema etwas abstecken indem wir uns jetzt die nächsten ein zwei oder eineinhalb Stunden bewegen werden.

00:02:22: Bei dem vorliegenden Text handelt es sich nämlich tatsächlich um einen kurzen Vortrag mit einem doch sehr dichten und reichen Inhalt.

00:02:31: Der anschließend verschriftlichte Text, mit dem Titel Kunst & Proletariat von Clara Zedkin kam nicht zufällig zustande sondern ist sehr klar aus dem politischen und kulturellen Umfeld der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung vor dem Ersten Weltkrieg zu erklären.

00:02:50: Er erschien Anfang Januar, in zwei Folgen, nämlich am zweiten und am sechzehnten Januar.

00:02:56: In der von Zetkin redigierten sozialdemokratischen Frauenzeitschrift die Gleichheit.

00:03:03: Allein ideengeschichtlich ist der Text hochinteressant weil Zetcin hier Marxismus klassische deutsche Ästhetik und die Debatten der Moderne zusammenführt ästhetische Probleme ebenso wie kulturpolitische Herausforderungen der revolutionären Arbeiterbewegung unter den Bedingungen des proletarischen Klassenkampfes im Kapitalismus reflektiert.

00:03:27: Sie spricht also sozusagen gleichermaßen Arbeiterinnen, Politikerinnen und Künstlerinnen an.

00:03:35: So viel erst mal dazu Sophie!

00:03:38: Lass uns den Text doch weiter einordnen die Eckpunkte etwas konkretisieren.

00:03:44: Wie kam es eigentlich zu dem Vortrag von Zettkin, den sie im Oktober Jahrzehnte am ersten Künstlerabend des Bildungsausschusses der Stuttgarter Arbeiterschaft gehalten hat?

00:03:55: Ich würde so ein bisschen ausholen erstmal auch um den biografischen Hintergrund von Zetkin zu erklären.

00:04:02: Weil in ihrem ganzen Leben hat Kunst und Kultur schon früh eine Rolle gespielt.

00:04:08: Und zwar ist sie ja auf dem Dorf aufgewachsen in der Nel von Leipzig in Sachsen Und da war ihr Vater Dorflehrer.

00:04:19: Ihr ganzes Elternhaus war so ein bisschen für eine Ideenwelt her bürgerlich orientiert, jetzt nicht wahnsinnig wohlhabend.

00:04:26: aber sie hat eben schon früh deutsche klassische Literatur auch Weltliteratur in die Hände bekommen und das wird sich so erzählt wie sie die ganz früh schon auf dem Dachboden gelesen hat.

00:04:39: Sie konnte dann eine Ausbildung zur Lehrerin für moderne Sprachen machen in Leipzig.

00:04:45: Und dort ist sie in Kontakt mit der damaligen Sozialdemokratie, mit der sozialistischen Bewegung gekommen.

00:04:52: Aufgrund der Sozialisten-Gesetze war sie dann mit ihrem Lebenspartner Osip Zedkin in Paris im Exil und nach dem Tod ihres Lebenspartners und der Aufhebung der Sozialistengesetze ist sie dann nach Stuttgart gezogen Und dort hat sie, wie du schon erwähnt hast die sozialistische Arbeiterinnenzeitung Die Gleichheit herausgegeben wo sie auch schon immer wieder Kulturthemen behandelt hat und natürlich auch gelernt hat wie das so ist in einer Redaktion in der Pressearbeit.

00:05:27: In Stuttgart hat sie eben auch den Künstler Friedrich Zundl kennengelernt.

00:05:32: Das war dann ihr zweiter Ehemann Ihr Lebenspartner.

00:05:35: Er war achtzehn Jahre jünger als Sie.

00:05:38: Die beiden haben dann geheiratet, das hat nicht allen gefallen.

00:05:42: Und das gemeinsame Leben der Beiden war eben auch sehr geprägt von politischen Diskussionen und auch von Auseinandersetzungen mit Kunst- und Kultur.

00:05:50: Also in dem Haus der beiden hat sich so die sozialistische Avantgarde eigentlich getroffen und es gab immer wieder Kulturabende wo gemeinsam diskutiert und Musik gemacht wurde.

00:06:00: Sie hatte auch von ihrem Vater zum Beispiel Orgel spielen bzw Klavierspielen gelernt Und das ist so die Zeit, wo sie in Stuttgart eben diesen Vortrag hält den du erwähnt hast der dann später eben verschriftlicht wurde und auch später noch als Broschüre veröffentlicht wurde.

00:06:20: Und Zedgin hat auch selbst gesagt dass sie mit dieser Arbeit, mit diesem Vortragt, diesem Text auch ihrem Mann Friedrich Zunde eine Freude machen wollte.

00:06:29: Man sieht tatsächlich auch ein bisschen in seinen Bildern aus dieser Zeit er war ja maler wie sehr sie ihn auch beeinflusst hatte.

00:06:36: Ja, ich finde deine biografische Skizze zeigt vor allem eines.

00:06:41: Dass Zetkin immer umgeben war von Kunst, Kultur und Künstlern.

00:06:46: Und vielleicht muss man an der Stelle das explizieren wenn man sagt sie ist in einem bürgerlichen Haushalt mit bürgernischen Werten aufgewachsen.

00:06:56: Dabei handelt es sich vor allen Dingen um den bürgarlichen und revolutionären Humanismus Der Sie geprägt hat also im Grunde genommen die deutsche klassische Kunst von Goethe zu Schiller und Co.

00:07:10: Ich finde, dass das auch deutlich macht, dass entgegen der Kolportage heute, dass Zedkin ja nur zur Frauenfrage viel geäußert habe und in der Frauenpolitik viel gemacht habe sie dann doch zu viel mehr anderen Themen und vielen Aspekten der Arbeiterbewegung immer wieder ihre Stimme erhoben hat.

00:07:29: so auch zur Kultur Und Zedcin ist bekanntermaßen Kommunistin und Politikerin.

00:07:36: Was mich jetzt an dieser Stelle sehr interessiert ist, warum interessiert sich ZGIN so sehr für Kunst in einem Zeitpunkt der Hochrüstung in Europa dem Erstarken von chauvinistischem rassistischen Völkers und der imperialistischen Vorbereitung auf kriegerische Auseinandersetzungen die ja dann ausbrechen?

00:07:57: Kannst du diesen Aspekt dieses besondere Interesse an Kunst auch in politischer Hinsicht aber auch gerne darüber hinaus noch etwas herausarbeiten, ausführen.

00:08:09: Ja also vielleicht erst noch eine kleine Bemerkung zu ZKins Herkunft.

00:08:14: das ist tatsächlich ein sehr spannender Prozess der sich praktisch ihre Biografie auch ein Stück weit spiegelt in ihren Ideen.

00:08:21: ich denke dass werden wir tatsächlich jetzt im Laufe unseres Gesprächs noch ein bisschen weiter ausführen.

00:08:26: genau es ist tatsächlich so dass sie dann Als sie in Kontakt kommt mit der sozialistischen Bewegung, also es kommt dann auch zum Bruch mit ihrer Herkunftsfamilie.

00:08:37: Aber ich denke, es wird im Laufe unseres Gesprächs noch klarer wie diese Entwicklungsprozess aussieht.

00:08:43: Ja Zetkin, wie du gesagt hast ist dann Sozialistin, sie ist Internationalistin und als Teil dieser Bewegungen sieht sie den Krieg kommen, den ersten Weltkrieg Und es ist völlig klar für sie, dass Kampf gegen den imperialistischen Krieg immer auch Klassenkampf heißen muss.

00:09:04: In diesem Zusammenhang der Klassenauseinandersetzungen stellt sich immer wieder die Frage... Wie kann man studierende Intellektuelle, also praktisch Kopfarbeiter – dazu gehören Journalisten, Wissenschaftler und Künstler – eigentlich einbinden?

00:09:19: Also sie legt eben den Fokus nicht nur auf das was man vielleicht so als das klassische Industrieproletariat die Handarbeiter versteht sondern fragt sich eben auch wie man die Kopfarbeiter einbeziehen kann.

00:09:33: Das Problem dabei ist, dass es gerade unter diesen Kopfarbeitern – wie sie sie nennt – eine starke Tendenz zu reaktionären Haltungen und Nationalismus gibt.

00:09:43: Ein Beispiel wären vielleicht auch die Studentenverbindungen und das bestätigt sich im Ersten Weltkrieg total.

00:09:50: Andererseits sind aber eben viele auch lohnabhängige die letztendlich mit ihrer Kriegsbegeisterung ja gegen ihre eigenen Interessen handeln und deswegen versucht Zedkin eben auch sie abzuholen, um in ihnen praktisch ein Bewusstsein ihrer Lage zu wecken.

00:10:09: Und Zedcin hat sich immer mal wieder später mit Lenin getroffen und nach seinem Tod hat sie in ihren Erinnerungen an Lenin eine Aussage von ihm festgehalten – und die möchte ich gern kurz zitieren weil würde ich sagen, Ihre Herangehensweise an dieses Thema sehr gut erklärt.

00:10:28: Und zwar hat Lenin im Gespräch mit Zettkin gesagt – wie sie sich erinnert?

00:10:33: Jede wirklich marxistische Analyse eines wichtigen Teils vom ideologischen Überbau der Gesellschaft einer hervortretenden sozialen Erscheinung die müsse zur Analysee der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Eigentumsgrundlage führen.

00:10:48: Und ich glaube, das ist genau was Zetkin hier mit dem Thema der Kunst und Kultur gemacht hat.

00:10:58: Also sie analysiert die Lage der Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft – und damit erklärt sie gleichzeitig auch, warum die sozialistische Perspektive letztlich die einzig sinnvolle ist.

00:11:08: Und zwar auch und gerade für die Kunst- und Kulturschaffenden und für alle, die auch ein Interesse an diesen Themen haben!

00:11:16: Deine Ausführungen zeigen mir einmal mehr, dass Zedkin ein sehr umfassendes Verständnis von Kultur und Kunst hat.

00:11:23: Zum einen scheint Kultur-, Kunst- und entsprechende Phänomene ein Erkenntnis theoretischen Zugang zu bieten zur kapitalistischen Klassenordnung und zum Verständnissen dieser.

00:11:39: nicht nur politische Ökonomie verschafft uns einen Blick in das Triebwerk des Kapitalismus, sondern auch die ideologischen Erscheinungen und Produkte.

00:11:52: Die aus ihr hervorgehen.

00:11:54: zum anderen aber auch und das finde ich wird bei dem Text den wir besprechen sehr deutlich begreift sie Kultur und Kunst auch als ein Hegemonie Projekt gerade mit Blick darauf was du grade sagtest zu den jüngeren Intellektuellen Kopfarbeitern, wie man sie einbinden kann in die Arbeiterbewegung.

00:12:18: Wo ja der Durst und das Bedürfnis nach Wissen nicht gerade gering ist.

00:12:23: im Gegenteil Und ich finde dass der Titel schon dieses ambivalente Verhältnis so ein bisschen aufmacht Ja Ich habe zum Beispiel also mein Text ist in einem Sammelband Das im Diez-Verlag Berlin in der DDR herausgegeben wurde von Hans Koch Und im Buchumschlag steht auch Kunst und Proletariat.

00:12:46: Also dieser Text, diesen Vortrag über den wir sprechen wird hier dann nochmal besonders hervorgehoben.

00:12:52: Und Kunst-und Proletariat ist ja erst einmal so ein bisschen wenig intuitiv diese Begriffe so zusammenzuführen.

00:13:00: Jetzt sag ich mal jetzt so überspitzt zumindest für nicht Marxistische oder nicht sozialistische kommunistische Leute.

00:13:11: Insofern deutet der Titel ja auch auf ein widersprüchliches Verhältnis, denn auf der einen Seite haben wir die Kunst.

00:13:16: Auf der anderen Seite haben wie die arbeitende Klasse Ich meine jetzt somit Blick auch auf die politische Arbeit von Zedkin Welche Rolle und Verantwortung hat nach Zedkindi Arbeiterpartei?

00:13:31: Die marxistische Klassenpartei in diesem Verhältnis?

00:13:33: Kannst du da die Koordinaten skizzieren?

00:13:38: Ja, also für Zetkin gehören Kunst und Proletariat grundsätzlich zusammen.

00:13:44: Sie sieht die arbeitende Klasse als Trägerin des gesellschaftlichen und kulturellen Fortschrittes.

00:13:51: Sie setzt sich in ihrem Text eben auch mit Vorurteilen auseinander.

00:13:54: aber da können wir vielleicht gleich auch noch mal tiefer einsteigen.

00:13:57: was sie jetzt in dem Text erstmal macht ist überhaupt den Zusammenhang zwischen der Klassenfrage.

00:14:03: Und ja, es ist bis heute ja manchmal eine Auffassung auf die man so trifft dass Marxismus und Klassenkampf sich nur auf das praktisch grob materielle beziehen würden.

00:14:15: Und dass sowas wie Ideologie, Ethik oder eben Kultur dabei gar keine Rolle spielen würden.

00:14:21: Zettkin betont im Gegenteil, dass es nicht nur um die Erfüllung von körperlichen Grundbedürfnissen wie Hunger geht sondern auch geistige kulturelle Bedürfnisse gibt.

00:14:33: Der revolutionäre Klassenkampf, so wie sie ihn auffasst hat eben auch in diesem Bereich Befreiung Emanzipationen zum Ziel.

00:14:43: Aber also was ich wichtig finde nochmal zu betonen ist eben dass sie das doch immer in eine dialektisch-materialistische Analyse einordnet.

00:14:51: Das heißt Um Kultur für alle zugänglich zu machen, müssen wir erst mal dafür sorgen dass wir zum Beispiel gesunden und bezahlbaren Wohnraum für alle haben.

00:15:01: Ein funktionierendes Gesundheitssystem das eben nicht der Profit sondern die Bedürfnisse entscheiden was und wie wir zb essen und vor allem dass unsere Arbeits- und Lebenszeit eben nicht mehr von der Akkumulation des Kapitals diktiert wird.

00:15:15: Und um den kamen vom diese materielle Basis zu führen, also um die Eigentums- und Produktionsverhältnisse dazu brauchtes Organisation.

00:15:25: Und das ist es eben auch was eine kommunistische Partei im Sinne ZKINs leisten muss.

00:15:32: Ich würde vielleicht an der Stelle mal noch einen kleinen Hinweis einschieben zu den Begriffen.

00:15:37: Es ist ja so dass die internationale Arbeiterbewegung sich vor dem Ersten Weltkrieg als sozialistisch beziehungsweise sozialdemokratisch bezeichnet hat.

00:15:46: Was dann passiert ist Zu Beginn des Ersten Weltkriegs.

00:15:50: Die Führungsstrukturen haben den Internationalismus verraten, haben praktisch den Krieg unterstützt nicht nur in Deutschland und das ist einer der Gründe warum dann die kommunistische Partei, die kommunisten Parteien gegründet wurden, die praktisch auch so diese gefallene Fahne wieder aufgenommen haben.

00:16:09: und diesen Prozess hat ZGN mitgemacht.

00:16:11: also sie hat diesen Verrat der alten sozialistischen Parteien eben hart kritisiert, obwohl sie den bis dahin angehört hatte.

00:16:19: Und das ist so ein bisschen der Hintergrund.

00:16:21: also ich verwende jetzt hier in unserem Gespräch diese beiden Begriffe sozialistisch-kommunistisch relativ austauschbar weil es sich für Zetkin um eine Traditionslinie handelt.

00:16:31: genau

00:16:32: Danke für diese Konkretisierung.

00:16:36: Ich finde ja dieser Hinweis von dir dass bei Kulturkritik oder Ideologiekritik, die Überlegungen darüber nie losgelöst sind von Eigentumsordnung, Klassengesellschaft und Produktionsverhältnis.

00:16:53: Also in der Hinsicht ist sie

00:16:55: echt

00:16:56: materialistisch, echt dialektisch wenn man so möchte.

00:17:00: Und ja lässt sich nicht irgendwie diese Irrtum verlocken Beide in einen mechanischen Gegensatz zu bringen, also auf der einen Seite haben wir quasi die Ökonomie und auf der anderen Seite haben Wir Kultur.

00:17:17: Und wenn wir Kultur kritisieren machen wir das in dieser Blase?

00:17:20: Wenn wir Ökonomie kritisiert oder darüber nachdenken Machen wir es in der Anderen Blase sondern nein Es handelt sich immer um eine gesellschaftliche Einheit oder eine Totalität wenn man so möchte In der beides ineinander greift.

00:17:33: Steigen wir doch an dieser Stelle in den Text ein.

00:17:37: Zetkin selbst beginnt ihren Text ja mit einem hartnäckigen Vorurteil, der bis heute auch in vielen linken Debatten reproduziert wird.

00:17:46: Nämlich dass arbeitende Menschen aufgrund ihrer Lebensbedingungen als Lohnabhängige im Kapitalismus keine Zeit, keine Lust und auch kein Interesse für Kunst hätten.

00:17:58: Ich möchte dafür den Anfang kurz lesen.

00:18:02: Dort heißt es Es könnte ein hohen Dünken zugleich von Kunst und Proletariat zu sprechen.

00:18:10: Die Lebensbedingungen, welche die kapitalistische Gesellschaftsordnung ihren Lohnsklaven schafft sind kunstfeindlich ja kunstmörderisch.

00:18:19: Kunst genießen und noch mehr Kunst schaffen hat zur Voraussetzung ein Spielraum materieller und kultureller Bewegungsfreiheit, einen Überschuss materiella Güter leiblicher, geistiger und siddlicher Kräfte über das Notwendige – das bloß Materielle hinaus.

00:18:34: Aber materielle Not und damit auch Kulturarmut ist das geschickte Ausgebeutet.

00:18:39: nun beherrschten Gewesen seit dem Klassen Gegensätze die Gesellschaft

00:18:44: zerklüften.".

00:18:45: Daher ist wiederholt die Frage aufgetaucht, ob die Kunst überhaupt eine sitliche, eine gesellschaftliche Berechtigung habe.

00:18:52: Ob die Kunst für die Menschheitsentwicklung fördernd oder hindern sei?

00:18:58: Also man könnte sogar fast schon hinzufügen mit Blick auch auf ihre eigenen Genossinnen und Genossen – ob es sich überhaupt lohnt als Kommunist über Kunst nachzudenken.

00:19:06: in diesem Kontext!

00:19:08: Es ist ja so, Sophie, dass manche daraus auch die Schlussfolgerung ziehen.

00:19:11: Kunst is Luxus – Die Beschäftigung mit Kunst vom Standpunkt der ausgebeuteten Regelrecht Dekadent.

00:19:19: Was hält Zedkin dem entgegen?

00:19:21: Ja erst mal sagt Zedcinja in der Stelle auch, die du vorgelesen hast da ist schon was dran?

00:19:27: Also ja, die Lebensbedingungen des Proletariats sind erst mal kunstfeindlich.

00:19:32: Insofern als einfach wenig Ressourcen da sind seites Zeit, seites Raum um sich mit Kunst zu beschäftigen sowohl als Produzent als auch als Konsument.

00:19:45: und Außerdem ist es ja tatsächlich auch so, dass die Kunst wie wir sie heute aktuell kennen von den Bürgerlichen dominiert ist in ihrer Form und ihren Inhalten.

00:19:55: Das heißt, sie hat wenig zu tun mit der Lebensrealität und den Hoffnungen von Leuten wie uns, die gerade schauen, wie wir von unserem Lohn die immer teurere Miete und unsere Lebensmittel bezahlen sollen.

00:20:06: Aber Zettkin sagt eben auch das Kunst ein grundlegendes menschliches Bedürfnis is'.

00:20:13: dass auch sehr alt ist, also sie verweist so auf die Höhlenmalereien und spekuliert auch ob vielleicht solche einfachen Abbildungen in der Menschheitsentwicklung sogar vor dem abstrakten Denken entstanden sind.

00:20:27: Also ja es ist wirklich was ganz Wesentliches menschliches für Sie auch Und sie betont außerdem das gerade von den unterdrückten und ausgebeuteten immer wieder entscheidende Impulse für die Entwicklung der Kultur gekommen sind.

00:20:42: Sie verweist da vor allem auf den Kontext der bürgerlichen Revolutionen immer wieder, wo eben auch in der Kunst ein Streben nach Befreiung zum Ausdruck kam.

00:20:52: Also da wurden die Ideale von Gleichheit und Freiheit formuliert und da sind bis heute bedeutsame Werke entstanden, in denen zB eine bewusste Auseinandersetzung mit den alten überkommenen Herrschaftsstrukturen von Adel- und Kirche stattfand.

00:21:07: Also Kunst tatsächlich auch als ganz wesentliches Moment in dem Prozess der Befreiung aus Unterdrückungen und Herrschaft.

00:21:17: Sozusagen, dass der Klassenkampf auch ein Erkenntnismoment mit sich bringt, in der Kunst- und Kultur- und entsprechende Praktiken ihren Platz haben – das finde ich auch.

00:21:27: das Setkin immer wieder betont auch im kurzen Vortrag, dass sie nämlich Kunst und Kultur in diesem welthistorischen Panorama als rein ästhetisches Erlebnis oder als ein weltabgewandten Genuss versteht, wie zum Beispiel ja auch heute die Kulturindustrie oder die spätbürgerliche Kultur.

00:21:56: Die Kunstregelrecht degradiert zu einem Vergessen vom Alltag vergessen von Mühsal vergessen von Lohnarbeit und Leiden an den Verhältnissen.

00:22:09: Und das finde ich auch sehr interessant, also es ist dabei nicht ein rein instrumentelles Verhältnis dass sie aufbaut zur Kunst sondern eher als eines.

00:22:20: wie soll man sagen als wäre es eine Front im Klassenkampf?

00:22:24: und dennoch du hast darauf hingewiesen Sophie ist die Kunst ein Gebiet das dominiert wird von der bürgerlichen Klasse im Monopol der bürgerlichen Klasse steht.

00:22:38: Also auch heute noch, wer Kunst macht weiß das und spürt es an seiner eigenen Arbeit.

00:22:48: Und da stellt sich vor allen Dingen die Frage nach der Rolle der arbeitenden Klasse und wie sie aus sich heraus auch Kunst schaffen kann.

00:22:58: Darauf möchte ich die Aufmerksamkeit lenken – auch mit einem Ausschnitt Immer wieder sind es aus Knechtschaft zur Freiheit drängende Massen, die die Kunstentwicklung aufwärts und vorwärzt tragen.

00:23:13: Aus denen die Kraft erwächst.

00:23:16: Perioden des Stillstands ja des Verfalls der Kunst zu überwinden – diese allgemeinen Zusammenhänge treffen auch für das Verhältnis des Proletariats zur Kunst zu.

00:23:26: Sie irren, die im proletarischen Klassenkampf nur das Begehren nach Füllung des Magens sehen!

00:23:32: Dieses weltgeschichtliche Ringen geht um das ganze Kulturerbe der Menschheit.

00:23:37: Es geht um die Möglichkeit der Entfaltung und Betätigung vollen Menschentums für alle.

00:23:43: Das Proletariat kann als Klasse nicht an den Toren der kapitalistischen Trutzburg rütteln, es kann nicht aus der Nacht- und Not der Fabriken empor drängen ohne sich mit seinem eigenen Kunstsehnen und der Kunst unserer Zeit auseinanderzusetzen.

00:24:01: Also Sophie, da drängt sich ja schon die Frage auf.

00:24:04: Kann die arbeitende Klasse auch eine eigene Kunst entwickeln?

00:24:08: Und wie ordnet Zedkin das Bemühen um eine, ich will sagen proletarische Gegenkultur im Verhältnis zum Kampf um das Zitat ganze Kulturerbe der Menschheit ein?

00:24:21: Also erstmal ist in diesem Zitat ja auch noch mal das angesprochen, was ich vorhin erwähnt hatte.

00:24:26: Es geht eben nicht nur um das grob materielle Praktisches Überleben sondern es geht auch um die Kultur und ein schönes Leben und dazu gehören eben auch die geistigen Bedürfnisse.

00:24:39: Ja also nach Zetkin ist es nicht nur so dass die arbeitende Klasse eine eigene Kunst entwickeln kann Sondern sie muss es sogar.

00:24:46: Und ja dabei hier stehen ihr erst einmal materielle Hindernisse im Weg Das sind die fehlenden Ressourcen, wie eben erwähnt.

00:24:55: Was aber auch entscheidend ist, ist das Bewusstsein außerdem.

00:24:59: Also Z-Kin formuliert es ja so, eben solange kein Bewusstsein für die eigene Lage und für die eigenen Interessen da ist kann auch die Kunst der arbeitenden Klasse nicht eigenständig sein sondern dann bewegt sie sich eben im Rahmen der Kunst ihrer Herren, so wie es Z-kin formuliert.

00:25:16: Und um da herauszukommen, ist es eben notwendig dass die arbeitende Klasse den Interessengegensatz zur herrschenden Kapitalistenklasse erkennt und entsprechend auch den Kampf gegen die bestehenden Verhältnisse der Ausbeutung und Unterdrückungen aufnimmt.

00:25:29: Nur aus dieser Position heraus kann sich dann auch eine Kunst entwickeln, die mit dieser spezifischen sozialistischen Perspektive eigenständig ist gegenüber der Bürgerlichen.

00:25:39: Und Zedkin betont eben, dass dieser Prozess immer begrenzt ist solange wir in einer kapitalistischen Klassengesellschaft leben.

00:25:47: Also diese eigenständige sozialistische Kunst kann eigentlich erst verwirklicht werden wenn mit der sozialistischen Revolution auch die Bedingungen unter denen wir leben und arbeiten wirklich vergesellschaftet und demokratisiert werden Weil eben erst dann eigentlich die Grundlage dafür da ist, dass wir überhaupt alle die Möglichkeit bekommen als Produzenten und Konsumenten an der Entwicklung von Kunst- und Kultur teilzuhaben.

00:26:12: Ich finde ja interessant wie Sie dieses ja ambivalente Verhältnis zur bürgerlichen Kunst beschreiben.

00:26:22: also sie gehört nicht zu denjenigen die sagen dass es alles gehört in den Müllhaufen, weil bürgerlich.

00:26:28: Also sie stempelt das nicht einfach so ab, sondern sie differenziert.

00:26:31: da nimmt quasi Beispiel auch an Künstlern wie Beethoven und Schiller klar sehr klassisch also bürgernische Künstler wenn man so möchte im revolutionären in der revolutionären Phase des Bürgertums.

00:26:49: Und doch sagt sie ja wir müssen uns dieser Kunst rüsten.

00:26:57: Wir müssen an dieser Kunst uns schulen, aber wir dürfen auch nicht in ein blindes kritikloses Anempfinden und Anbeten bürgerlicher Kunst verhalten.

00:27:08: also es ist so.

00:27:10: wie müssen uns damit beschäftigen?

00:27:11: Wir müssen uns das aneignen weil da ist sehr viel Wertvolles dran was uns hilft in unserer eigenen Kunstentwicklung.

00:27:21: Das wiederum darf nicht bedeuten, dass wir vor jedem großen Kunstwerk aus dem Bürgertum in ein Kniefall geraten und das ja nur noch quasi holdigen als das Non plus Ultra.

00:27:36: Zumal sie auch – und das finde ich muss man sich hier immer wieder vor Augen führen – diese Überlegung neunzehntelf macht also in einer Zeit die politisch Mit vielen Widersprüchen und mit einem mit Cäsuren zu tun hat, die du angesprochen hast.

00:27:55: Aber auch mit einer Zeit in der die Arbeiterbewegung nach und nach zu ihrem Selbstbewusstsein kommt eben nicht nur wie im neunzehnten Jahrhundert weitgehend Kunst hinter einer unsichtbaren Wand sieht, sondern beginnt auch selbst kunstschöpferisch zu sein.

00:28:13: Sie spricht ja quasi in ihrem Text hier die Arbeitersänger und Arbeiterdichter an.

00:28:17: also man merkt sie hat schon ein Auge darauf was so von in diesem Bild jetzt mal gesagt, was alles von unten kommt.

00:28:26: Was von unten gesungen, gemalt und geschrieben wird.

00:28:30: Das ändert sich ja dann im zwanzigsten Jahrhundert noch einmal gewaltig Und heute steht das nochmal unter anderen Vorzeichen.

00:28:36: Aber was ich damit sagen möchte ist dass sie ein sehr breites Blickfeld hat auf künstlerische und ästhetische Praktiken.

00:28:48: Kunst ist ja aber auch etwas in vielen Debatten immer wieder sehr hochgehalten wird.

00:28:54: Also es gibt ja immer wieder in diesen Aufmerksamkeits, ökonomischen Zyklen diese Debatte um Kunstfreiheit die dann auch entsprechend orchestriert wird entweder mit so Slogans wie Kunst bleibt frei oder jetzt jüngst mit der Debatte um den Rapper Danger Dan und Igor Levitt und der Untersagung ihres Auftritts.

00:29:18: Und dann gibt es immer eine große Skandaldebatte darum, die von Liberalen und Konservativen geführt wird.

00:29:25: Sophie wie würde Zetkin die Freiheit der Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft einordnen?

00:29:31: Ist die Kunst denn wirklich frei?

00:29:34: Die kurze Antwort Zetkins wäre nein.

00:29:37: aber sie sieht das natürlich dialektischer und erklärt dass es historisch schon eine gewisse Befreiung der Kunst gab durch die bürgerliche Revolution, also eine Befreiungen von Kirche und König.

00:29:53: Das war ein Fortschritt zu dem Zeitpunkt.

00:29:56: aber im Kapitalismus ist die Kunst eben so wie alle Arbeit den Marktmechanismen unterworfen, die gewisse Zwänge schaffen und dann Druck auf die Kunst ausüben.

00:30:07: das ist auch ein Verhältnis was für die Freiheit von Presse oder Wissenschaft zum Beispiel ganz ähnlich gilt.

00:30:15: Ich möchte dazu einen Zitat von Zettkin lesen aus dem Text, wo sie diese Verhältnisse ein bisschen beschreibt.

00:30:22: Also Zettcin sagt Neben dem Proletariat mit schwilenharter Faust trägt der Forschende Gelehrte, der Schaffende Künstler das Joch der kapitalistischen Ordnung.

00:30:49: Die Kunst geht nach Brot – muss nach Brott gehen, weil der Künstler leben

00:30:53: will.".

00:30:54: Also sie beschreibt hier genau diesen Mechanismus, der die ganze Arbeiterklasse im Kapitalismus betrifft.

00:31:01: Wer leben will, muss seine Arbeitskraft verkaufen und damit wird eben auch die Kontrolle darüber abgegeben was die eigenen Hände oder der eigene Kopf erschaffen.

00:31:11: Also man richtet sich danach, was der Unternehmer oder Auftraggeber sehen will.

00:31:14: Was sich gut verkauft oder eben Klicks bringt.

00:31:18: Ja und an dieser Stelle erwähnt Zetkin auch dass der Staat als Auftrag Geber keine Lösung ist.

00:31:24: also der bürgerliche Staat vertritt auch nicht die Interessen der Arbeiter sondern wirkt letztlich im Sinne der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ausbeutung Und ich glaube, das kann man auch ganz gut auf heute übertragen.

00:31:36: Also wir können weder von den öffentlich-rechtlichen noch von sonstigen staatlichen Institutionen der Kulturförderung erwarten dass die konsequent revolutionäre Perspektiven zulassen oder akzeptieren.

00:31:48: an der Stelle würde ich auch hinweisen auf die Auseinandersetzungen und Palästina Solidarität in der deutschen Kulturszene.

00:31:54: also das sind dann ganz schnell auch die Grenzen der angeblichen Kunst und Meinungs- und Pressefreiheit erreicht.

00:32:01: Also wenn der indirekte ökonomische Druck des Marktes nicht wirkt, dann wird eben auch ganz schnell mal zu direkten Repressionen gegriffen.

00:32:09: Und ich würde auch sagen, dass man in dem Bereich auf jeden Fall zunehmend einen gewissen Antikommunismus bemerken kann.

00:32:17: Gleichzeitig ist es natürlich immer auch so, dass dabei auch mal praktisch versehentlich eher liberal orientierte oder antideutsche unter die Räder geraten?

00:32:28: Ja das finde Auch sehr bemerkenswert wie Zetkin dort quasi zeigt, dass Form und Inhalt der Kunst regelrecht diktiert werden vom den Marktlogigen oder Verwärtungslogik dem Wertgesetz.

00:32:47: Das gilt dahingehend wie Kunst gemacht wird also quasi Wie geschrieben wird jetzt in meinem Fall oder in deinem Fall?

00:32:55: Wie gemalt wird welche Stile Öffentlichkeit und Sichtbarkeit bekommen, aber auch umgekehrt welche Inhalte gerade woke sind diskutiert werden aus Gründen gesellschaftlicher Entwicklung.

00:33:13: Um eben bestimmte Empörungswellen oder bestimmte gesellschaftlichen Frust zu integrieren in die große Debatte damit alle ihre Stimme mal kurz erhoben haben.

00:33:27: Aber jene, die darüber hinausgehen und den Kontext benennen und die Ursachen hervorheben werden unsichtbar gemacht oder kommen gar nicht erst dahin, dass man sie wahrnimmt weil auch Kunst über den Markt vermittelt an Leser Ein Zuschauer, ein Hörer kommt.

00:33:50: Und da wären wir ja bei der Situation des Künstlers in der bürgerlichen Gesellschaft.

00:33:55: Da habe ich auch eine Stelle rausgesucht.

00:33:59: die finde ich selbst sehr gut so.

00:34:02: Die würde ich auch mal kurz lesen um dann zu meiner Frage zu kommen.

00:34:07: Dort schreibt Zetkin Was ist das los DERA?

00:34:17: Sie erliegen der handwerksmäßigen Schablone oder Sklaverei der Tagessensation.

00:34:23: Die Unrast des kapitalistischen Kunstmarktes, der Stachel der Konkurrenz treibt vorwärts zerstört die äußeren und inneren Vorbedingungen für das Ausreifen großzügiger Werke.

00:34:37: Die bildenden Künstler produzieren in fieberhafter Hass für die großen Warenbasare ihrer Kunst, Ausstellungen genannt.

00:34:45: Der Komponist schafft ebenso den Clou der neuen Saison, der Schriftsteller hetzt sich ab für den Weihnachtsmarkt und so weiter.

00:34:55: In den aufgezeigten Zusammenhängen ist mit der Grund dafür zu suchen, weshalb in unserer Zeit die Kunstströmungen einander so rasch ablösen.

00:35:15: Die berühmten künstlerischen Tagesgrößen außerordentlich rasch verbraucht sind.

00:35:20: Was heute als höchste Offenbarung künstlerschen Genies in den Wolken gehoben wurde, ist in höchsten zehn Jahren vergessen und hat nur noch historisches

00:35:29: Interesse.".

00:35:34: Ja, dass man quasi so vernutzt wird.

00:35:36: Aber das sie damit halt auch etwas schon andeutet was ja dann später in der marxistischen Debatte und Theorietradition immer relevanter wird nämlich wie dann innerhalb dieser Bedingungen Kunst selbst Teil der Ideologieproduktion wird also quasi der Verfälschung und Verschönerung der Verhältnisse um eben ihren Moment von Gewaltausbeutung in Hierarchie nicht mehr zu sehen, also das kennt jeder die Wohlfühlkunst auf der Couch oder im Kino.

00:36:10: Sophie ist denn Kunst überhaupt unter dem Zwang des Marktes, der heute noch viel mehr zugenommen hat?

00:36:16: Ist Kunst überhaupt noch möglich?

00:36:20: Ja ich glaube dafür müssen wir uns angucken was es überhaupt bedeutet dass Kunst so wie alle anderen Produkte in der kapitalistischen Gesellschaft eine Ware ist.

00:36:29: Das heißt, sie muss sich verkaufen und als einzelner Künstler der eben Geld verdienen muss, muss man sich dem einfach unterordnen.

00:36:37: Das ist erstmal die Grundlage und wenn man einen gewissen materiellen Spielraum hat dann kann man sich vielleicht noch nach Feierabend ein bisschen Zeit nehmen um wirklich selbstbestimmt künstlerisch zu arbeiten.

00:36:47: aber das ist einfach nicht die Regel.

00:36:50: im Prinzip die meiste künstlersche Arbeit allergrößte Teil muss sich den Anforderungen des Marktes unterordnet.

00:36:58: Zadkin beschreibt es ja hier, also es gibt eine riesige Konkurrenz.

00:37:02: Es muss also schnell gehen und andauernd erscheint irgendwas Neues oder neues Produkt in den verschiedensten Bereichen Und es gibt eigentlich gar nicht diese Ruhe die man braucht um wirklich ein tiefgründiges Werk zu erschaffen Sei das ein Bild, ein Buch, ein Musikstück oder auch einen Film oder eine Serie.

00:37:20: Das heißt all das wird einfach möglichst billig produziert.

00:37:24: Es bleibt dadurch oberflächlich Es wird vielleicht mit vielen Effekten ausgestattet, die so ein bisschen darüber hinwegtäuschen.

00:37:30: Dass eigentlich die Inhalte nichts Besonderes sind und diese Produkte werden dann ja vielleicht auch kurz gehypt.

00:37:39: Das beschreibt sie ja auch wie schnell sich die Moden abwechseln.

00:37:42: es hält aber eben nicht lange an Und dann ist schon das nächste da.

00:37:47: Und was sie dann beschreibt, was mit den Kunstschaffenden passiert das finde ich wirklich sehr wichtig und interessant.

00:37:52: Also um diesem Konkurrenzsystem auf dem Markt irgendwie um dort irgendwie bestehen zu können werden Sie dann praktisch aus Kunstschaffen denn eigentlich zu fälschern.

00:38:03: also weil eben echte Kunst gar nicht so schnell geschaffen werden kann werden eben einfach bestimmte Motive oder Erzählungen, die sich gerade gut verkaufen dann von vielen reproduziert um einfach überleben zu können.

00:38:16: Also das ist ganz wichtig.

00:38:18: es ist kein moralischer Vorwurf gegen den Einzelnen sondern Zedkin erklärt es eben als ein Resultat der Arbeitsbedingungen denen sich der Einzelne einfach gar nicht entziehen kann.

00:38:31: und in dem Kontext beschreibt zedkin das was sie Afterkunst nennt.

00:38:38: Das ist eigentlich ein sehr kurzer Abschnitt in diesem Text, aber ich finde da steckt ganz viel Spannendes drin.

00:38:44: Und zwar ist Afterkunst so wie ich es jetzt gerade schon erklärt habe, eigentlich ein Resultat des Kapitalismus.

00:38:53: für Zedkin gehören dazu zum Beispiel was damals noch eine größere Rolle gespielt hat, patriotische Denkmäler die heute aber immer noch gerne mal die Stadtzentren schmücken Dann aber auch sowas wie Varietés oder sogenannte Tingeltangel.

00:39:09: Es ist auch ein Begriff aus ihrer Zeit, sie meint sowas als Unterhaltungsshows von denen es heute in anderer Form ja noch viel mehr gibt und für Sie gehören auch die verschiedenen Formen der Pornografie dazu.

00:39:23: Und was diese Afterkunst jetzt auszeichnet?

00:39:25: Das ist ein typisch kapitalistisches Produkt weil es sind eben Kapitalistische Unternehmer Die diese Dinge produzieren lassen.

00:39:35: Ihnen geht es nicht um den Inhalt, sondern einfach um den Profit.

00:39:38: Das heißt das soll sich gut verkaufen und die Arbeitskräfte sollen möglichst billig sein.

00:39:44: Dann haben wir die Arbeitskrafte – die Kulturschaffenden, die diese Unterhaltungsshows oder Pornos oder so dann tatsächlich produzieren müssen.

00:39:53: Die stehen finanziell unter Druck Sie sind auf den Lohn angewiesen Und sie müssen sich eben an die genannten Vorgaben des Geldgebers anpassen.

00:40:04: Also nach dem Unternehmer und den Arbeitskräften sagt Zedgin, dass eben auch das Publikum – und damit meinen sie sowohl das Wohlhabende als auch die ärmeren Leute.

00:40:14: Es geht hier wirklich um Angehörige aller Klassen, dass dieses Publikuum mit seinem Bedürfnis nach Zerstreuung, nach Ablenkung und Stumpferunterhaltung letztendlich auch ein Produkt der kapitalistischen, der bürgerlichen Gesellschaft ist.

00:40:28: Ja, das finde ich irgendwie einen sehr... Spannenden Gedanken, weil sie wirklich an diesem Beispiel hier unter dem Stichwort Afterkunst aufzeigt.

00:40:36: Was es eigentlich bedeutet dass die Ökonomie die Menschen und ihre Beziehungen zueinander formt?

00:40:43: Da ging mir so nochmal der Gedanke durch den Kopf.

00:40:45: Es ist ja dabei nicht nur Unterhaltung am Werk im Sinne des Vergessens sondern ich finde gerade in seit dieser Zeitenwändenpolitik Ganz aktuell zeigt sich das Kunst und Kultur mehr als nur Ablenkung ist, sondern auch die Übersetzung von Staatsresort- und Herrschaftsideologie in Köpfe und Herzen des Publikums.

00:41:14: Also quasi man fühlt sich ein in die Logik der Herrschaft um dann mit einem guten Gefühl mitmarschieren zu können.

00:41:26: Die Stelle, die wir besprochen haben jetzt mit der Situation des Künstlers erinnert mich aber auch daran wo Künstler heute oft landen trotz heraideale.

00:41:37: Dichter sind nicht selten in PR Abteilungen von DM oder von Audi.

00:41:46: Um Werbeslogans zu kreieren, Maler landen nicht selten in Grafikabteilungen der Werbebranche.

00:41:54: Und Musiker sollen im besten Fall Entertainer auf Musikfestival sein um am Fließband den nächsten großen Hit zu produzieren.

00:42:04: und das ist auch sehr spannend.

00:42:06: also dass da Zedkin noch mal darauf hinweist hey diese in Konkurrenz Organisierte Situation der Künstler schadet auch den Künstlern selbst, weil ihnen die Zeit genommen wird mit entsprechender Aufmerksamkeit und mit entsprechnder Gründlichkeit Kunst zu schaffen.

00:42:27: Also im Grunde genommen steckt dahinter ja eine große Hochachtung vor Kunst und auch ein Respekt von der Würde von künstlerischer Arbeit.

00:42:40: Nun ist es so dass Setkin eine große Gegenwart-Analytikerin ist.

00:42:46: Sie beschreibt die bürgerliche Kunst ihrer Zeit als Zitat Götterdämmerung, einer absteigenden Klasse.

00:42:55: also die Kunstproduktion ihrerzeit steckt mitten in einer Krise wenn man so möchte.

00:43:02: Worin sieht denn Zettkin das Hauptmerkmal reaktionärer Kunst Sophie?

00:43:06: oder anders gesagt Wann ist bürgerliche Kunst reaktionär?

00:43:13: Ja, ich glaube die Stelle hier bietet sich das ganz gut an.

00:43:15: Was ich vorhin angekündigt habe auch nochmal Zettkeens Auseinandersetzung mit der bürgernischen Kultur, mit dem Bürgertum und der börgernlichen Ideologie nachzuvollziehen.

00:43:25: Und zwar... ja, ich holt auch ein bisschen aus!

00:43:28: Also historisch betrachtet steht das Bürgärtum ja zunächst für eine Befreiung – das hab' ich auch vorhin schon erwähnt gehabt.

00:43:36: Zwar insofern als eben im Kampf gegen den Feudalismus die Bürgerlichen ja wirklich ein Stück weit zurecht auch für sich in Anspruch nehmen konnten, dass sie Freiheit und Fortschritt und Menschlichkeit vertreten.

00:43:47: Und in dieser Situation hat die bürgerliche Kultur die Welt einfach dargestellt wie sie ist.

00:43:52: also Sie hat den Finger auf bestehende Ungleichheiten und Unfreiheiten gelegt und das eben verbunden mit der Forderung nach Freiheit und Gleichheit Aber indem sich eben des Bürgertum dann als herrschende Klasse etabliert hat und eben seinerseits angefangen hat, die bestehenden Verhältnisse gegen die Unterdrückten und Ausgebäuteten zu stabilisieren und zu verteidigen.

00:44:15: Dadurch hat das Bürgertum eine konservative, eine rückschrittliche gesellschaftliche Rolle eingenommen – und das wird heute immer noch offensichtlicher!

00:44:26: Also man kann heute Profitwirtschaft einfach nicht mehr mit Fortschritt in Verbindung bringen.

00:44:33: Man sieht überall, wie zerstörerisch diese kapitalistische Produktionsweise sich auswirkt – sei es im sozialen Bereich, sei es in der Gesundheit, Bildung, Kultur.

00:44:43: die unglaubliche Umweltzerstörung immer wieder kommt es zu Kriegen und Krisen.

00:44:47: Genau also das prinzipiell.

00:44:48: jetzt erstmal zu der Logik warum Z-Kin die Bürgerlichen eben diese etablierten Verhältnisse verteidigen.

00:44:55: als reaktionär bezeichnet.

00:44:57: Also die ganze Existenz des Bürgertums steht heute im krassen Widerspruch zu den Idealen, mit denen sich diese Gesellschaft schmückt.

00:45:04: Also Menschenrechte, Gleichheit würde wenn wir uns umschauen, wenn wir in die Zeitung schauen... Ja also das ist der Punkt!

00:45:12: Heute ist das Bürgärtum nicht in der Lage die Realität in der wir leben mit diesen Idealen mit denen es mal angetreten ist zusammenzubringen.

00:45:22: Die Verwirklichung dieser Ideale heißt eigentlich die bürgerliche Gesellschaft überwinden.

00:45:28: Wir brauchen Demokratie auch in der Wirtschaft, wir brauchen eine rational und nachhaltig organisierte Produktion, die sich an den Bedürfnissen orientiert – das wäre Fortschritt im Sinne des guten Lebens, im Sinne der Befreiung von Leid- und Gewalt!

00:45:42: Und diese offensichtliche Notwendigkeit der Überwindungen der kapitalistischen Gesellschaft können sich aber natürlich nicht eingestehen – es geht ja praktisch um die Grundlage ihrer eigenen Existenz.

00:45:54: Und deswegen muss in der bürgerlichen Kultur beschönigt werden, abgelenkt verschwiegen und das zeigt sich eben auch in der Kunst.

00:46:04: Zetkin hat hier so ein bisschen zwei Tendenzen identifiziert.

00:46:08: also sie sagt entweder haben wir dann in der Börgerlichen Kunst eine Art leeren Naturalismus Also eine Abbildung der Wirklichkeit wo aber keine großen Ideen oder Visionen mit verbunden sind Oder Ja, so romantische Ansätze.

00:46:25: Also zum Beispiel werden fremde Kulturen oder vergangenen Zeiten idealisiert.

00:46:30: oder es gibt auch bisschen so religiös-mystische Orientierungen die praktisch ganz abgetrennt von der gesellschaftlichen Realität stattfinden und mit ihren Vorstellungen gar nicht an das anknüpfen was eben gerade ist sondern dass eben eine Art Flucht vor der Realität findet.

00:46:47: Also das ist so ein bisschen der Hintergrund, warum sie von einer reaktionären Tendenz der bürgerlichen Kultur spricht.

00:46:53: Die eben eher Verschleierungen und Irrationalität vermittelt und nicht in der Lage ist die Wirklichkeit mit einer Idee zu verknüpfen sondern die einfach versucht das Bestehende auch zu konservieren Und um so'n bisschen des Gegenbild noch kurz anzudeuten Das wäre es eigentlich was die Kunst der revolutionären Arbeiterklasse leisten kann.

00:47:15: also indem wir erkennen, wie die Realität ist und dann darin nach den Möglichkeiten einer demokratischen, einer friedlichen solidarischen Zukunft suchen.

00:47:27: Also in dem wir uns dann auch konkret daran machen diese Ideale zu verwirklichen.

00:47:31: dadurch tun wir genau das Wir bringen Wirklichkeit und Idee zusammen Und dass es eben auch was die Marxistische Perspektive tut sie analysiert wie die kapitalistische Gesellschaftsordnung Wie die Produktion organisiert ist und zeigt darauf aufbauen Schritt für Schritt den Weg in eine emanzipatorische Zukunft.

00:47:49: Also dann brauchen wir keinen vergessen, dann brauchen keine Ablenkung sondern gerade aus der Konfrontation mit dem bestehenden Leid, mit der Gewalt daraus ziehen wir die Kraft für den Kampf um eine bessere

00:48:00: Zukunft."

00:48:02: Die dann auch in der Kunst verarbeitet wird und wodurch dann auch die Kunst eine Antizipation ermöglicht in den bestehenden Verhältnissen nicht die entgültigen Verhältnisse zu sehen.

00:48:17: Das finde ich wirklich sehr spannend bei Zetkin und man muss vielleicht an der Stelle auch unseren Zuhörerinnen und Zuhöhrern auch den Hinweis machen, dass Zetki nicht nur auf dieser theoretischen abstrakten Ebene sich damit beschäftigt hat sondern sie hat ja vielfältige Publikation auch über einzelne Künstler und Kunstwerke veröffentlicht.

00:48:41: Also in meiner Ausgabe gibt es zum Beispiel Texte zu Balsack, Gottfried Herder... Ich habe hier ein Text zum Kino auch zu Ipsen.

00:48:54: also spricht jemand mit Sachverstand, dass sich geschult hat am konkreten Material.

00:49:03: Am Detail.

00:49:04: Es sind nicht nur quasi abstrakte allgemeine Deduktionen sondern es ist eine Beobachtung die ausgeht von dem was gerade so alles produziert und gemacht wird.

00:49:19: Du hast diese Situation ja sehr gut beschrieben mit diesem Auseinanderdriften von Wirklichkeit und Ideen in den Händen der Bürgerlichen.

00:49:28: So ist es auch, Zedkin entfaltete ihre Gedanken im Kontext dieser Kunstkrise der bürgerlichen Moderne am Vorabend eines Weltgemetzels.

00:49:39: Die ästhetischen Debatten stehen da im Zeichen des Naturalismus, Symbolismus, der Neuromantik ... der in Anführungszeichen Heimatkunst, der Massenkultur aber auch der Warenistätik und Ästhetisierung.

00:49:53: Und daher beschreibt Zetkinja die bürgerliche Kunst als Götterdimmerung einer absteigenden Klasse.

00:49:59: also das sind quasi diese Dämmerungserscheinungen.

00:50:03: Das passt tatsächlich auch exakt zur Stimmung der europäischen Moderne zu dieser Zeit wenn man sich auch da umschaut.

00:50:10: Ich kenne mich da vor allen Dingen eher im literarischen Feld aus.

00:50:12: Du wirst an deinem Pandeau in der bildenden Konstenzen so viel, nämlich dass die Stimmung geprägt war von einem Gefühl des kulturellen Niedergangs.

00:50:22: Es drückte sich aus in schnellen Stilwechseln ja weil man halt irgendwie... nach einer richtigen Form suchte.

00:50:29: Der Kunstmarkt und der Sensationsbetrieb, der hat im Grunde genommen die Kultur beherrscht.

00:50:34: Ja das waren alles im Grunden genommen Ausdrucksformen einer tiefen Krise des Bürgertums.

00:50:40: Ich finde in dem Zusammenhang du hast es schon angesprochen ist Z-Kinz differenzierte Kritik am Naturalismus sehr interessant denn sie lehnt den Naturalismus ja nicht grundsätzlich ab.

00:50:54: Sie erkennt schon seine historischen Verdienste an, sieht aber auch seine Grenzen aus marxistischer Perspektive.

00:51:03: Also ihre Kritik richtet sich vor allem gegen einen, du sagst es leeren Naturalismus der sich auf die bloße Wiedergabe der Wirklichkeit beschränkt.

00:51:11: Ich möchte an dieser Stelle ja auch für mich die wichtigsten Punkte ihrer Kritik mal zusammentragen.

00:51:17: ich finde ein wichtiger Punkt auf den sie hinweist ist das der naturalismus zu oft bei der Oberfläche stehen bleibt.

00:51:27: Zedkin kritisiert, dass der Naturalismus häufig nur das Elend und die äußeren Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens beschreibt.

00:51:34: Das auch streckenweise ziemlich genial aber erbilde halt nur die Wirklichkeit Detailgetreu ab ohne die gesellschaftliche Ursachen zu thematisieren und in sie vorzudringen.

00:51:49: für eine marxistische Kunst genügt es natürlich nicht weil Armut und Ausbeutung nur zu zeigen, nicht ausreichend.

00:51:55: Sie muss auch die historischen und sozialen Kräfte sichtbar machen, die diese Verhältnisse

00:52:01: hervorbringen.".

00:52:01: Also ich finde das erlebt man ja heute in der Kunst, sie ist ja nicht unpolitisch.

00:52:05: im Gegenteil es wird viel überarmt und Gewalt geschrieben und gemalt und gesungen und gesagt aber nur im engen Korsett des bürgerlichen Kontextes nämlich an der Oberfläche ohne die wirklich, die da dem zugrunde liegenden Mechanismen und Gründe, den Kontext zu verhandeln.

00:52:28: Der weiteren Punkt in meiner Ansicht nach Zetkin macht ist der Naturalismus erzeugt Resignation statt Perspektive.

00:52:38: also nach Zetin besteht die Gefahr dass naturalistische Kunst den Menschen als Produkt seiner Umwelt darstellt ohne ihm eine Möglichkeit zur Veränderung zu öffnen.

00:52:52: ist nicht eine sich im Veränderung befinde, sondern sie isst was sie ist und damit ist auch Schluss.

00:53:00: Demgegenüber betont Zedkin das Kunst auch die... also ich möchte unterstreichen auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen und die Veränderbarkeit der Gesellschaft zeigen sollte.

00:53:13: Also Utopie heißt dann nicht unbedingt in der Kunst schon, die bessere Gesellschaft das bessere Leben zu zeigen als sowas wie ein Ideal da wollen wir hin sondern es geht darum die Möglichkeiten die Eingriffspunkte die Solbruchstellen im hier-und jetzt auch mitzutematisieren.

00:53:30: Inwiefern man sie ausführt oder nicht hängt dann natürlich von der konkreten Farbe jeweiligen Absichten des Künstlers ab.

00:53:40: Den dritten Punkt, den ich da auch herauslese ist im Naturalismus erscheint der Mensch zu passiv also viel mehr als Objekt seiner Verhältnisse.

00:53:53: das zeigt sich auf allen Dingen in naturalistischen Literatur.

00:53:56: Sie arbeitet häufig mit Milieu- und Vererbungstheorien, also das Individuum scheint durch Herkunft und Umgebung nahezu vollständig bestimmt.

00:54:06: Zetkin hält dem diesen marxistischen Gedanken entgegen dass Menschen zwar von ihren gesellschaftlichen Bedingungen geprägt werden diese Bedingung aber durch kollektives Handeln auch verändern können.

00:54:18: Also sie sind eben nicht nur als bloßes Opfer ausgesetzt, sondern können auch geschichtliches Subjekt sein.

00:54:25: Ich finde das ist immer so ein wichtiger Gradmesser für jetzt in meinem Fall klassenbewusster Literatur.

00:54:32: oder die Frage wie kommt das Bewusstsein in Klassenliteratur rein?

00:54:36: Nämlich um wenn nämlich indem man halt Figuren, die man aus der Arbeit in den Klasse gestaltet auch mit einem Bewusstsein ausstattet.

00:54:44: Indem sie ihre Lage reflektieren und damit an dieser Lager dann halt auch lernen statt einfach nur in dieser Klasse, in dieser Lage gefangen zu sein ohne ein Bewusstsein darüber zu haben.

00:55:04: Merk mal oder den letzten Punkt, den ich auch hervorheben möchte.

00:55:07: Du hast ihn schon angesprochen, Sophie ist unter dem Stichwort Naturalismus dieses fehlende Ideal das oder Ich würde ja sagen dass die fehlen die Idee die eine Einheit zwischen Wirklichkeit und Idee in der Kunst stiften kann.

00:55:24: Also mit anderen Worten, dass die Wirklichkeit immer ein Horizont hat, das die Wirklichkeit immer in Bewegung ist, dass sie immer in einem Prozess sich verläuft und nie einen Zustand ist, der in einer Paralyse erstarrt.

00:55:37: also im Grunde genommen wirft Zetkin ja dem Naturalismus vor oft auf eine höhere gesellschaftliche und menschliche Perspektive zu verzichten.

00:55:46: Sie fordert dagegen jetzt nicht unbedingt bloße Propagandakunsten.

00:55:52: Das wäre auch falsch, das an der Stelle so zu interpretieren.

00:55:56: Vielmehr soll Kunst Wahrheit mit einem umfassenden Verständnis von menschlicher Entwicklung verbinden.

00:56:05: Mein Fazit ist an dieser Stelle ja gerade mit Blick auf ihre Kritik am Naturalismus und an der Kunstkrise Kunst soll nicht nur die sichtbare Wirklichkeit reproduzieren und dokumentieren, sondern ihre tieferen gesellschaftlichen Zusammenhänge und Entwicklungstendenzen offenlegen.

00:56:27: Das sind ihren Gedanken, die dann später Georg Lukacs sehr stark macht und sehr stark ausarbeitet.

00:56:33: Vielleicht kommt dazu ja auch mal noch eine Folge aber in dem Zedkin die Einheit von Wirklichkeit und Idee in der Kunst fordert fragt sie, wann Kunst realistisch ist und wie die arbeitende Klasse in die Kunst kommt.

00:56:50: Das ist so irgendwo auch für mich persönlich in meiner eigenen Arbeit eine der großen Schlussfolgerungen aus diesem Text.

00:56:58: Sophie ich möchte noch auf einen wichtigen Punkt hinaus.

00:57:03: du hast es schon berührt künstler sind ebenso wie Arbeiter in ihrer Arbeitstätigkeit strukturell unterdrückt.

00:57:11: Na ja, über die Produktionsmittel verfügen andere.

00:57:15: Bei Künstlern keine Ahnung... Ein Label, ein Verlag gehört selten dem Künstler selbst und wenn das der Fall ist, ist er selten erfolgreich!

00:57:23: Z-Kin spricht von der Misere der Kunst.

00:57:27: Und im vollen Bewusstsein dieser Misere zitiert Z-kin.

00:57:30: jetzt kommt es überraschenderweise den Komponisten Richard Wagner mit seiner Schrift Kunst & Revolution also ohne so tief in Wagner oder bei diesen ganzen Wagnerianern, die danach kamen einzugehen.

00:57:51: Warum Wagner?

00:57:52: Also inwiefern entstehen Zitat neue künstlerische Entwicklungsmöglichkeiten durch den Klassenkampf von unten?

00:58:01: Erst mal danke auch für deine Ausführungen zu Zeitkindskritik am Naturalismus!

00:58:07: Weil ich glaube, daran zeigt sich jetzt ja auch sehr gut wie sie sich eigentlich eine emanzipatorische sozialistische Kunst vorstellt in dieser Abgrenzung.

00:58:15: Zu Wagner... Ich fand das auch erstmal komisch weil wir Wagner heute v.a.

00:58:22: als Antisemiten kennen und als jemand dessen Werke auch von den deutschen Faschisten ziemlich gefeiert wurden.

00:58:29: Zettkin zitiert ihn hier vor allem als jemand der die bürgerliche revolutionäre Bewegung mitgetragen hat Also Wagnerstext, auf den sie sich hier bezieht.

00:58:36: Die Kunst und die Revolution ist auch in dieser Zeit entstanden, in der Art von VIII, VIII und IVIX.

00:58:42: Und Zedkin betont gerade eben die emanzipatorischen Aspekte, die sie in seiner Theorie sieht also ein Plädoyer für Befreiung der Unterdrückten welche dann auch die Voraussetzung der Befreiungen der Kunst ist.

00:58:57: Sie zitiert ihn sogar mit einer Aussage, die so sinngemäß dem entspricht niemand ist frei solange nicht alle frei sind.

00:59:05: Sie meint eben, dass Wagner für ein solidarisches soziales Menschenbild eintritt und gerade nicht für Individualismus oder die blonde Bestie des Übermenschen, wie sie es formuliert.

00:59:18: Ja also das ist so was sie aus Wagners Text an der Stelle rauszieht.

00:59:22: Ich

00:59:22: habe ja dann auch bei der Recherche nochmal mich vergewissert, Auch ein revolutionärer Barrikadenkämpfer in der März-Revolution war und ist deshalb sehr nennenswert und wichtig, weil damit die auch erstmals in Deutschland, in Europa die Arbeiterbewegung, die politische und historische Bühne betritt.

00:59:44: Und auch zu diesem Zeitpunkt und anlässlich dieser Revolution, das Manifeste kommunistischen Partei entstanden ist von Marx und Engels.

00:59:52: Also da ist eine große Schnittmenge die dann zusammenläuft was... Das ist ein sehr gutes Beispiel sich an der künstlerischen Entwicklung und seiner auch künstlerschen Überlegung bei Wagner ja niederschlägt, dass es später in einer anderen Richtung geht darüber kann man in einer anderen Folge mal diskutieren, aber diese Schnittmenge zu sehen und dann halt an Wagner ein Beispiel zu identifizieren wie sehr dann doch eine revolutionäre Phase und auch die Arbeiterbewegung eindringt sich niederschlägt.

01:00:27: In den konkreten Überlegungen und der Kunst eines, in dem Fall Komponisten ist.

01:00:35: natürlich zeigt einmal mehr, dass Künstler nicht in einem luftleeren Raum ihre Arbeiten entwickeln.

01:00:42: Ja danke dir!

01:00:43: Also ich würde noch auf deine Frage nach den neuen künstlerischen Entwicklungsmöglichkeiten durch den Klassenkampf von unten eingehen.

01:00:52: und zwar ist es erst mal so nach Zetkin das diese neue Entwicklung eine ganz klare materielle Grundlage hat.

01:01:00: also perspektivisch soll die sozialistische Gesellschaft eine neue Basis und Freiheit für das Produzieren, erschaffen und auch genießen, konsumieren von Kunstwerken bringen.

01:01:14: Und Zedkin formuliert es auch ganz schön finde ich sie sagt dass die Kunst aus einem Vorrecht verhältnismäßig weniger zu einem Gemeingut für alle werden soll.

01:01:26: Das ist so ein bisschen die Vision.

01:01:30: Wenn wir uns organisieren, wenn wir erfolgreich Druck aufbauen und auch Verbesserungen unserer Arbeits- und Lebensbedingungen erkämpfen hier und jetzt dann wirkt sich das natürlich auch schon auf die Kunst aus.

01:01:42: Die so vielleicht kleine Spielräume gewinnt.

01:01:46: Und es gibt ja auch wirklich viele Beispiele soziale Bewegungen, die von der blühenden Kulturbewegung auch begleitet wurden mit Bildern, Plakaten, Texten Musik Oder auch die junge Sowjetunion, da hat sich eine unglaubliche Vielfalt ein Reichtum und eine Breite der Kulturarbeit entwickelt.

01:02:03: Also insofern hat sich Zetkins Theorie da total bestätigt.

01:02:07: Da kommt jetzt noch die ideologische Ebene dazu also der neue Inhalt für die Kunst Und das ist so ein bisschen auch die Weiterführung dessen was ich in Bezug auf die bürgerliche Kunst schon gesagt habe und was du auch nochmal ausgeführt hast dieser reaktionäre Charakter den die bürgerliche Kunst hat und demgegenüber schafft eben der bewusste Klassenkampf von unten neue Inhalte, die eine soziale Bedeutung haben, die in der Kunst vermittelt werden können.

01:02:35: Und das finde ich auch für heute eigentlich die spannende Frage wenn wir jetzt an Kulturprodukte denken, die wir selber produzieren oder konsumieren.

01:02:44: es gibt ja so etablierte alte Erzählungen zum Beispiel die Aufstiegsgeschichten vom Tellerwäscher zu Millionär.

01:02:49: jeder kann es schaffen.

01:02:51: Diese alte bürgerliche Erzählung wird immer noch neu aufgelegt.

01:02:56: Und dagegen gibt es aber gerade immer mehr auch klassenkämpferische Stimmen, die eben nicht nach unten treten sondern mit einer sozialistischen Perspektive an diese Themen herangehen, die also von Solidarität und gemeinsamen Interessen getragen ist und wo es quasi wissenschaftlich unverzerrte klare Herangehensweise gibt.

01:03:18: An dem Punkt sehe ich uns eigentlich auch gerade stehen.

01:03:21: Also diese Ansätze, die es gibt sind noch relativ vereinzelt aber es zeichnet sich wirklich schon eine neue Entwicklung ab und das ist glaube ich die Herausforderung für uns heute als Kunst- und Kulturschaffende in den unterschiedlichen Bereichen in den Gattungen daran zu arbeiten, dass eben umzusetzen was du jetzt grade auch schon so ganz gut ausgeführt hast an ZKins Naturalismus Kritik ne Neue Emanzipatorische Perspektive in der Kunst umzusetzen.

01:03:54: Gewöhnlicherweise komme ich im Schlussteil bei belltristischen Titeln immer zur Frage von Stil, Ästhetik Sprache.

01:04:03: Das ist im vorliegenden Text weniger möglich aber lässt sich übersetzen auch als Kulturpolitik und Ästätik.

01:04:11: Und über diese Dinge möchte ich nicht drüber hinweggehen weil jetzt sind wir quasi genau in dem Zentrum des Textes und seiner wirklich wichtigen Bedeutung, aber auch seiner Botschaft für heute.

01:04:31: Für Zettkin ist es ja so nur der wissenschaftliche Sozialismus als weltanschauliche Grundlage kann die Einheit von Wirklichkeit und Idee herstellen und gewährleisten.

01:04:43: Sofort hat Zettkind sozusagen eine Kunst im Bewusstsein einer sozialistischen Zukunft.

01:04:50: In irgendeiner Folge hatte ich auch mal gesagt mit Blick auf den sozialistischem Realismus, dass der für mich heute bedeutet die Realität mit sozialistischer Bewusstseins zu sehen.

01:05:03: Andernfalls wieder zurück zur Zetkin reproduziert die Kunst ja diese angesprochene Götterdämmerung oder wird Künste Lei und Formelkram das war ein Zitat umgekehrt.

01:05:14: würde man aber jetzt vom Standpunkt bürgerlicher Ästhetiken, ZKINs Forderungen Tendenzkunst oder Agitationskunst vorwerfen.

01:05:24: Sophie wie geht ZKin mit diesem Vorwurf um?

01:05:29: Sie spricht ihn ja selbst an.

01:05:31: und was meint ZKIn dann mit politischer Kunst?

01:05:35: Ich würde erst mal auch einwenden dass dieser Vorwurf Jemand würde politische Kunst machen, quasi davon ausgeht dass es auch neutrale Kunst gibt.

01:05:42: Praktisch unpolitische Kunst und ich würd aber sagen das selbst vorgeblich unpolitische Kunst Auch einen politischen Gehalt hat weil sie sich eben positioniert im Sinne der Ablenkung Im Sinne des Beschönigens Und praktisch diese Auseinandersetzung dann einfach als unwichtig abtut.

01:06:02: und auch das ist eine Positionierung letztlich im Sinne des Erhalts und der Akzeptanz gegenüber den bestehenden Verhältnissen.

01:06:11: Zetkin sagt auch, dass für sie das was damals öfter noch als Tendenzkunst bezeichnet wurde also eine Kunst die einen politischen Inhalt hat überhaupt nichts Schlechtes ist.

01:06:23: Also gerade wenn es sich um technisch gut gemachte Werke handelt dann ist für Zetkin ein politischer Inhalt überhaupt kein Downgrade im Gegenteil.

01:06:33: Sie sagt, dass große Kunst eigentlich immer auch große Ideen braucht.

01:06:40: Außerdem könnte man noch hinzufügen das Sozialismus jetzt ja auch keine zufällige politische Meinung ist irgendwas individuelles sondern eben wirklich auf einer wissenschaftlichen Grundlage basiert und insofern auch nochmal eine andere Berechtigung ne andere Grundlage hat.

01:06:56: Also es handelt sich bei diesen Inhalten nicht einfach um eine persönliche Geschmacksfrage.

01:07:02: Und Zetkin sagt schon auch, dass es schlechte politische Kunst geben kann also gerade wenn der Inhalt nur so ein bisschen praktisch übergestülpt wird und gar nicht von innen heraus kommt oder auch wenn's einfach technisch schlechte Werke sind.

01:07:17: Gleichzeitig fordert sie aber auch wirklich Nachsicht gegenüber Kulturschaffenden aus der Arbeiterklasse, denen es eben an Ausbildung und Erfahrung, an Technik usw.

01:07:27: fehlt.

01:07:28: Und das zeigt sich auch zum Beispiel in der Gleichheit wo sie immer wieder auch z.B.

01:07:33: Gedichte abdruckt von Menschen die jetzt nicht irgendwie eine wahnsinnige künstlerische Ausbildung haben sondern die einfach in ihren Werken auch die Perspektive Auch wenn die eben technisch nicht perfekt sind.

01:07:51: Vielleicht um noch so einen kleinen Bezug auch zu heute zu ziehen, du hast es vorhin auch schon angesprochen Es ist ja heute vielleicht auch mehr als früher zur Z-Kinzzeit Schon so dass es politische Kunst gibt.

01:08:04: Ich würde aber sagen das die Wenn man genau hinschaut auch immer so ein Stück weit eingemeindet wird.

01:08:10: Also zumindest wenn sie erfolgreich ist dann ist sie doch immer auch irgendwie mit dem Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft kompatibel.

01:08:18: Es gibt schon irgendwie auch so eine gewisse Maß an oberflächlich rebellischen scheinbar radikalen Werken, aber dieser Rahmen in der büllerlichen Gesellschaft kann eben letztlich nicht gesprengt

01:08:32: werden.".

01:08:33: Der erstaunlich moderne Kern des Textes lautet gerade unter diesem Gesichtspunkt Kunst scheitert nicht an mangelndem Talent, sondern an den sozialen Bedingungen ihrer Produktion.

01:08:46: Ja am Kapitalismus.

01:08:48: Kund steht nie außerhalb der gesellschaftlichen Verhältnisse in denen sie entsteht.

01:08:52: damit anticipiert Zet gehen ja auch viele spätere Debatten also Critical Theory über Kulturindustrie Walter Benjamin zur technischen Reproduzierbarkeit oder Georg Lukacs zum Klassenstandpunkt, die proletarische Kulturbewegung der neunzehntzwanziger Jahre an denen sie auch großen Anteil hat.

01:09:09: Aber auch die spätere Formalismusdebatte.

01:09:15: Sophie das ist quasi meine Schlussfrage an der Stelle.

01:09:18: Hat sich damit also mit dieser Antizipation und mit dieser Gegenwartsanalyse von ZKIN Die Aktualität ihres Textes und ihrer Überlegungen erschöpft?

01:09:30: oder anders gesagt, was ist deiner Meinung nach?

01:09:33: Und hier frage ich dich als bildende Künstlerin die du bist.

01:09:37: Heute das Fazit für linke und marxistische Künstlerinnen und Künstl aus dem Text von Zedkin.

01:09:44: Für mich ist der Text bis heute auf jeden Fall wahnsinnig aktuell.

01:09:48: also auch ganz viel dieser Erfahrungen die sie beschreibt Der kulturschaffenden kann ich einfach aus meinem eigenen Leben, aus meiner eigenen Praxis total nachvollziehen.

01:09:59: Und ich finde es auch wirklich beeindruckend wie sie auf so wenigen Seiten Texts so viel Inhalt unterbringt.

01:10:05: Also vieles was Sie beschreibt über die Klassenlage der Kulturschaffenden, über den Zustand der bürgerlichen Kunst und auch über die Notwendigkeit der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft ist wirklich unverändert aktuell.

01:10:20: liegt letztlich auch daran, dass eben heute immer und auch im Wesentlichen die gleichen ökonomischen Mechanismen die Gesellschaft bestimmen wie vor gut hundert Jahren als Zeit gegen diesen Text veröffentlichte.

01:10:31: Und sie zeigt darin eben das die wesentlichen Probleme des Kunstproduziens und Konsumierens darauf zurückzuführen sind, dass das Kapital und damit das Profitstreben in dieser Gesellschaft am Ende entscheidend ist – und eben nicht die Bedürfnisse der Menschen!

01:10:47: Dementsprechend ist die Lösung auch keine, die wir mit den Mitteln der Kunst erreichen können.

01:10:52: Sondern es braucht eine klare Erkenntnis dieser Verhältnisse in denen wir leben um dann vereint und organisiert für eine bessere Zukunft kämpfen zu können.

01:11:01: Und das ist für mich eigentlich die Kernaussage von Zedkin's Text Die eben aktuell bleibt.

01:11:09: Seit der Text erschienen ist sehr viel passiert große Erfolge und große Rückschläge, auf die wir auch heute aufbauen.

01:11:19: Und aus denen wir auch lernen können.

01:11:23: Wir haben noch einen langen Weg vor uns und es ist schade dass einige Verbindungen zu unseren Vorkämpfern eben unterbrochen wurden.

01:11:32: also gerade die Erinnerung an zädkingsreiches theoretisches Erbe.

01:11:36: das sieht man eben zum Beispiel auch daran dass in der Debatte um Kulturindustrie kritische Theorie eine Bezugnahme auf Z-Kin überhaupt nicht stattfindet, obwohl sie eben schon deutlich früher sehr ähnliche Gedanken geäußert hat.

01:11:51: Und das ist vielleicht auch das was ich gern vermitteln möchte wenn wir jetzt so einen Text zusammenlesen und besprechen und über das Verhältnis von Kunst und Politik diskutieren.

01:12:00: Wir müssen nicht von vorne anfangen.

01:12:03: Schön!

01:12:05: Ich habe während du gesprochen hast ging mir dann nochmal so durch den Kopf Es ist ja auch so, man kann die Verhältnisse nicht durch künstlerische Mittel überwinden oder sowas.

01:12:20: Das wäre Lüge!

01:12:21: Aber Kunst kann ein Bewusstsein organisieren und auch bewusst sein schaffen und an einem Bewusstsein arbeiten für die Notwendigkeit aber auch die Erkenntnis dessen was abgeht und was anders sein müsste.

01:12:39: Eine Sache, finde ich, bleibt trotzdem aktuell vor allem.

01:12:42: Also nicht trotzdem im Sinne von gegen jetzt als Kontra sondern trotz alledem aktuell.

01:12:50: Ich finde gerade heute in einer Welt die im Umbruch ist befindet sich die bürgerliche Kunst ebenso in einer vertieften Krise wie zu Zeiten von Zetkin.

01:13:04: Damit wären wir am Ende, Sophie.

01:13:05: Ich möchte unseren Zuhörern auch noch mal darauf hinweisen dass dieser kurze Text auch im Internet frei zugänglich ist nämlich auf der Seite marxis.org.

01:13:16: zieht den euch rein.

01:13:17: es lohnt sich wenn ihr Fragen einwände habt schreibt uns schreibt so viel ihr merkt wie er diskutieren und sehr gerne über diesen text und weil wir immer wieder was daran abgewinnen können so viel.

01:13:30: vielen dank für deine zeit und dein beitrag.

01:13:33: Vielen Dank für das Gespräch.

01:14:02: Wir hören voneinander, wenn es wieder heißt Klasse Literatur.

01:14:11: Der Podcast mit Klassenperspektive.

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