Ep. 14 „Am laufenden Band“ von Joseph Ponthus
Shownotes
Ist Arbeiterliteratur noch zeitgenössisch? Joseph Ponthus schildert in seinem Versroman „Am laufenden Band" (2019) seine Erfahrungen als Zeitarbeiter in Fischfabriken und Schlachthöfen in der Bretagne. Der Roman steht in der Tradition der Arbeiterliteratur und ist in freien Versen ohne festes Reimschema geschrieben. So erzeugt er einen poetischen Ausdruck für die Neoliberalisierung von Lohnarbeitsverhältnissen, für die Klassengegensätze und für die körperliche Arbeit heute. Ponthusʼ „Aufzeichnungen aus der Fabrik" stehen unverkennbar im Kontext der Gelbwesten-Bewegung
In dieser Folge spreche ich mit dem Journalisten Özgün Kaya über den 2021 verstorbenen Joseph Ponthus und sein großartiges Porträt über die Lohnabhängigen in der Lebensmittelindustrie. Was macht Fabrikarbeit mit Literatur? Wieso fordert Arbeiterliteratur herkömmliche Erzählweisen fundamental heraus? Warum ist der Körper zentral für eine Literatur über Arbeit und Ausbeutung? Und welche Gemeinsamkeit hat Ponthusʼ Roman mit den Kämpfen der Gelbwesten von 2018?
Das Projekt wird ausschließlich mit Eigenmitteln bestritten, auch um dem bürgerlichen Kommerz ein klassenbewusstes Kulturverständnis von unten entgegenzusetzen. Es lebt von eurer Unterstützung und Solidarität. Teilt und kommentiert die Episode und folgt dem Instagram-Kanal: @klasseliteratur
Wenn ihr das Projekt mit ein paar Euros unterstützen wollt, findet ihr hier einen Spendenlink via Paypal
Anfragen per Mail an: klasseliteratur@web.de
Transkript anzeigen
00:00:04: Hallo und herzlich willkommen bei Klasse Literatur, dem Literatur-Podcast mit Klassenperspektive.
00:00:17: Mein Name ist Mesut Bayraktar und in dieser Folge geht es um zeitgenössische Arbeiterliterature aus Frankreich – nämlich am laufenden Band von Josef Pontus.
00:00:29: Hey
00:00:31: Mistwood.
00:00:32: Özgün, lass mich dich doch erst mal unseren Zuhörerinnen und Zuhöhrern vorstellen.
00:00:36: Özcün Kaya ist Kulturkritiker und Journalist aus Köln.
00:00:40: Er isst gewerkschaftlich aktiv bei Verdi in Kölner Leverkusen insbesondere bei den Themen Migration und Antirassismus im Migrationsausschuss.
00:00:49: In diesem Kontext haben wir uns auch übrigens kennengelernt.
00:00:52: er hat eine Zeit lang den inzwischen beendeten Philosophie Podcast keine Meinung gehostet indem er mit Gästen philosophische und gesellschaftliche Fragen diskutierte.
00:01:03: Außerdem schreibt er regelmäßig zu kulturellen Themen für verschiedene Zeitungen, in seinen Literaturkritiken bespricht er vorzugsweise postmigrantische Literatur – und in sein Filmkritiken beleuchtet er neben ästhetischen Fragen vor allem die philosophischen, kulturindustriellen und klassenpolitischen Dimensionen.
00:01:23: Zuletzt veröffentlichte er in Analyse & Kritik Eine Besprechung von Christopher Knowlands, die ODC und im ARD-Investigativmagazin Munitor.
00:01:34: Einen kritischen Beitrag zur Gewalt gegen Polizistinnen.
00:01:38: Ja so viel zu dir es gönnen!
00:01:39: Heute haben wir ja ein ganz besonderes zeitgenössisches Werk zu besprechen.
00:01:44: Ich möchte es kurz vorstellen und mal zum Thema hinführen.
00:01:49: Also der vorliegende Roman von Joseph Pontus am laufenden Band mit dem Untertitel Aufzeichnungen aus der Fabrik Zwei Neunzehn erschien ist ein autobiografisch geprägtes Werk der zeitgenössischen Arbeiterliteratur.
00:02:04: der Autor, der Literatur und Sozialarbeit studiert hatte.
00:02:08: Und zunächst als Sozialarbeiter tätig war, schildert darin seine Erfahrungen als Zeitarbeiter in Fischfabriken- und Schlachthöfen in der Britannier.
00:02:18: Der Roman steht in der Tradition der Arbeiterliteratur dazu kommen wir noch verbindet diese jedoch mit der innovativen Form eines Versromans.
00:02:27: auch dazu kommen Wir noch allerdings in freien Fersen und ohne festes Reimschema.
00:02:33: Thematisch setzt sich das Werk mit neoliberalen Lohnarbeitsfeld, dessen Zeitarbeit sozialer Ungleichheit und dem Verlust von Anerkennung und Sichtbarkeit körperlicher Arbeit auseinander.
00:02:44: Gleichzeitig betont Pontus aber auch die Solidarität unter den Beschäftigten und zeigt was Freundschaft, Literatur und Musik im harten Arbeitsalltag bedeuten können.
00:02:54: Am laufenden Band – ich habe es sehr gerne gelesen – verbindet somit für persönliche Erfahrungen des Autors mit gesellschaftlicher Kritik.
00:03:05: Ja, Özgün so viel erst mal zu mir.
00:03:07: üblicherweise ordne ich gerne in diesem Podcast die Werke immer ein und versuche so mit meinem Gast die Eckpunkte zu definieren um zu schauen welche auch zeithistorischen Impulse in so einen Text gehen.
00:03:21: daher erstmal die schlichte Frage Özgön worum geht es in diesen Buch eigentlich?
00:03:27: Pontus, der Autor berichtet von seinen zwei Jahren als Zeitarbeiter in der – ich habe jetzt mal so zusammengefasst – Lebensmittelverarbeitungsindustrie.
00:03:37: Ein sehr schönes mechanisches und funktionales Wort.
00:03:43: Das Werk ist ein lyrisches Gedankengewitter über Arbeitsbedingungen, persönliche Wünsche Abgründe und Widerwertigkeiten, und Absolitäten der kapitalistischen Produktionsweise.
00:03:55: Und ganz klassisch dem Menschen als Arbeitskraft inmitten des Ganzen.
00:04:03: Das Buch Rhein Formal ist in zwei Teile aufgeteilt und wie du sagt es auch in Fersform.
00:04:13: Es ist sehr Ich habe es jetzt Gedankengewitter genannt, das soll aber nicht falsch verstanden werden als diffus oder chaotisch.
00:04:23: Es ist halt prallvoll sage ich mal, aber dennoch sehr klar und sehr eindrucksvoll.
00:04:34: was die Beobachtung des Arbeiter Alltags angeht sage ich Mal
00:04:41: Ja, total.
00:04:42: Also es ist wirklich von erfrischender Klarheit und Zugänglichkeit das muss man dazusagen und hat trotzdem eine sehr große Fallhöhe.
00:04:50: Und vielleicht ist noch dazu zu sagen für all diejenigen die's noch nicht gelesen haben aber auf jeden fall lesen werden und lesen müssen Es ist in zwei große teile begliedert.
00:05:00: Erster Teil, zweiter Teil bemerkenswerterweise mit einem jeweiligen Zitat von Julien Apollinaire der ja in den Kriegsfolgen des ersten Weltkrieges gestorben ist eher ein avantgardistischer Dichter und die jeweilige Gedichtanteile sind auch immer gegliedert in einer Aufzählung eins aufwärts Bevor wir In diese Sprache eintauchen, in diese Imagination an einem Ort der wirklich brutalen Gewalt und Determination.
00:05:37: Der Roman erschien ja zwei Neunzehn in Frankreich.
00:05:41: Das spielt eine sehr wichtige Rolle denke ich auch um dieses Werk nicht im luftleeren Raum zu lassen sondern ihn wirklich herunterzuholen auf den Boden der Tatsachen auf denen es entstanden ist.
00:05:54: Ab im Jahr zwei Tausend Sechzehn gab es ja in Frankreich die Arbeitsmarktreform, die schrittweise von dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron seit seiner Amtszeit ab zwei Siebzehnt verschärft wurden.
00:06:08: Kannst du die wesentliche Aspekte dieser Reformen mal erläutern?
00:06:12: Mal sehen – die wichtigen Punkte meines Erachtens auch in Bezug auf das Werk von Pontus sind Die Erleichterung betriebsbedingter Kündigungen, die Einführung gesetzlicher Obergrenzen für kündigungsentschädigungen.
00:06:31: Also quasi die Möglichkeit eines Chefs den Arbeiterinnen zu entlasten und zu erleichtern.
00:06:43: in dem Zusammenhang wurde auch eine Verkürzung der Klagefristen für Arbeitnehmer auf ein Jahr begrenzt.
00:06:49: Das heißt, wenn man denn unrecht wahrgenommen hat und dagegen vorgehen will, hat man eine ganz knappe Deadline jetzt mittlerweile bekommen als Arbeiterarbeiterin.
00:07:00: Viele Arbeitnehmervertretungen wurden zusammengelegt die Vermögenssteuer... Die klassische Vermögensteuer wurde in der Form abgeschafft Und die Steueraufkapitalerträge wurde auf dreißig Prozent gedeckelt, da haben wir ein paar Sachen zu nennen.
00:07:21: Es trifft also neben den Arbeitern auch Arbeitslose, andersweitige Erwerbstätige der Bevölkerung, also die, die bereits schon unter Problemen Der kapitalistischen Gesellschaft Leiden haben durch diese Reform noch mal einen richtig heftigen Schlag abbekommen, was er natürlich auch und da wirst du wahrscheinlich darauf eingehen zu Protest- und Widerstand geführt hat.
00:07:44: Es ist ja vor allen Dingen diese Tatsache, dass mit diesen Arbeitsmarktreformen die sich dann auch erweitert haben auf Sozialstaatsreform und auf die Rentenreform das eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes bzw.
00:08:00: der Ausbeutung der Arbeitskraft durch das französische Kapital einhergeht.
00:08:05: Und auch diese Art von Staatswegen angepassten Neoliberalisierung an die Anforderung des kapitalistischen Weltmarktes hat natürlich einen großen Schock in der französischen Arbeiterklasse ausgelöst.
00:08:21: Ich finde ja auch, dass es sich dabei vor allen Dingen um eine Nachholung dessen handelt was wir in Deutschland als Agenda zwei Zähnen durch die rot-grüne Regierung Schröder Fischer kennen und das diese Art von in Frankreich halt um ein Jahrzehnt, wenn man so möchte nachträglich kam und dann zu entsprechender Empörung sorgte.
00:08:47: Bevor ich zu den Protesten komme und dem was daraus geworden ist, Özgün möchte ich nochmal dir das Wort geben.
00:08:56: zum Autor vor allem also Josef Pontus widmet das Buch ja auch unter anderem Den Proletariat an aller Länder wie es am Anfang heißt.
00:09:06: Wie kam es?
00:09:08: Also beziehungsweise, wie kam Pontus zu diesem Buch und wie würdest du sein politisches Bewusstsein ausgehend von diesem Werk einordnen?
00:09:18: Ja also die Wittmung geht dir ein bisschen weiter.
00:09:22: Damit knüpfe ich halt auch daran an was ich eben schon genannt habe.
00:09:25: Es sagt ja aus dem Proletarien aller Länder den Analphabeten und den Zahnlosen mit denen ich so viel gelernt gelacht, gelitten und gearbeitet habe Und das zeigt schon mal die breite Gruppe innerhalb der Gesellschaft, die davon betroffen ist und den sich Pontos nahe fühlt.
00:09:46: Nicht nur als Außenstehende sondern auch und dass sehen wir dann gleich als Personen, die auch inmitten des Ganzen das alles miterfahren hat.
00:09:54: Ich würde so einschätzen, seinen Motiv entspringt wohl dem Drang das Unglaubliche der Fabrikerfahrung eigentlich der allgemeinen Arbeitererfahrung oder Arbeitnehmer in Erfahrung besonders der Zeitarbeit wortwörtlich zu begreifen.
00:10:10: Wie das Buch Einleitend sagt scheint Pontus Zitat fantastisch was sich alles ertragen lässt.
00:10:18: Das Buch stellt jedoch keine Resignation da wie diese Zeile vermuten lässt im Gegenteil.
00:10:25: Aber dazu hören wir ganz später wahrscheinlich noch mehr.
00:10:29: Also seine Einstellung, die ich quasi daraus verstehen könnte – du hast es politisches Bewusstsein genannt – ist ein klassensolidarisches, ein humanistisches Bewustsein.
00:10:47: Das zeigt sich auch später in möglichen Problemen der konkreten Einordnung Pontus politischer Ideologie, wenn wir es mal so nennen wollen.
00:10:59: Was dem Ganzen aber gar nicht so sehr schadet der Wirkung und auch dem möglichen aus der Lectüre dieses Buches zum Verständnis von Politik etc..
00:11:12: Ich finde ja... dass das Buch ganz und gar nicht aus ideologischen Motiven verfasst und geschrieben ist.
00:11:18: Das wird man direkt in den ersten Zeilen erfahren, die ich auch noch lesen werde.
00:11:24: Aber man sieht schon zwischen den Zeilen, dass hier doch ein politisches Bewusstsein und eine Ansammlung politischer Erfahrungen als lohnabhängiger zum Ausdruck kommt finde ich, ist es ein politisches Bewusstsein das aus einer Gemengelage entstanden ist mit sozialistischen Ideen, sozialistische Bestrebungen gepaart.
00:11:51: Mit ja anarcho-syndikalistischen Umtrieben.
00:11:54: also ich finde diese Elemente kommen immer wieder zum Vorschein.
00:11:58: man muss vielleicht auch zu Josef Pontes vorweg sagen Er ist jemand, der studiert hat.
00:12:04: Der hat Literaturwissenschaften und Sozialarbeit studiert.
00:12:07: Hat auch soziale Arbeit.
00:12:09: als Sozialarbeiter war er auch beschäftigt Und aufgrund einer neuen Beschäftigung seiner Frau in der Britanie musste er diesen Job fallen lassen und ist dorthin mit seiner Frau hingezogen und hat erst mal selbst keinen Job gefunden.
00:12:25: und um nicht quasi Ja, in der Arbeitslosigkeit zu verählen.
00:12:30: Dann hatte er sich irgendwann dann zu den Zeitarbeitsfirmen bewegen gesagt ich muss jetzt Geld verdienen und ist dann quasi in dieser Fleischindustrie gelandet.
00:12:39: also auch das ist ja scheinbar ein merkwürdiger Zufall, der aber dann doch mit dem angesprochenen Arbeitsmarktreform und der Präkarisierung auch die Situation der Intellektuellen durch Bildung aufgestiegen sind oder aufsteigen wollten, aufs Ängste verbunden und damit weniger zufällig als vielmehr politisch in die Wege geleitet.
00:13:05: Und da wären wir vielleicht bei einem ganz wichtigen Aspekt dieser Jahre, zwei Neunzehn drum herum – nämlich auch die vielfach in den deutschen Medien oft kompromittierte Gelbwesten-Bewegungen zur Französischen Gileagion.
00:13:22: Einige Worte dazu Die Gelbwesten-Bewegung entstand Ende im Frankreich und entwickelte sich rasch zu einer der größten Protestbewegungen der letzten Jahrzehnte in Europa.
00:13:34: Auslöser war, dass die französische Regierung dann schon unter Macron eine Erhöhung der Kraftsteuer geplant hat.
00:13:44: Und das hat viele Menschen auf die Palme gebracht vor allen Dingen die Werktätigen des Alltags aber auch besonders diejenigen auf dem Land, die ja auf das Auto angewiesen sind Denn sie sahen darin eine zusätzliche finanzielle Belastung des ohnehin immer teuer werdenden und schwierigen Lebens, insbesondere nach der großen Weltwirtschaftskrise.
00:14:06: zwei neuen Folgende.
00:14:08: Die gelben Warnwesten – auch das ist wichtig zu nennen – die jeder Autofahrer im Fahrzeug mitführen muss wurden sozusagen zum Symbol des Protestes.
00:14:23: nur mehr gegen die Benzinsteuer, sondern gegen grundlegende gesellschaftliche Verhältnisse.
00:14:28: Vor allem Menschen aus der Arbeiterklasse beteiligten sich an den Protesten und diese Protestform waren sehr vielseitig.
00:14:35: also ab November zwei achtzehn fanden fast jeden Samstag Demonstration statt.
00:14:40: Straßen Kreisverkehre und Mautstation wurden blockiert Und besonders in Paris kam es teilweise auch zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen demonstrierenden und der Polizei sowie zur Sachbeschädigung.
00:14:51: Es war erstaunlich, Özgün gerade wenn man so die Medienlandschaft begleitet hat oder überhaupt täglich Zeitung liest wie halt auch fast schon orchestriert.
00:15:03: Auch in den deutschen Medien die Gelbwesten sofort stigmatisiert worden, sofort komprimitiert wurden und sofort quasi markiert wurden mit einer Horde wildgewordener Leute die eigentlich nicht das Recht haben zu protestieren was vollkommen irre ist.
00:15:19: Dabei waren die Forderungen Ja, Gelände gesagt nicht einmal großumweltserrisch.
00:15:27: Es gab zwar keine einheitliche Führung aber die Forderungen waren ganz eindeutig man wollte niedrigere Steuern.
00:15:32: das bezieht sich vor allen Dingen auf die Kraftstoffsteuer und die Preise.
00:15:37: Man wollte höhere Mindestlöhne und Renten man wollte mehr soziale Gerechtigkeit und eine stärkere politische Mitbestimmung der Bevölkerung.
00:15:45: Was daraus folgte war Die Regierung hat die Kraftstoffsteuer Die geplant wurde zurückgezogen.
00:15:53: Finanzielle Entlastungen wurden beschlossen, also etwa eine Erhöhung des Mindestlohns durch staatliche Zuschläge.
00:16:01: und das ist vielleicht das Entscheidende.
00:16:04: die Proteste haben halt auch ne breite Debatte ausgelöst über soziale Ungleichheit und die Lebensbedingungen vieler Menschen in Frankreich.
00:16:12: Und diese Debatten gingen teilweise über das enge Korsett der bürgerlichen Gesellschaft hinaus.
00:16:20: Jetzt fragt man sich, na ja wo ist der Zusammenhang mit dem Buch dass wir heute besprechen?
00:16:25: Nämlich am laufenden Band.
00:16:27: Ich sagte es schon Josef Pontus veröffentlichte sein Romantz zwei tausend neunzehn also auf dem Höhepunkt der gelbwesten Bewegung.
00:16:35: Obwohl das Buch nicht direkt von den Protesten handelt greift Es dieselben Themen Auf.
00:16:41: Ich würde sogar auch Schluss folgen und ich habe zu dieser Zeit auch zu den Gelbwesten einige Essays in Zeitungen geschrieben.
00:16:48: Am laufenden Band von Josef Pontus ist aus derselben proletarischen Wut entstanden, die die gelbweste Bewegung in Frankreich von zwei achtzehn bis zwei tausend zwanzig gegen Emmanuel Macron seine Klasse mobilisierte.
00:17:02: Ja, Özgün so viel vielleicht.
00:17:04: erst einmal zum historischen und materialistischen Kontext.
00:17:08: in Kürze Lass uns doch einsteigen in den Romanen.
00:17:12: Und dafür möchte ich den Anfang erst einmal
00:17:15: lesen.".
00:17:17: Der Text beginnt wie folgt, Ein Brot-Shop, wie man so sagt.
00:17:43: Weil meine Frau es satt hat mich auf der Couch auf eine Stelle in meiner Bronz warten zu sehen.
00:17:49: also Lebensmittelindustrie LM Wie man hier sagt Eine britonische Fisch und Garnelen Produktions und Verarbeitungs Und gar und all das Fabrik.
00:18:00: Ich gehe dort nicht zum Schreiben hin sondern für die Kohle.
00:18:04: In der Zeitarbeitsfirma werde ich gefragt wenn ich anfangen kann.
00:18:08: Wenn morgens fahre Sonne Frühe Gärten bleicht, antworte ich so schlicht wie Hugo.
00:18:15: Beim Wort genommen fange ich am nächsten Morgen um sechs Uhr an.
00:18:18: Im Laufe der Stunden und Tages setzte sich das Bedürfnis, das zu schreiben hartnäckig fest wie eine Gräte im Rachen – nicht die Eintönigkeit der Fabrik sondern ihre paradoxe
00:18:30: Schönheit.".
00:18:32: Ja, Özgün!
00:18:33: Ich finde ja dass in diesen ersten Zeilen schon das komplette Programm offengelegt wird.
00:18:38: und was dann darauf folgt... Wie sieht denn diese paradoxische Schönheit der Fabrik im Buch aus?
00:18:45: Wie hast du sie wahrgenommen, wie würdest du sie
00:18:47: beschreiben?".
00:18:49: Das überrascht ja erstmal.
00:18:50: Dass er da von paradoxischer Schönheit spricht wenn er kurz zuvor von moderner Sklaverei sprach.
00:18:56: aber das ist dasselbe wie mit dem Zitat eben mit dem Fantastischen.
00:18:59: es ist anders gemeint als es vielleicht erst mal intuitiv vernommen wird.
00:19:05: also für mich ergabte ich die Paradoxeschönheit oder beziehungsweise zeigt sich dieses Verständnis von Pontus, der Paradoxenschönheit auch in einem anderen Zitat.
00:19:15: Das soll jetzt Deins nicht negieren als Ergänzung gedacht und einer Stelle schreibt er auch nach der Beschreibung der Arbeitstätigkeit und während ich das schreibe sortiere ich weiter nur diesmal die Wortarten.
00:19:31: Er bringt also Die Produktionsweise am Laufband.
00:19:35: eigentlich setzt diese gleich mit einem kreativen, literarischen Denken oder Versuch der Einsortierung.
00:19:45: Das zeige ich auch immer wieder später im Werk.
00:19:48: Es kommen immer wieder Assoziationen dieses Betrieblichen Grau dieses Mollochs, dieser monotonen Helle mit dem schönen aus dem philosophischen Sinne den guten, dem einzig wahren Schönen zusammen.
00:20:07: Das heißt Lyrik Literatur und Ausdruck kreativer Menschlichkeit finden auch ihren Platz in dieser Produktionsstätte.
00:20:18: damit bricht halt Pontus meiner Meinung nach diese konstruierte, da können wir vielleicht noch später darauf eingehen wie weit etwas da konstruiert ist.
00:20:27: Aber die konstruierten Trennung vom Menschen als kulturschaffenden, kulturwahrnehmenden Wesen und dem Menschen als Arbeitsbiene bricht er da auf also selbst ein... Anführungszeichen der einfache Arbeiter hat das Vermögen und auch den Wunsch sich in dem Sinne kreativ, ich meine jetzt kreative nicht immer mit jeder als Künstler sondern dieses Schöpferische im Geiste quasi auszuleben und dem nachzugehen.
00:20:58: Und diese Gleichzeitigkeit ist für ihn dann halt das Paradoxe und zusammengefasst ergibt sich daraus eine paradoxes Schönheit.
00:21:09: Also er inszeniert jetzt die Arbeit in der Fabrik nicht als weiß ich, nicht getaktete Choreografie, die irgendwie an ein Tanz-Theaterstück erinnert sondern sieht das Grauen darin aber... schafft es das Grauen mit dem versteckten Schönen in den Köpfen der Arbeiter oder seinem Kopf gleichzeitig zu denken.
00:21:37: Damit bricht er halt diese Barriere auf und zeigt, dass die einfache Arbeiterin auch schön ist in ihrem Denken und in ihrem gewünschten Handeln sogar.
00:21:52: Es spricht da beispielsweise von später, ganz ganz später im Buch von der Arbeit als nackte Wahrheit.
00:21:59: So dann auch mal eine Assoziation mit dem Warten schönen Guten und stellt sich das alles zusammengefasst gegen ein bürgerliches Kunstverständnis also Kunst als etwas erhabendes, als etwas elitäres, als was nur zugängliches für eine bestimmte Klasse.
00:22:20: Kunst ist eigentlich in jedem oder der Wunsch nach dem schönen, guten ist es eigentlich in jedem vorhanden und er beweist das auch.
00:22:30: Er hat studiert, er hat Ressourcen gesammelt und kann diese einsetzen aber er nimmt sich da nicht raus.
00:22:37: also er stellt sich dann nicht als Ausnahme dar.
00:22:43: Es finden sich auf jeden Fall Stellen in dem Werk wo er den Unterschied zwischen ihm und den Leuten, die im Werk halt ständig und immer tätig waren.
00:22:55: Stellt er fest es gibt Unterschiede aber keine unüberwindbaren, keine unmöglichen zu überschreitenden Grenzen.
00:23:09: Ich denke am besten erfährt man diese Paradoxeschönheit wenn man sich auf die Zeilen einlässt, wenn man diese Zeilen liest ihr ja auch nur annähern, um sich zu orientieren.
00:23:22: Aber diese paradoxe Schönheit scheint tatsächlich in jeder Zeile auf und in vielem würde ich das bestätigen was du beschrieben hast.
00:23:30: Ich habe auch den Eindruck dass diese Unterschiede von denen du sprichst sie haben natürlich Unterschiede einer bestimmten Bildung Ansammlung von Ressourcen.
00:23:41: Nichtsdestotrotz macht der Unterschiede ja aber zwischen sich und allen immer wieder auf, um auch zu zeigen die arbeitende Klasse die Lohnabhängigen sind auch untereinander individuell gestaltet und haben jeweilige Persönlichkeiten.
00:23:55: also es ist nicht so hier ist irgendwie der exponierte gebildete Literaturwissenschaftler der jetzt in die Fabrik geht und irgendwie ein Sprachrohr macht sondern Es ist so, dass er aus der Klasse für die Klasse spricht und darin halt auch die Unterschiede aller Beteiligten, aller Gesten, aller Gesichter, aller Stimmen dann hervorhebt.
00:24:17: Dieser Punkt der Paradoxenschönheit ist ja tatsächlich einer in dem eine dialektische Gedanke waltet.
00:24:25: Also irgendwie ein sehr widersprüchliches System zugrunde liegt.
00:24:28: Auf der einen Seite wird die Fabrik als Ausbeutungskomplex beschrieben auf der anderen Seite sieht er immer wieder die Momente eines Paradox-Schönen.
00:24:38: Und man darf das nicht falsch verstehen, es geht nicht um die Ästhetisierung der Arbeit Ösigen – du hast das ja schon gesagt!
00:24:45: Damit hat es gar nichts zu tun.
00:24:47: Es geht eher darum dass das Aesthetische selbst, was in jedem liegt als so etwas wie ein sinnliches Bedürfnis, ein Medium sein kann... für Erkenntnis und Wahrheit.
00:25:00: Also das ist was, was ich so beeindruckend hier finde.
00:25:03: Und man kennt es ja zum Beispiel auch in den marxistischen Analysen von Produktionsabläufen und Produktionsketten.
00:25:10: Denkt z.B an die Spargelproduktion.
00:25:13: Denk an die H&M Textilproduktion.
00:25:17: auf der einen Seite sehen wir diese Arbeitsprodukte verdinglicht als Waren im Supermarkt Und man verkauft uns diese Orte als Orte der Wahrheit, der Schönheit.
00:25:32: Auf der anderen Seite ist aber die eigentliche Wahrheit dort zu finden woher diese Dinge kommen nämlich in der Fabrik selbst.
00:25:42: und da sieht man wie zwei geteilt auch an dieser Stelle ja Realität und Wahrnehmung stattfinden können.
00:25:48: und das Realität gerade und das finde ich bei Pontus so stark dass Realität nicht in den Märkten, also dort wo man halt einen H&M-Shirt kauft stattfindet.
00:26:01: Sondern dass die Realität geschaffen wird von den Lohnabhängigen, die quasi in ihren Arbeitszusammenhängen diese Dinge erst herstellen und produzieren.
00:26:14: Und das dort was sehr Humanes und auch so ein sehr menschliches Stadt findet, das unter grausamsten Bedingungen durch das Kapital ausgebeutet wird.
00:26:24: Diese Ebene wird immer wieder mitgenommen.
00:26:27: Zwischen Realität und Verhüllung, wenn man so möchte... Das macht ja auch der Titel schon deutlich.
00:26:33: Wir sprechen hier am laufenden Band.
00:26:35: Es heißt Aufzeichnungen aus der Fabrik.
00:26:38: Er möchte in die Fabrik!
00:26:39: Und Özgün, dieser Roman schildert dabei den Alltag am Fließband in der Lebensmittelindustrie.
00:26:48: Welche Station in dieser Industrie durchläuft denn der Erzähler?
00:26:52: Ich meine, er macht ja auch eine Reise in diesem Buch.
00:26:56: Ja, genau.
00:26:56: Also es ist halt auch ein Buch wenn das auch über die Arbeiterklasse quasi im Allgemein handelt.
00:27:02: Es ist ja ganz konkret über Zeitarbeit und Zeitarbeiter.
00:27:07: Und Zeitarbeiter sind halt immer mal wieder überall weil sie halt keinen festen Vertrag bei einem Arbeitgeber haben sondern einen Vertrag mit einer Zeitarbeitsfirma oder Leihfirma wie ich es auch damals genannt wurde.
00:27:20: Entsprechend ist er überall unterwegs.
00:27:22: Also es zeigt sich auch diese Komplexität und diese Diversität der Industrie beginnt in einer Garnelenfabrik oder sehr oft ist das vielleicht die selbe Fabrik, die dann halt immer wieder andere Produkte herstellt mit verschiedenen Hallen.
00:27:38: Das ist nicht immer ganz eindeutig aber zumindest können wir hier von Station sprechen.
00:27:43: also es einmal eine Garnel-Fabrik.
00:27:45: spät danach ist ja mal eine Zeit lang in der sogenannten Ferienfreizeit mit der Betreuung von Behinderten, woraufhin er dann aber auch wieder in der Panierfisch- und Chimerenproduktion beteiligt ist.
00:28:04: Dann ist er auch noch im Bereich des Tofuabtröpfens.
00:28:08: Eine Zeit lang macht er Bechamelsoße.
00:28:10: Nach der Bechamelsosentätigkeit hat er mit Wellhorn-Schnecken zu tun.
00:28:17: Das beschreibt er auch immer, also wiederholend und intensiv vermute ich auch allein wegen dieses absurd zusammengefügten... Also im deutschen zusammengefügten langen Wortes wellhorn-schnecken.
00:28:31: Er hat auch mit Krabben und Langusten zu tun geht aber auch darauf ein dass diese vor allem in der Weihnachtsaison auftauchen.
00:28:37: Also es zeigt sich hier auch wieder was du eben ansprachst mit das halt diese ist auch mal Waren, diese Nahrung als Ware halt in einem bestimmten kapitalistischen Logik folgt.
00:28:49: Also verschiedene Saison hat, also verschiedene Zeiten wo die Produktion am ehesten für den Kapitalisten Sinn macht weil da auch die Konsumnachfrage vermeintlich am höchsten ist etc.
00:29:00: Er ist dann auch noch auf einem Förderband eines Schlachthofs wo er die Tierteile reinigt.
00:29:09: Er spricht davon von der Reinigung Nebenprodukten, so wie es auch in der Industrie genannt wird.
00:29:15: Aber diese Nebenprodukte sind tote Tiere in verschiedenster Form – in der Gemengenlage totert hier Körper.
00:29:22: Ich arbeite auch mal daran dieses Schlachtkörper zu schieben.
00:29:29: also als Bild kann man sich vorstellen wie beim Metzgerhinten oder beim klassischen Metzgarhintene wo die ganzen Totentiere hängen und ein Prozess durchgehen.
00:29:38: Das ist ja auch in der Fabrik schon so, dass die von A nach B transportiert werden müssen und das passiert halt auch mit menschlicher Kraft, mit seinem Zutun.
00:29:48: Er ist dann auch mal im Kühlhaus und muss sich da kümmern und ich glaube zuletzt spricht er auch davon, dass er in der Verladung Und da kommen dann auch diese Aspekte, dieses Zusammenkommen der verschiedenen Arbeiter- oder Arbeitsarbeitergruppen auf die er trifft.
00:30:13: Also dabei trifft er nicht alleine dort sondern ich spreche doch immer wieder davon wie er auf die Händler trifft bei der Verladung wahrscheinlich oder auf den Vorarbeiter trifft und der Chef kommt immer mal wieder ab und zu vorbei also überall wo er ist.
00:30:26: es ist ja Arbeit ausgesetzt wenn sie auch quasi von den Waren her unterschiedlich ist, ist die Arbeitstätigkeit eigentlich immer eine ähnliche und zwar die physische Arbeit des menschlichen Körpers.
00:30:43: Was ja auch wichtig ist für den Autor das klarzustellen – dass es halt noch die Fabrik wie man sich halt klassisch kennt und was manchmal auch oder Apologäden des Kapitalismus historisiert wird als die Fabrik in der Form, wie zum Beispiel als Marx- oder Engelschrieben gibt es in der form nicht mehr.
00:31:07: Oder wenn sie gibt dann ist sie nun noch in der Peripherie also vermeintlich Zitat peripherie aufzufinden.
00:31:13: nee das ist dem ist nicht so.
00:31:15: Die fabrik gibt es auch in den bereits industrialisierten ländern in diesem fall frankreich und Sie ist nicht einfach nur ein Ein Gebäude, in das man reingeht und dann vergehen die acht bis zehn Stunden.
00:31:34: Und dann geht man raus sondern dort gibt es ein Eigenleben... ...und dieses Leben unterscheidet sich radikal von dem was er auch im Buch Außen nennt also diesen privaten Leben des gesellschaftlichen Leben.
00:31:51: Das sind die Stationen!
00:31:53: Also man sieht ziemlich viele Stationen, die er durchlauft.
00:31:56: Ich glaube sogar Özgün dass immer wieder in den Fabriken wechselt also nicht nur in den Abteilungen einer Fabrik sich bewegt.
00:32:03: und es beschreibt ja auch die gnadenlose kapitalistische Verwertung von Tieren, die du ja angesprochen hast.
00:32:10: dazu möchte ich eine kurze Stelle lesen.
00:32:13: so viele Wannen wie Abfälle Teile die ich nicht zuordnen kann Kiefer Hörner Vorderhüfe Hinterhufe, manchmal zarte behaute Ohren noch mit Marke dran.
00:32:26: Andere triefende Teile die ich lieber nicht kenne aber die von Wiederkäuern stammen bestimmt die Pansen und
00:32:34: Euter.".
00:32:36: Also das ist ja wirklich... Das geht direkt rein und verschlägt einem so ein bisschen den Atemöschen.
00:32:43: was macht das denn mit dem Erzähler?
00:32:45: also wie geht er im Laufe dieser Beschreibungen damit um?
00:32:49: Ja es spricht eigentlich nie selbst direkt von Ekel, also was er beschreibt löst beim Rezipienten.
00:32:58: Bei den Rezipiente kann Ekel auslösen vielleicht bei manchen die hartgesonnen sind nicht.
00:33:05: auf jeden Fall ist es eine sehr mechanische Sprache die er da anwendet.
00:33:10: Er distanziert sich schon ein Stück weit mit dieser mechanischen Beschreibung von dem erfahren und von dem geschilderten.
00:33:19: Es erzeugt also eine vermeintliche Distanz, vermeintlich weil diese mechanische Beschreibung dennoch Ekel auslösen kann.
00:33:33: Ekel durch die Erkenntnis um diese Ungeheurigkeit sagen und das ungeheuerige dieser Tätigkeit Also ein Tier ist ja etwas... Es war mal lebendig und es hatte eine Existenz.
00:33:54: Und jetzt ist die dessen Existenzen nicht einfach beendet, sondern sie wurde umfunktioniert zu einem... Nicht nur einfach zur Nahrung, sondern zur Nährung als Ware.
00:34:05: Und diese Beschreibungen auch dieser Aufzählung beispielsweise hast du gesagt Euter, Hufen das sind alles Teile dieses Warenstücks.
00:34:15: Es ist quasi nicht mehr ein Tier wie es Tier ist.
00:34:22: Ich brich dir auch an anderer Stelle, auch wenn dein Zitat jetzt sehr passend und eindrucksvoll ist, muss ich noch andere einbringen?
00:34:28: Ich briche dir auch in anderer Stelle von winzigen aufgedunstenen Rugbybellen.
00:34:34: Das ist seine Assoziation mit Teilen dieser toten Tierkörper.
00:34:39: Er bedient also damit keine Sprache des Bürgertums sondern eine Sprache mit diesem Rugby beispielsweise, was die Mehrheit der Bevölkerung sofort versteht und entsprechend auch die einfachen Anführungszeichen, einfache Narbeiterinnen.
00:34:58: Es ist ungeschönt!
00:35:02: Und er bringt auch diese... Also es ist jetzt... Ich weiß nicht, ich habe immer mein Problem damit wenn solche... Ich fasse das mal als Ökologiebetein, also Tierwohl etc.. Es ist jetzt kein Buch, Pamphlet gegen Tierausbeutung quasi exklusiv auszeichnen, sondern er bringt diese was ja auch in linken Debatten immer auf kommt oder klassenperspektivischen Debatten auf kommt.
00:35:30: Hier kommt Ökologie und Kapitalismuskritik in der Form zusammen dass es gleichzeitig betrachtet wird aber auch die Mechanismen die ihn beide greifen und damit das alles verbinden mit dem Oberbegriff kapitalistisch Produktionsweise.
00:35:48: Das kommt alles hier auf und das kommt auch, ich hoffe dem theoretisch nicht ganz auf der Linke theoretisch.
00:35:58: Nicht ganz auf den auf der Höhe sehenden normal zivilisten bürger etc.
00:36:04: also diese dieses erkenntnis ist oder dieser Erkenntnis Potenzial bei Pontus vor allem diesen Tier Beschreibungen sehr stark, ganz auch so Mitte des Buches.
00:36:18: Ich habe davon gesprochen, eine Station war die Verladung und das Schieben von Schlachtkörpern.
00:36:27: Später sprichte er auch davon wie die Körper geschleppt werden also die Schlacht-Körper geschleppt werden.
00:36:33: gleichzeitig entwickelt sich aber auch bei Rezipienten Die Assoziation mit dem Körper, also den menschlichen Körper der gerade diese Tätigkeit verrichtet.
00:36:40: Wie er auch seinen Körper schleppt im Einklang... ...mit der Ware und das ist schon sehr gruselig!
00:36:48: Also sich das vorzustellen, das Tag einen Tag auszumachen über Jahre Es löst unbehagen aus.
00:36:57: Bei dem Autor oder beim lyrischen Ich, der das gerade erzählt wie auch bei den Leserinnen würde ich mal so behaupten Es ist jetzt nicht so, dass ich das Buch lese und zum ersten Mal wahrnehme wie schlimm die Tierverarbeitung ist im Kapitalismus.
00:37:13: Das ist glaube ich allen klar.
00:37:14: es ist ja auch so ein Ding.
00:37:16: Als Gesellschaft tun wir halt auch wenn man uns als eine Gesellschaft zu begreifen wollt, tun wir auch Dinge obwohl wir es besser vermeintlich besser
00:37:24: wissen.
00:37:25: Und das speist Pontus hier alles mit ein?
00:37:29: Pontus ist in keiner Hinsicht ein Moralist.
00:37:33: er beschreibt tatsächlich die Dinge mit realistischer Härte, wie man sie analog bei Abten Zinkler der Dschungel kennt.
00:37:41: Der ja auch wirklich kein Blattform und nimmt wenn er diese industriellen Abläufe der Fleischverarbeitung beschreibt.
00:37:51: Wir begleiten sozusagen die Verwandlung des tierischen Lebewesens in wahren Formen und ihre kapitalistische Verwertungen beschreibt sich ja dann manchmal auch so in Momenten von Erschöpfung und Niedergeschlangenheit.
00:38:07: Auch als Fabriksoldat oder schreibt die Fabrik, der da auch als Schlampe sagt.
00:38:15: Also man merkt es ist jetzt nicht so eine moralisch gefilterte Darstellung am Werk, die Leute belehren will.
00:38:25: Sondern ich finde gerade das macht es schon pamphletisch wenn man dieses Wort wieder aufgreifen will... Die Darstellung selbst ist ein Aufschrei.
00:38:34: Die Darstellung selbst ist die Kritik.
00:38:35: Die darstellung selbst is sozusagen ein Pamphlet und das ist natürlich gerade mit Blick auf maxistische Tierbefreiungsüberlegungen.
00:38:48: Theorien durchaus extrem erkenntnisreich.
00:38:52: Weil man da ja wirklich bis auf kleinste Detail, bis auf jeden kleinen Schritt erfährt wie so was abläuft und welchen großen Dimensionen diese Verarbeitungsindustrie vorgeht und miteinander verknüpft ist.
00:39:09: Und in diesem Zusammenhang steht halt die Zeit Arbeit.
00:39:13: Auf die kommt der immer wieder zurück auch in den Zeilen.
00:39:16: Und Zeitarbeit ist ja dann wirklich sowas extrem auch prekäres, ne?
00:39:21: Eine moderne Form von Lohnarbeit.
00:39:23: Also es heißt ja immer wieder die Lohnarbeit gibt es nicht mehr oder die Lohnabhängige Arbeit.
00:39:28: tatsächlich liegt diese Lohn abhängiger Arbeit dieser diesen neuen Form der Arbeit wie der Zeitarbeit wie der Plattform ökonomischen Arbeit zugrunde oft verrechtlicht aber genauso oft auch nicht verrechtlich sondern verkauft als Ja, selbstständiges Unternehmertum oder ähnlichen Lügengeschichten.
00:39:52: Özgün vielleicht einmal du hast es schon erwähnt aber ich glaube ist es wichtig auch für Zuhörerinnen und Zuhörenden die diese Form von Arbeit nicht kennen was ist Zeitarbeit?
00:40:01: Vielleicht könntest Du dazu mal so ein bisschen etwas sagen gerade weil Du ja auch in gewerkschaftlichem Zusammenhängen aktiv bist.
00:40:08: Und zurück zum Buch Wie entwickelt sich die Beziehung des Erzählers zu den Zeitarbeitsfirmen, also die im französischen Jahr Interim genannt werden?
00:40:17: So Zeitarbeiter haben einen Vertrag in einer Zeitarbeitsfirma.
00:40:20: Das ist wie so eine Agentur und die hat wiederum Kontakte und Verträge mit Unternehmen.
00:40:26: Und die Unternehmen haben dann Bedarf an Arbeitskraft, wollen aber keine Arbeitnehmerinnen haben, die halt nicht direkt von der Gewerkschaft in der Form vertreten werden können.
00:40:37: Die vielleicht auch nicht sozialversicherungspflichtig eingestellt werden sondern ganz klassische dass es dann wiederum sehr ähnlich den historischen Industriearbeitern des neunzehnten Jahrhunderts im weitesten Sinne entrechteter Arbeitskräfte sind, die nichts anderes außer Produktion betreiben sollen.
00:40:59: Und diese Zeitarbeitsfirma teilt ein auf oder gibt einen Angebot aber es ist meistens auch ein Angebot was man nicht ablehnen kann weil es halt auch keine Alternative gibt und wir müssten ja quasi leben können.
00:41:14: und Leben heißt, wir müssten Dinge bezahlen können.
00:41:17: Und zum Dinge zu bezahlen braucht man Arbeit.
00:41:20: und wenn sich dann so eine Arbeit ergibt... ...dann nimmt man sie sofort an, wenn man in dieser Lage ist.
00:41:26: Aber es gibt halt in dem Sinne keine Sicherheit!
00:41:28: Man hat halt nur den Lohn aus dieser Arbeit am Ende, die man bekommt also aus der Zeitarbeit und schaut nach dem nächsten Zeitarbeitsvertrag, also nach der nächsten Möglichkeit seine Arbeitskraft irgendwo zu verkaufen.
00:41:42: Das ist quasi ein Ja, das hört halt nicht auf.
00:41:46: Es ist auch ziemlich schwer da wieder rauszukommen weil es ja auch diese Abhängigkeit entwickelt des Arbeiters.
00:41:58: in der Form ist also jetzt Zeitarbeit hoffentlich geklärt.
00:42:02: man ist also in einem Verhältnis zwischen Zeitarbeitsfirma und Unternehmen und ist abhängig davon was die Zeitarweitsfirma einem einteilt.
00:42:10: dann macht man diesen einen Job eine zeitlang Und dann wechselt man wieder woanders hin.
00:42:16: So lebt man immer nur von der Hand zum
00:42:19: Mund.".
00:42:22: Das Zeitarbeitsmodell ist eine raffinierte Erfindung der Kapitalisten zur besseren Ausplünderung der Arbeiterinnen und Arbeiter, denn man ist nicht direkt beschäftigt bei dem Unternehmen das ein Entleid ... beschäftigt bei dem Verleier, der sozusagen so eine inoffizielle Arbeitsagentur ist.
00:42:45: Dich mal hier mal dorthin schickt und der Ort wo du arbeitest Der kann dich erstens billiger ausbeuten Du kriegst weniger als die Stammbillegschaft Und zweitens er kann dich auch immer abstoßen wenn er dich nicht braucht also quasi nach den Bedarfen des Kapitals.
00:43:04: oder Die Kommando Gewalt des Kapital entscheidet Anders als, wie du sagst, Özgün ein gewerkschaftlich organisierter Vollbeschäftigter oder Festangestellter.
00:43:16: Bei dem ist er dann doch etwas schwieriger ist ihn loszuwerden wobei das ja auch wenn man an die aktuellen Debatten auch hier in Deutschland denkt rund um Friedrich Merz auch aufgelockert und aufgeweicht werden soll.
00:43:28: also dass es glaube ich eines der großen Knackpunkte des Zeitarbeit eine Form ist in der man Arbeiterinnen leichter, billiger und flexibler ausbeuten kann im Gegensatz zu der eigenen Stammbillegschaft.
00:43:45: Womit ja wieder Widersprüche verbunden sind.
00:43:47: Aber Özgün ich habe vielleicht noch zu dem Hinweis und zu dem Aspekt wie denn der Erzähler sich in seiner Beziehung zu den Arbeitszeitarbeitsfirmen entwickelt und wir dieses Verhältnis immer wieder reflektiert.
00:44:01: kannst du dazu noch was sagen?
00:44:04: Ein praktischer Sphäre ist da, dass die Gewerkschaft in dem Sinne nicht zuständig ist.
00:44:09: Vor allem in dem Fall wie er es beschreibt.
00:44:12: Nicht für ihn zuständig und entsprechend auch nicht sich gewerkschaftig da irgendwie solidarisieren oder betätigen kann.
00:44:21: Er ist quasi von der großen Gruppe der etablierten Arbeiter ausgeschlossen Und führt dazu im Buch auch ein, da möchte ich kurz zitieren.
00:44:53: sich mit den Arbeitern zusammenschließen und für die besseren Bedingungen, das ist auch im Zuge dieser Geldwesten und gewerkschaftlichen Proteste in Frankreich.
00:45:03: Sich anschließen kann es aber nicht aufgrund der existenziellen Ängste, aufgrund dieser Abhängigkeit von der Zeitarbeit.
00:45:13: Er ist also gefühlt solidarisch, aber praktisch ausgeschlossen von dieser Sache.
00:45:21: Das löst beim Das löst beim Autor ein Zwiespalt aus, aber kein unüberwindbarer.
00:45:30: Also auch wie mit der Beschreibung der Tierkörper und der Verarbeitung unter Stationenwechsel ist es im Grunde eine einfache Beschreibungen dieser Situation von ihm wahrgenommen.
00:45:41: Tatsache also das hast du ja anfangs auch gut trägt voraus geschickt.
00:45:45: Dieser Untertitel ist sehr wichtig.
00:45:47: Es ist eine Aufzeichnung kein moralisches Papflet.
00:45:54: In dem Sinne ist es kein Selbstmitleids-Getur, sondern knallhart und gleichzeitig aber hoffnungsvoll.
00:46:11: Das sind die Widersprüche und auch die inneren Wünsche des Zeitarbeiters in diesem
00:46:16: Berg.".
00:46:20: Neben dem Ölsgön, was du beschrieben hast.
00:46:23: Auch den Widersprüchen zwischen Stammbillegschaft und Zeitarbeiter gibt es ja tatsächlich auch immer diese Momente der Klassen-Solidarität in dem Fersroman sowohl im Kleinen als auch im Großen.
00:46:33: dieser Streikabschnitt macht das zum einen deutlich.
00:46:37: also ich will gerne mit euch aber ich kann nicht aufgrund meiner strukturellen Abhängigkeit die mir keine Wahl gibt.
00:46:47: Aber dann gibt es diese Momente der Klassensolidarität auch im Kleinen, nämlich zwischen den Kolleginnen.
00:46:52: Wenn er zum Beispiel von einem Kollegen morgens immer in einen bestimmten verabredeten Ort abgeholt wird um mit ihm zur Arbeit zu kommen da er selbst kein Auto hat und plötzlich dieser eine Kollege von einer Zeitarbeitsfirma woanders eingeteilt wird keine Mitfahrgelegenheit mehr hat.
00:47:12: Und irgendwie merkt man, dass er diesen Kollegen vielmehr vermisst als die Mitfahr- Gelegenheit selbst.
00:47:17: und ich finde das zeigt nochmal wie sehr Zeitarbeit also diese moderne Form der Flexibilisierung der Lohnabhängigkeit auch zur Spaltung der Arbeiterklasse führt aber auch immer wieder zu dem erschweren von Solidarität, von Einheit und von Verbindung.
00:47:42: Also es sind quasi auch Strukturen die vereinzeln sollen.
00:47:47: Du sagtest ja Pontus ist hier vor allen Dingen beschreibend unterwegs.
00:47:53: was ich aber so genial daran finde ist Es ist eine Beschreibung mit Bewusstsein.
00:47:58: also er schaltet dabei nicht das Bewusstsein ab und beschreibt einfach das Elend, sondern durch dieses hinzukommen bewusster Reflexion wird dieses Elend auch in seinen Grenzen aufgezeigt.
00:48:15: Und auch unter dem Gesichtspunkt von Widerständigkeit und Solidarität – dass es doch anders werden müsse und könne!
00:48:24: Element dieser Widerständigkeit ist ja diese Körperlichkeit.
00:48:27: Also, Körper kommen immer wieder zum Einsatz sowohl bei Tieren als auch bei den Arbeiterinnen und Arbeitern.
00:48:33: Man hat den Eindruck die Körperlichkeit sind quasi diese Maschen in denen und aus denen heraus diese Ferse entstehen und zusammengehalten werden.
00:48:46: also auf vielen Ebenen hat Körperlichkeit eine zentrale Bedeutung.
00:48:51: Dazu möchte ich ein paar Ausschnitte lesen, die ich zusammengestellt habe aus Anfang Mitte Ende wenn man so möchte.
00:48:59: Nämlich für meinen Organismus ist der Rhythmus meiner acht Nachtstunden nicht einfach zur Handeln.
00:49:06: Wann soll ich aufstehen, zu Bett gehen mich ausruhen essen Kaffee trinken oder Wein?
00:49:11: Ich dachte ich verschiebe einfach alles um zwölf Stunden!
00:49:15: Ich fange um neun Uhr abends an als wäre es neun uhr morgens.
00:49:18: der Rest folgt der Verschiebung und höre um fünf Uhr also siebzehn auf.
00:49:24: Hast du gedacht?
00:49:26: Mein Organismus ist genauso orientierungslos wie ich in dieser neuen Fabrik.
00:49:30: Klar, ich bin erst seit zwei Tagen hier.
00:49:33: Der Automatismus ist noch nicht da aber in der Nacht verdammt da!
00:49:40: Dann gibt es die weitere Stelle.
00:49:42: Nächste Woche habe ich ein Date bei der Krankengymnastik.
00:49:46: so langsam beginnt mehr als Ein Monat.
00:49:50: Schlachtkörper schieben meinen Körper zu verwüsten, den ganzen Körper.
00:49:54: Die Muskeln, Gelenke, Lendenhalswirbel und anderen Körperteile deren Namen ich nicht
00:50:00: kenne.".
00:50:01: Der Körper ist das Grab der Seele", sagt ein alter griechischer Spruch.
00:50:05: Und mir wird klar auch die Seele ist das Grab des Körpers.
00:50:09: Meine Albträume sind ein Abbild dessen was mein Körper erlebt.
00:50:13: Ja und zum Schluss möchte ich noch die Partseil lesen.
00:50:16: Die Fabrik wirft meinen Körper um, meine Überzeugungen.
00:50:20: Alles was ich von Arbeit und Erholung zu wissen glaubte... ...von Erschöpfung, von Glück, von
00:50:25: Menschlichkeit.".
00:50:28: Also diese körperliche Erfahrung verwandelt sozusagen sein Weltverhältnis.
00:50:34: Welche Rolle spielt der Körper im Romanisgen?
00:50:41: Pontus beschreibt immer wieder wie durch die Arbeit ... der Körper praktisch, also wirklich im praktischen Sinne zerstört wird.
00:50:50: Die bekannte Monotonie... die Schlafstörung, die du angesprochen hast,... aber auch die geistige Verkümmerung.
00:50:56: Also eben das negative Wirken dieser Monotonien auf die Kreativität, auf das Schöne im Geiste der dort arbeitenden Menschen.
00:51:07: Pontus, um da nochmal kurz darauf einzugehen und dann gehe ich mit dem Körper weiter.
00:51:15: beschreibt das kreative Geistige als ein Versuch zum ertragen der mechanischen, anonymen isolierten Arbeit.
00:51:26: Sieht aber auch eine gewisse Unmöglichkeit oder eine vermeintliche Paradoxunmöglichheit ... des Erlebens dieses Schönen in der Fabrik.
00:51:38: Also er versucht ist, quasi dort zu machen oder er beweist mit seinen Gedanken das es dort ist.
00:51:43: aber in dem Moment... ...dort ist es ja für die meisten eigentlich nicht so und das liegt halt auch daran dass diese Leute... ...das die Stammbelätschaften, dass alle Arbeiter an dieser Fabrik ja körperlich verkümmert sind und geistig verkümmert sind, also körperlig gestehlt.
00:51:58: Aber in dem Sinne verkümet das es halt immer die monotone selbe mechanische Handlung ist, die sie machen.
00:52:03: Und dass wirkt sich dann auch auf den Geist über.
00:52:05: man denkt gar nicht mehr an das Privatleben nach der Arbeit oder man denkt garnicht mehr an Den ersten Gedanken, den man morgens vielleicht hatte oder die Wünsche, wie man hat das Ausleben mit den Liebsten zusammen.
00:52:17: Er spricht in dem Buch auch von kaputten Gesichtern, verhärtete Züge, verlorene Blicke.
00:52:24: Er bringt doch immer wieder Analogien mit den Krieg ein.
00:52:29: also du hast eben vorher schon mal gesagt dass es halt auch Arbeitersoldaten sind.
00:52:35: das ist ja auch der Soldat hat einen körperlichen Beruf und sein Körper ist massiv strepaziert.
00:52:44: Das selbige sieht dann auch Pontus in der Fabrik auftauchen.
00:52:48: Er spricht auch vor dem Gestank, der die Menschen dort, die Körper dort übermand.
00:52:54: Dazu eine Stelle den Geruch der ersten Tage.
00:52:59: Den Wellhorn-Schnickengeruch.
00:53:02: Eine Mischung aus toter Ratte Wattpisse und schlechtem Wein.
00:53:07: Muffig!
00:53:07: Modrig!
00:53:08: Rieche ich nicht mal mehr... An anderer Stelle nach der Arbeit schweigen.
00:53:15: Ich bleibe regungslos mit hängendem Kopf, baumelnden Arm und eingeknickten Knie.
00:53:21: Diese Stelle mit den Knien und dem Arm ist nicht so wichtig aber es auch eine Referenz auf Warten auf Goudou.
00:53:28: und hier zeigt sich wieder diese Verweise mit Kriegen auch auf historisch aber auch intellektuelle... Bereiche die Pontus da anbringt, aber für diesen Punkt ist es halt auch der Körper.
00:53:39: Der regungslose Körper, der hängende Körper... ...der müde Körper, nach der Fabrik eigentlich gar nicht mehr im Stande ist irgendwas anderes zu machen weil er nur noch zur Arbeiten weiß.
00:53:56: Der Körper wird dann auch von Pontus oft in nicht ganz den Kontrast, aber auf jeden Fall als beeinflusst von der Fabrik gezeichnet, wie ich eben alles beigebeschrieben habe.
00:54:09: Er spricht auch von einer Fabrik als etwas lebendigem was das Lebendige der Arbeiter absorbiert.
00:54:16: Der Körper ist also wie vorher auch gesagt ein Geist los er geht noch einen Mechanismus nach.
00:54:26: Es spricht auch davon dass die Arbeitserfahrung nicht abschüttelbar Es begleitet den Arbeiter nach Haus, psychisch und geistig.
00:54:34: Also Zitat Pontus Ich spreche dann anderer Stelle davon wenn er eigentlich über die Produktion ich glaube von dem von den von irgendwelchen Meeresfrüchten sprich wir garen was es bei mir auslös ist.
00:54:49: sie garen diese Produkt also diese Tiere dieser tote Tierkörper.
00:54:53: aber sie gahren auch selbst.
00:54:55: Diese kapitalistische Produktionsweise diese Fließbandarbeit Monotonearbeit geht also auf den Körper zurück.
00:55:06: Im identischen Sinne ist dann der Körper quasi Teil der Fabrik und nichts anderes mehr, das begleitet die Arbeiter nach Hause.
00:55:16: Sie sind keine Privatpersonen mehr, sie sind du noch selbst auch wahre
00:55:21: Arbeitskraft.".
00:55:23: Ich habe in den Besprechungen immer wieder gelesen eher mit solchen Beschreibungen des Körpers auch die Anerkennung von körperlicher Arbeit fordert.
00:55:37: Ich finde das nicht zutreffend, ich finde dass es viel zu repräsentationstheoretisch interpretiert und auch falsch denn meiner Ansicht nach sind diese Beschreibungsstellen rund um den arbeitenden Körper herum quasi der Ruf nach Anerkennung, sondern eher der Aufruf für Umwälzung.
00:56:01: Also dass das nicht mehr geschehen soll.
00:56:04: Womit wir wieder bei den Fallstricken und Sackgassen repräsentationstheoretischer Interpretationen sind meiner Ansicht nach?
00:56:14: Es ist ja aber auch so, der Text bleibt nicht nur in der Lebenswelt der Arbeiter.
00:56:19: Auch Kapitalisten treten hier und da auf.
00:56:22: Wie verhandelt Pontus diesen Klassen-Antagonismus zwischen Lohnarbeit und Kapital im Text?
00:56:29: Bevor ich das beantworte, würde ich gerne noch kurz wieder zu den Körpern zurückgehen.
00:56:34: Du das ja als Aufruf verstanden hast, diesen Zustand zu beenden.
00:56:40: Ich bin mir da nicht ganz sicher... also ich kann da nicht mitgehen weil diese Körperbeschreibung ist ja ganz klassisch für... ich fasse es mal zusammen als linke Literatur die halt von der Fabrik berichtet oder von der Arbeit und du kennst es auch selbst von deinen Veröffentlichungen.
00:57:03: Ich frage mich halt immer, wer liest das?
00:57:07: Ein Text hat ja den Wunsch gelesen zu werden.
00:57:12: Ich bin mir bei Pontus nicht sicher ob er den Wünscht wirklich hat gelesen in dem Sinne dass es ein Aufruf ist und er sich danach eine Veränderung wünscht oder zumindest einfach nur es in der Öffentlichkeit debattiert haben möchte... ...oder nicht doch ob es einfach ein Ergebnis seines Wunsches nach Artikulation ist, also nach dem herausgeben dieser Gedanken in die Wirklichkeit als Text.
00:57:43: Also aus der physischen Wahrnehmung zur geistigen Verarbeitung im Textform und damit hat sich das auch vielleicht fühlen.
00:57:50: Sicherlich macht er das mit einer politischen Intention aber aufgrund dieser Häufigkeit von dieser Art Körperbeschreibung in dieser Form linker Literatur.
00:58:06: Ich will nicht sagen, dass es redundant ist, dass das quasi vielleicht zu oft benutzt wurde inflationär die Wirkung verloren hat aber ich habe die Sorge, dass so sein könnte.
00:58:18: also mich hat dieses Werk wie sagt man abgeholt und es wird auch sicherlich viele andere Leute abholen können.
00:58:25: Es wird sicherlich Leute in anderen Klassen oder in anderen sozialen Klassen, bürgerlichen Gruppen als moralischer Aufschrei erscheinen weil sie's nicht kennen und das ist dann eine Erweiterung ihrer Perspektive ihres Horizons.
00:58:40: aber für Leute die selbst davon betroffen sind oder Leute aus Familien kommen wo sie Leute kennen also Eltern
00:58:46: etc.,
00:58:47: die halt aus dieser Welt kommen Die wissen das ja.
00:58:50: Und die fühlen sich dann vielleicht wertgeschätzt, wenn sie das lesen weil sie merken ist ich bin nicht alleine es sind da noch mehr Leute draußen.
00:58:58: und Es ist vielleicht eher ein in dem Sinne wenn's den Aufruf als aufrufe verstanden wird einen aufruf an diese leute Sich zusammen zu tun dass gemeinsame zu sehen Kein Aufruf vielleicht an die bürgerliche Sphäre oder auch nicht an die Politik, in dem Sinne das zu beenden.
00:59:17: Weil ich glaube Pontus macht sich da keine Illusion.
00:59:21: In dem Sinne würde ich dieses Werk vor allem als Gedankeneckos dieses einen Arbeiters verstehen und allein die Niederschrift ist glaube ich Pontus genug zu tun.
00:59:39: Vielleicht muss ich an der Stelle kurz einhaken.
00:59:42: Wenn ich von Aufruf gesprochen habe, meine ich das ganz und gar nicht in Richtung bürgerliche Klasse oder Politik und Regierung.
00:59:48: Im Gegenteil, ich habe das ganz ausdrücklich verstanden als ein Aufrufe... an die eigene Klasse aus der eigenen Klasse.
00:59:58: Also ich sehe hier keinerlei Appell, deswegen finde ich auch kein Moralist oder so.
01:00:02: Es ist kein Appell an die Mächtigen, hey beendet diese Zustände es ist im Gegenteil.
01:00:08: wenn diese Zuständer ein Ende finden sollen dann können nur wir es tun.
01:00:12: und dieser Art des dieser großen Geste in am laufenden Band ist meiner Ansicht nach eben nicht mit repräsentationstheoretischen Modellen einzuholen, die ja dann doch eher gerade der Appell an die Mächtigen und an die Herrschenden sind.
01:00:30: Hey hier sind wir erkennt uns an schätzt unsere Arbeit denn ohne uns seid ihr nichts.
01:00:37: also das ist finde ich so der der der Unterschied und macht es von Anfang an klar wie hatten sie schon gesagt Naja, ich widme dieses Buch den Proletariern aller Länder und so weiter.
01:00:49: An unterschiedlichen Stellen spricht er von Revolutionen und dass das eher selbst auch so nicht mehr weitermachen kann weil die Arbeit ihn echt kaputt macht.
01:00:57: aber er muss halt.
01:01:00: Genau!
01:01:01: Aber da sind wir ja gerade bei diesem Klassenantogonismus Esgen Wie würdest du denn einordnen wie?
01:01:08: Pontus ist quasi verhandelt in dem Text?
01:01:15: Also mich hat es amüsiert, wie das immer wieder im Text vorkommt.
01:01:18: Es ist irgendwie immer sehr... ...es kommt aus dem Nichts dann ist es da und dann ist sie wieder weg.
01:01:24: also der Chef ist quasi der Vertreter des Kapitals der dort immer wieder auftaucht aber immer nur auch ganz kurz.
01:01:32: Und wenn er auftaucht dann beschreibt Pontus das quasi mit seinen Worten als Selbstverständlichkeit.
01:01:40: In einer Stelle sagt er beispielsweise, natürlich erlaubt der Chef nicht wenn du in der Stunde vor oder nach der Pause auf Klo willst.
01:01:48: Musste halt warten hätte es halt vorher dran denken müssen.
01:01:51: also Er meint das natürlich nicht so wie er es da sagte.
01:01:55: aber Es ist halt die Selbstverständlichkeit und die Logik des Chefs die er dort wieder gibt.
01:01:59: Und so tritt halt der Chef immer wieder auf.
01:02:02: als Funktionaler Idiot würde ich sogar sagen Die die Autorität, die ein Chef hat und die Selbstverständlichkeit dieser Autoritäten.
01:02:13: Es ist für Pontus eindeutig eine Konstruktion, die er auch nicht akzeptiert aber die er dort wahrnimmt und auch so wiedergibt.
01:02:21: Und die Belustigung, die sich bei mir entwickelt kommt halt daraus.
01:02:25: also ich finde es halt so absurd und gerade sprich das mich auch an den Chefs so darzustellen.
01:02:31: Also jetzt ist die Sache so... Der Chef ist jetzt nicht ein Idiot in dem Sinne, das ist ein dummer Chef und es gibt auch bessere Chefs und nettere und schlauere Chef.
01:02:43: Und dieser Chef ist zum Auslachen weil er halt so blöd daherkommt.
01:02:47: Also dass Chef sein selbst ist halt... ...blöd!
01:02:51: In dem Sinne.
01:02:52: Es ist halt funktionalistisch.
01:02:54: Er hat eine Aufgabe in einer bestimmten kapitalistischen Logik nach.
01:02:59: Und nichts anderes.
01:03:00: So stellt dann auch Pontus das immer so so da in seiner Sprache.
01:03:06: Der Chef tritt auch als Patriarche auf, Pontus beschreibt das Zehen wie der Chef aus dem Nichts.
01:03:14: also während er gerade am Fließband ist und arbeitet kommt auf einmal der Chef und klopft ihm auf die Schulter.
01:03:19: und das war dann auch mit der Szene des Chefes.
01:03:23: Der chef kommt in der Fabrik nicht vor!
01:03:25: Also in der Produktion hat der Chef keine Position.
01:03:32: für mich und ich hoffe auch für andere Leser, dass das ist halt diese klare Darstellung der kapitalistischen Produktionsweise.
01:03:40: Immer wenn wir sagen Kapitalistische Produktions Weise was heißt das denn?
01:03:43: Also in einem Aspekt heißt es auf jeden Fall was hier durchkommt Das ist der Arbeiter ist er produziert.
01:03:49: Dass sich vielleicht ein Teil streiten an anderer Stelle, dass arbeitest der Mehrwert quasi schafft oder sein Zutun mehr Wertschaft Und nicht der Chef.
01:04:03: Der Chef steht über allem und der Chef delegiert vielleicht, aber... ...der Chef arbeitet nicht.
01:04:12: Das ist halt das was mich so sehr angesprochen hat mit den Passagen des Chefs.
01:04:15: Er wird da nicht als kalter, bösartiger Kapitalist mit Monokel- und Zylinder beschrieben, sondern es ist einfach so ein Typ,... ...der ist auf einmal manchmal da, klopft ihr auf die Schulter oder schnauzt dich an oder macht irgendein merkwürdigen Kommentar.
01:04:31: Und dann ist er auch wieder weg.
01:04:33: Also diese Leute arbeiten ja auch nicht für den Chef, sondern sie arbeiten wie auch Ponto das immer wieder beschrieben hat und auch in einem Zitat vorher von dir aufkam.
01:04:40: Sie arbeiten halt um die Kohle.
01:04:46: Entsprechend ist der Chef da halt ein bisschen grau gezeichnet.
01:04:51: Und manchmal stellvertretend mit den Rothelmen, die immer wieder auftauchen oder Anweisungen geben.
01:04:59: Zum Schluss komme ich immer... zum Stil und zur Ästhetik des jeweiligen Stoffs, des Werks.
01:05:06: Und lass uns auch hier zu Sprache und zum Stiel kommen!
01:05:10: Es gibt eine Stelle wo Pontus quasi seinen eigenen Anspruch, sein ästhetischen Anspruch formuliert.
01:05:17: Da heißt es versuchen zu erzählen was erzählt zu werden sich nicht lohnt.
01:05:24: die Arbeit als die nackte Wahrheit Als Wiederholung von einfachen Bewegungen Einfachen Worten.
01:05:32: Wie hast du den Fers-Romance stilistisch und überhaupt auch die Sprache wahrgenommen, Iskin?
01:05:39: Also was ich wahrgenommen von der Sprache ist kommt viel... Ich nenne es mal Staccato vor also sehr schlagartige Begriffe isolierte Wörter in einer Zeile für sich also Aufzählungen, Staccatos Wiederholungen Und dann Zeilensprünge.
01:05:56: Ich glaube im französischen nennt man das Anjampement.
01:06:01: Es ist also eine, ich würde es mal beschreiben.
01:06:03: Es ist ne gnadenlos ausfobolierte Sprache.
01:06:08: Also sie ist sehr direkt und auch sehr einfach gehalten.
01:06:11: Es spricht halt gerade genau Arbeiterinnen an.
01:06:17: Sie verstehen dieses Werk in seiner Sprache auf jeden Fall.
01:06:21: Das ist nicht hochgestochen oder erhaben in dem Sinne sondern für jedermann soll das verständlich sein.
01:06:31: Das macht aber, ich glaube das macht Pontus nicht einfach nur um verstanden zu werden von möglichst breiten Publikum sondern es ist auch die Sprache der Fabrik.
01:06:40: Die er dort wieder gibt ohne Charme und auch ohne diese auf ein Podest zu heben.
01:06:49: Es ist einfach Sprache wie sie ist.
01:06:52: Besonders fand ich dass dieses Stakato, diese Wiederholungen, dieses Isolierte für mich auch sehr parallel geht mit der Fließbandarbeit.
01:07:05: Also dieses Monotone, dieses einfache, ich nenn's mal Zeneratlogik, dieses Ineinandergreifen in der kapitalistischen Produktion also alles hat einen Namen.
01:07:15: Ich habe es ja vorher gesagt Funktional, functionalistisch hab' ich es ja beschrieben.
01:07:18: Ich bin jetzt keine Literaturwissenschafter deswegen keine Ahnung ob die Bezeichnung korrekt ist aber ich hoffe das Verständnis kommt kommt da hinten raus.
01:07:26: Also dieses, dass das alles einen eigenen Namen hat im Sinne der kapitalistischen Produktionsweise.
01:07:31: also jedes Teil des Körpers hat ein Name von den Tieren aber nicht aufgrund der Natur dieses Tieres oder des Körper sondern in welcher Weise dies als Ware wo eingesetzt wird und etc.
01:07:44: Alles ist Ware Arbeitskraft die Produkte Sprache ist auch quasi eine Art Ware mit der halt Pontus auch umzugehen weiß, sie einzusetzen weiß.
01:08:01: Es kommen immer wieder Passagen vor dass es dann mehr Inhalt als Stil.
01:08:06: aber ich finde das überschneidet sich da schon wo Pontus über Zeit schreibt aber auch selbst in dem Rhythmus des geschriebenen Mit der Zeit spielt also mit der wahrgenommen Zeit ist der Leser und Das wurde auch schon genannt die Referenzen, die er da einbringt.
01:08:26: Also diese intellektuellen oder literarischen Referencen wie Coudou oder in einer Stelle, ich spreche dir auch von Odysseus und... Ich glaube du hast ja auch schon Apollinaire genannt Das alles kommt auch vor aber eben nicht Nicht als Köder für ein bürgerliches Publikum, vielleicht fühlen sich manche bürgernische Leser dadurch etwas näher an dem Ganzen oder finden da einen Anschluss.
01:08:59: Aber es passt einfach auch zu dem was davor und dahinter stand in der Strophe von Pontus jeweils.
01:09:06: Er ist eine sehr spielerische Sprache finde ich.
01:09:09: Es ist ein sehr spielerisches Stil also diese Fersform wo jetzt nicht viel dazu sagen kann, weil ich nicht studierter Literaturwissenschaftler bin.
01:09:19: Aber diese Fairsform ist wirklich sehr beeindruckend!
01:09:22: Also als du mir anfangs gesagt hattest dieses Buch... das ist halt ein langes Gedicht quasi, hat es zweihundertzwanzig Seiten hatte ich erst mal Angst gehabt.
01:09:30: meine Güte wenn ich da anfange zu lesen verliere ich ja irgendwann den Überblick.
01:09:34: und wie soll das denn gehen?
01:09:36: Dass sich dann die ganze Zeit in einer Art Prosa eine Geschichte entwickeln kann vor allem, die das Fabrikleben beschreiben könnte.
01:09:48: Aber das kann es!
01:09:48: Pontus hat es da wirklich geschafft?
01:09:51: Schön, Özgün, dass Pontus dich auch überzeugen konnte.
01:09:55: Ich glaube an dieser Stelle bietet es sich an einige allgemeine Merkmale der Arbeiterliteratur anzuführen.
01:10:02: Denn am laufenden Band lässt sich meiner Ansicht nach am besten als zeitgenössische Arbeiterliteratur einordnen.
01:10:10: Die formalen Innovationen erinnern dabei unter anderem an Walter Bauers Buchstimme aus dem Leunerwerk, das in Vers und Prosa geschrieben ist ebenso wie an die Berliner Trilogie von Aras Ören dessen Erster Teil besonders bekannt ist mit dem Namen Was Vilniasi in der Nau-Ninhstraße aber auch zeitgenössischen Autor Denjel Götje Tel und seine märchenhaft lyrisch-prosarschen Roman, unser Deutschlandmärchen.
01:10:38: Und aber auch das ist einer meiner Highlights und Entdeckungen der letzten Monate an Erzählungen von den Konsumgütern der chinesischen Dichterin und ehemaligen Wanderarbeiterin Cheng Xiaoxing, die nach wie vor in China lebt und dort auch sehr anerkannt ist.
01:10:55: Das muss man dazu sagen wenn man chinesische Künstler anführt weil man sie ja gerne im Westen nur als Dissident haben möchte.
01:11:02: Sie alle jedenfalls einschließlich Pontus erschaffen Erzählformen indem sie die Literatur mit dem Leben von Lohnabhängigen und ihrem eigenen Leben als Lohn abhängige konfrontieren.
01:11:14: Insgesamt lässt sich also Pontus Fers Roman als Arbeiterliteratur in diesem Sinne verstehen Denn traditionelle Arbeiterliteratur beschäftigt sich mit der Lebens- und Arbeitswelt der arbeitenden Klasse.
01:11:27: Sie thematisiert soziale Ungleichheit, Arbeitsbedingungen, Herrschaftsverhältnisse und Ausbeutung.
01:11:32: Einige Merkmale dieser Literatur sind zum Beispiel der Fokus auf den Arbeitsalltag und die Lebensrealität der Menschen, die dort arbeiten.
01:11:42: Weiterhin auch die Kritik an Ausbeuterung, sozialer Ungleichkeit und Machtstrukturen.
01:11:49: Ein weiteres Merkmal, das haben wir heute sehr ausführlich besprochen, ist die Darstellung körperlicher Belastung und oft monotoner Arbeit.
01:11:59: Auch die Betonungen von Solidarität unter Beschäftigten kommt oft zu Wort.
01:12:04: Nicht selten sind diese Werke auch autobiografisch oder an realen Erfahrungen orientiert und haben das Ziel gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen und im besten Fall zu überwinden.
01:12:16: Der Bezug zu Pontus am laufenden Wand liegt ja auf der Hand.
01:12:20: Denn auch hier ist der Erzähler als Zeitarbeiter jemand, der in den Fischfabriken und Schlachthöfen arbeitet.
01:12:28: Auch hier stehen die Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt.
01:12:31: Auch hier kritisiert der Autor die Lohnarbeit und die Entmenschlichung durch Kapitalismus Und auch dieses Buch beruht auf den eigenen Erfahrungen des Autors.
01:12:43: Also man muss sagen, ja Pontus steht in dieser Tradition.
01:12:48: Aber jetzt kommt was besonders Innovatives rein, was bei allen Arbeiter-Literaturen immer wieder reinkommt, nämlich neue Erzählformen zu kreieren.
01:12:57: In dem Fall ein Fersroman.
01:12:59: Ein Fersroman erzählt eine Allgemein gesagt, zusammenhängende Geschichte und verwendet dafür die Form von fersen statt klassischer Prosa.
01:13:08: Typische Merkmale von Fersroman sind kurze Zeilen statt lange Absätze.
01:13:14: Freie Ferse meist ohne festes Reimschema oder Metrum.
01:13:18: Rhythmische poetische Sprache Wiederholung und sprachliche Bilder kommen auch oft zum Einsatz.
01:13:24: aber auch die Mischung aus Erzählung und Lyrik tatsächlich den eigenen eigentlichen Sound ausmacht ist ja der Rhythmus und die Zeilenumbrüche.
01:13:34: Und auch hier muss man sagen, der Bezug zu Pontus ist glasklar.
01:13:39: Sein Buch ist fast vollständig in freien Fersen geschrieben.
01:13:42: er verzichtet weitgehend auf Satzzeichen außer bei Zitaten.
01:13:47: Der Rhythmus erinnert an diese ständig wiederholenden Bewegungen am Fließband.
01:13:52: also die poetische Sprache steht im Kontrast zur harten Fabrikarbeit.
01:13:57: Als Fazit kann man da ziehen, dass sein Buch am laufenden Band gerade diese Verbindung bei der Form in außergewöhnlicher Weise ausmacht.
01:14:08: Also inhaltlich gehört sein Werk zur Arbeiterliteratur auch zu traditionellen.
01:14:14: Formal gehört seinen Buch eher zum Fersromanen weil er die Geschichte ja in freien Fersen erzählt.
01:14:20: Dadurch verbindet Pontus eine gesellschaftskritische Perspektive Mit einer sehr poetischen Ausdrucksweise, Özgün du hast das ja schon mehrmals angeführt die Form spiegelt sozusagen den Inhalt wieder.
01:14:33: Der Rhythmus der Ferse gibt den Takt der Fließbandarbeit wider während die poetische Sprache dem Erzähler hilft seine Erfahrungen zu verarbeiten und seiner Arbeit würde und auch Ausdruck zu verleihen.
01:14:48: Özgünd da wären wir quasi bei meiner letzten Frage.
01:14:53: Der Text macht ihr auch zahlreiche Verweise auf Schriftsteller, Philosophen und literarische Werke.
01:14:58: Schließlich hat Pontus hier selbst Literaturwissenschaften studiert und dieses Wissen trägt er in dieser harte körperliche Arbeit mit sich.
01:15:09: Ich finde ja dass dadurch Pontus die Literatur mit Orten konfrontiert wo sie nicht vorgesehen ist.
01:15:17: Ein großartiges Beispiel für zeitgenössische Arbeiterliteratur und ihre erzählerische Überlegenheit, wenn man unter Kriterien des Realismus diese Dinge betrachtet.
01:15:28: Das macht den Text ja nicht nur realistisch, sondern diese Konfrontation schafft einen literarischen Sound aus der Arbeiterklasse und ihrer Lage.
01:15:37: Özgün wie siehst du das?
01:15:39: Ist das der Weg für eine klassenbewusste Kunst von unten?
01:15:44: Pontus am laufenden Band Aufzeichnungen aus der Fabrik begeistert.
01:15:50: Mich hat es erreicht, mich hat es wirklich weitergebracht.
01:15:55: auch in meinen Empfinden und meinen Gedanken zum Thema der Arbeit im Kapitalismus In dieser Form und in mir Inhalt ist es beeindruckend.
01:16:08: Es ist nicht einzigartig.
01:16:13: ähnliche Werke, es gibt ähnlicher Autor die schon aufgetreten sind.
01:16:18: Aber das macht es ja nicht schlechter.
01:16:22: nur weil etwas schon bekannt ist oder vor allem auch in der Kunst nur weil was vielleicht schon mal in irgendeiner Form ähnlich existiert hat.
01:16:33: Hat es keine Existenzberechtigung mehr.
01:16:35: Kunst entsteht immer wieder von neu mit dem was schon bekannt Und muss nicht unbedingt in dem Sinne einzigartig und neu sein, ob das überhaupt möglich ist.
01:16:47: Es ist auch eine Frage da, der man sich geben kann.
01:16:52: Das wäre aber dann ein anderer Podcast oder ein anderes Podcast-Thema.
01:16:57: Also ich bin beeindruckt von Josef Bondos am laufenden Band.
01:17:00: Ich kann es wirklich nur empfehlen Nicht nur für interessierte Linke Sonstige sondern... ...das ist Literatur die für alle existiert, Literatur die sich selbst existiert und allein weil sie da ist.
01:17:17: Es ist etwas Schönes.
01:17:20: Also Pontus hat leider auch wenn er früh gestorben ist etwas hinterlassen in der Welt was ihn schon zu einem gewissen Maße unsterblich macht.
01:17:35: das würde ich schon so sagen.
01:17:37: Özgün vielen Dank für deine Zeit und deine Gedanken
01:17:40: sehr gerne.
01:17:46: Hi Leute!
01:17:47: Dieses Projekt lebt von Eurer Unterstützung und Eurer Solidarität.
01:17:51: Wenn euch die Folge gefallen hat, like diesen Beitrag, kommentiert ihn, teilt ihn und folgt diesem Podcast auf den euch bekannten sozialen Medien.
01:18:01: Wenn ihr etwas Geld übrig habt dann spendet für dieses Projekt Infos.
01:18:05: wie ihr das tun könnt findet ihr im Beschreibungstext denn dieses Projekt wird ausschließlich mit eigenen Mitteln beschritten.
01:18:12: wir hören voneinander wenn es wieder heißt Klasse Literatur, der Podcast mit Klassenperspektive.
Neuer Kommentar