Ep. 15 „Die Aula“ von Hermann Kant
Shownotes
Was können wir von der DDR-Literatur lernen? „Die Aula" von Hermann Kant erschien 1965 und gehört zu den bekanntesten Werken der DDR-Literatur. Im Mittelpunkt steht Robert Iswall, der sich bei der Vorbereitung einer Abschiedsrede an seine Studienzeit an einer Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF) erinnert. Ein zentrales Thema ist, wie Menschen aus der Arbeiterklasse ihren Platz im Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft suchen und dabei das Bildungsmonopol der bürgerlichen Klasse umwälzen. Der autobiografische Hintergrund von Kant ist unverkennbar. Der Roman wurde zahlreich gelesen und in 15 Sprachen übersetzt.
In dieser Folge spreche ich mit dem Literaturkritiker Dean Wetzel über den Bildungsbegriff in der DDR und seine Bedeutung in der sozialistischen Literatur. Welche Rolle hat Bildung für Arbeiterkinder unter postkapitalistischen Lebensbedingungen? Was bedeutet Aufstieg durch Bildung im sozialistischen Kontext? Was sind die typischen Merkmale der DDR-Literatur der 1960er Jahre? Und warum liegt in der Ironie die große Stärke von Kants Sprache?
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00:00:04: Hallo und herzlich willkommen bei Klasse Literatur, dem Literatur-Podcast mit Klassenperspektive.
00:00:18: Mein Name ist Mesut Bayraktar und in dieser Folge geht es um Die Aula von Hermann Kant – ein Roman aus der deutschen demokratischen Republik mit zahlreichen Neuauflagen und internationalem Erfolg.
00:00:30: Zu Gast habe ich Dean Wetzel.
00:00:32: Hi Dean!
00:00:35: Dean, ich möchte dich erst mal unseren Zuhörerinnen und Zuhöhrern vorstellen.
00:00:40: Dean
00:00:41: hat Theaterwissenschaften und Philosophie in Mainz und Berlin studiert.
00:00:45: Zuzeit bereitet er ein interdisziplinäres Promotionsprojekt zum Weltbegriff des Theaters vor – höchst spannend!
00:00:52: Nebenher schreibt er für verschiedene Medien also Tageszeitungen und Magazinen und wissenschaftliche Publikation über Literatur, Theater.
00:01:03: Dien, bevor ich mit meinen Fragen starte mache das so dass ich das Buch erstmal vorstelle und kurz zum Thema einleite.
00:01:12: Und das ist natürlich bei diesem höchst komplexen Roman der jetzt in den nächsten stunden uns beschäftigt glaube ich ganz gut sind.
00:01:22: wir beraten Da uns erst mal kurz zu orientieren, also die Aula von Hermann Kant erschien in den ersten Jahren und gehört zur DDR-Literatur.
00:01:33: Im Mittelpunkt steht die Figur Robert Iswall – auf denen kommen wir noch zu sprechen – der sich bei der Vorbereitung einer Abschiedsrede an seine Studienzeit an eine Arbeiter- und Bauernfakultät erinnert.
00:01:46: Dabei geht es um verschiedene Dinge, um Freundschaft, Liebe, Eifersucht und Schuld.
00:01:51: Aber auch um Bildung, soziale Aufstieg und auch politische Kontrolle.
00:01:56: Ein zentrales Thema ist das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft – auch das werden wir heute noch thematisieren!
00:02:05: Der Roman zeigt mit Augenmaß, Geduld und Ironie wie Menschen aus der Arbeiterklasse ihren Platz im Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft suchen dabei aber auch mit Widersprüchen und persönlichen Konflikten umgehen müssen.
00:02:19: Wie bereits erwähnt wurde der Roman zahlreich gelesen sowohl in der DDR als auch darüber hinaus.
00:02:26: er wurde in fünfzehn Sprachen übersetzt Bis zuletzt bekannteste Werk des Schriftstellers und Kommunisten Hermann Kant, der in Harmburg geboren wurde und im Mecklenburgischen Neustrelitz im Alter von neunzig Jahren verstarb.
00:02:44: Also ganz schön alt geworden, der Kant!
00:02:48: DIN.
00:02:49: Zunächst erstmal zur Einordnung die Eckpunkte, die irgendwie zeithistorisch und politisch in dieses Buch auch auf der Ebene von Motiven Inspiration eingeflossen sind.
00:03:04: Kannst du erst einmal inhaltlich zusammenfassen, worum es in die Aula eigentlich geht?
00:03:10: Das ist aufgrund der so simtlen wie aber auch grandiosen Prämisse, die du gerade schon angesprochen hast ziemlich schnell getan.
00:03:16: doch gar nicht so einfach denn direkt auf der ersten Seite des Romans erhält der Journalist Robert Iswal unser Protagonist und auch irgendwie nicht so ganz Protagonists weil er selbst zum Erzähler wird ein Telegramm indem ihnen einen Auftrag mitgeteilt wird, eine Festredezuschließung der Arbeiter- und Bauernfakultäten zu halten.
00:03:36: Und auf den nächsten vierhundertfünfzig Seiten begleiten wir eigentlich ihn auf diesem Auftrag wie er demnach geht, wie er an dieser Rede arbeitet und fallt und sich in Gedanken an die Vergangenheit verliert.
00:03:49: Auf diesem Weg begleitet ihn ständig ein zentraler Gedanke, der auch schon auf den ersten Seiten von ihm geäußert wird Eine Frage, die ihn beschäftigt.
00:03:59: Ich zitiere mal kurz es lief immer auf das Wie hinaus wie sollte man von der Vergangenheit sprechen vor Leuten für diese Vorvergangenheit war?
00:04:08: Das bezieht sich natürlich auch auf das Publikum zu dem er da sprechen wird viele Studierende die gerade fertig geworden sind für die vielleicht die Gründungszeit der DDR schon vor Vergangen hat.
00:04:19: gewonnen ist da sie schon mitten in ihr leben.
00:04:21: aber es bezieht sich natürlich Die DDR-Geschichte, vor allen Dingen der Übergang von der sozialistischen Besatzungszone zur DDR und die Gründung der ABF.
00:04:34: Das ist für uns alles längst vor Vergangenheit und doch sehr interessant.
00:04:37: Und es ist immer die Frage wie erzählt man so etwas?
00:04:40: um das handhabbar zu machen?
00:04:43: Um vielleicht ein paar Handlungsstränge anzutippen geht's unter anderem um die Freundschaft zu Gerd Trollesand, seinem Kommiliton und besten Freund den er dort kennenlernt.
00:04:55: Und es geht aber auch um eine Liebesgeschichte.
00:04:59: Robert's Liebe zu Vera... ...und es geht um einen Verrat, nämlich den Verrat von Robert an Gerd, sein besten Freund.
00:05:07: Den kannt selbst im Buch denn die Wiederholung eines Urstücks im Menschentheater nennt.
00:05:12: Denn Robert wird Gerd verraten, wir werden später darauf zu sprechen kommen.
00:05:19: Darüber denkt das Gerd sich in seine Liebe zu Vera einmöcht, dass eine ziemlich zentrale Handlungsstrange immer wieder aufgegriffen wird.
00:05:29: und vielleicht sollte man auch noch was zu den Zweizeitebenen sagen.
00:05:33: dieser Roman ist auf zwei Zeitebenen erzählt.
00:05:38: Das ist einmal eine Gegenwartzeit, in der Robert dieses Telegramm bekommt und dann das nächste Jahr an halbe Jahr an dieser Rede bis zur Schließung der ABF fallen wird.
00:05:49: Da in dieser Zeit wird er unter anderem nach Hamburg fahren, da er eine Repartage über die Sturmflut von twohnzehntzehnsechzig schreiben soll.
00:05:58: Die dort für Kars sorgte.
00:05:59: und dann gibt es aber auch die zweite Zeit eben nämlich die Zeit seiner Erinnerungen indem er auf nicht ganz chronologische Weise... ...die Zeit an der ABF Revue passieren lässt.
00:06:10: Es werden verschiedene Figuren auftreten, die für ihren prägend waren Und er wird aber auch auf Figuren wiederum in der Gegenwart treffen aus seiner Vergangenheit, wie zum Beispiel seinen Kommiliton Karl Heinz quasi Rick.
00:06:23: Er wurde quasi genannt weil er dieses Wort gerne verwendet hat.
00:06:27: auf den werden wir auch noch zu sprechen kommen.
00:06:30: Und es ist für ihn eine große Frage unter anderem dieser Verrat an seinem Freund Gerd, wie ist das überhaupt dazu gekommen?
00:06:36: Aber auch dieser Quasirik.
00:06:38: Warum ist der nach dem Abschluss an der ABF aus der DDR geflohen?
00:06:43: Er war ein großer Agitator eigentlich der ideale DDR-Bürger und hatte eine große Karrierevorsicht gehabt und trotzdem ist er auf einmal davon gewesen.
00:06:54: Das sind vielleicht
00:06:54: so
00:06:55: ein paar wichtige Handlungsstränge um diese mal anzutippen.
00:06:59: Damit hast du ja direkt die Widersprüche auf der Handlungsebene markiert.
00:07:04: Und in der Tat, das muss man hervorheben diese zwei Zeitebenen Die machen diese Erzählstruktur derart spannend aber auch manchmal undurchsichtig dass ich zum beim Lesen manchmal auch die Orientierung verloren haben und wieder zwei Seiten zurückgehen musste, um mich zu vergewissern.
00:07:23: wo befinde ich mich.
00:07:24: Und tatsächlich handelt es sich auch um moderngesprochene Coming-of-Age Geschichte also es handelt sich um Jugendliche, die erwachsen werden.
00:07:32: nur das Herrmann Kant dass aus Retros Perspektiv von der Perspektive des Erwachsenen Robert erzählt Und auch der Hinweis, dass die Erinnerungen nicht chronologisch ablaufen.
00:07:45: Nun ja das kann man durchaus auch bei sich selbst prüfen.
00:07:47: wir neigen ständig immer dazu in unserer Erinnerung eine lineare Zeitlichkeit einzubinden.
00:07:55: aber wenn wir uns, wenn wir das erinnern einfach mal passieren lassen fällt uns schnell auf wie sehr die Zeit sich auflöst und auf der Erinnerungs-Ebene so was wie Zeitlichkeit wie wir es aus dem Alter kennen gar nicht erst existiert.
00:08:08: Diese Punkte werden wir später noch aufgreifen, die den Roman erschienen.
00:08:13: Wie du ja auch schon darauf hingewiesen hast, ist es in der DDR-Stadt.
00:08:17: Die Handlung spielt vor dem Hintergrund der Arbeiter und Bauernfakultät kurz ABF.
00:08:25: Für manche Zuhörerinnen oder älteren Jahrgangs mag das was Selbstverständliches sein!
00:08:30: Aber auch ich musste erstmal nachschlagen, was hat das eigentlich auf sich mit der ABF?
00:08:35: Mit der Arbeiter- und Bauernfakultät.
00:08:37: Und dementsprechend möchte ich dir die Frage direkt weitergeben, Dean!
00:08:41: Was hat es damit aufsicht?
00:08:42: Kannst du uns kurz vorstellen und skizzieren, was sind die Arbeiter & Bauern Fakultäten?
00:08:48: Mir ging's da genauso wie dir.
00:08:50: Mir war überhaupt kein Begriff und ich musste dementsprechend auch erst mal ein bisschen nachlesen... Aber die Arbeiter- und Bauernfakultäten sind wirklich eine ziemlich interessante Bildungsinstitution.
00:09:00: Sie wurden in der sowjetischen Besatzungszone in der SPZ gegründet, also sogar noch vor Gründung der DDR, die am siebten Oktober dann aus der Sowjetischen besatzungszone hervorgegingen.
00:09:15: Und den ABFs gingen selbst noch spezielle Vorstudienanstalten voraus, die in nineteen-hundertsechsenvierzig gegründet wurden und später als Vorstudieabteilung den Universitäten angelagert wurden.
00:09:29: Die ging dann wie gesagt in den Arbeiter- und Bauernfakultäten auf.
00:09:34: Die Arbeiter- und Bauernfakultäten waren Bildungsinstitutionen, die es der jüngeren Generation von Arbeitern im Allgemeinen aber auch jungen Menschen in deren Familie keine akademische Tradition besaß ermöglichen sollte auf einem zweiten Bildungsweg das Abitur zu absolvieren um die Hochschulreife zu erreichen.
00:09:56: Und das sollte in drei Jahren geschehen – das war ein Jahr kürzer als gewöhnlich!
00:10:02: Ziel der ABS war die Herstellung von Chancengleichheit zunächst durch ein politisches Selektionskriterium, womit es sich um eine gegenprivilegierende Bildungsmaßnahme handelt.
00:10:15: Des Weiteren gab's natürlich aber auch machtpolitische Interessen unter der SED an diesen ABS denn es ging auch darum der bürgerlichen Elite eine klassenbewusste und staatstreue Elite entgegenzustellen.
00:10:28: Die Arbeiter- und Bauernfakultäten waren somit Eine bildungspolitische Maßnahme in Anbetracht der geschichtlichen Realität des Klassenkampfes.
00:10:38: Um das vielleicht mal auf einige Zahlen runterzubrechen... Der Anteil an Arbeiterkindern unter den Studierenden wuchs von vier Prozent, neunzehntenhundertfünfundvierzig, sechsendviertzig auf zweiundviertig Prozent neunzenhundertzweiundfünftig und auf über fünfzig Prozent neunsindhundert achtenfünfzig.
00:10:56: Wobei dabei auch angemerkt werden muss dass die umschichtende Zunahme an Arbeitern und Bauern nicht allein den ABFs zu verdanken ist, da auch andere Instrumente dafür einen Anschlag gebracht wurden.
00:11:08: Zum Beispiel veränderte Zulassungsrichtlinien für Oberschulen.
00:11:15: Nach Kantboten die Arbeiter- und Bauernfakultäten den von ihm im Roman sogenannten Weisenknaben sprich den kriegsgebeutelten Jugendlichen die Möglichkeit eines echten Aufstiegs, in denen ihnen unabhängig von familiärer Bildungstradition und unter widrigsten Bedingungen der Bildungsaufstieg ermöglicht wurde.
00:11:34: Wobei die gegenprivilegierende Förderpolitik auch an ihre Grenzen kamen was an Abrecherquoten vom bis zu ein Drittel der Studierenden zu sehen ist.
00:11:43: Mit der Schließung der Arbeiter- und Bauernfakultäten in den Jahr twohneinzehntzehnte, ich glaube einige oder eine wurde sogar noch weiter darüber hinausgeführt.
00:11:53: Aber ein Großteil dieser Bildungsinstitutionen wurden zweihneinsächsig geschlossen.
00:11:59: damit übernahm die Hochschulen wieder das Auswahlverfahren.
00:12:03: Das Auswahlverfahren wurde vor allem wieder an die schulische Leistung geknüpft, womit es eine erneute Abnahme an Kindern von Arbeitern und Bauern an den Universitäten gab.
00:12:14: Es ist ja heute Konsens, dass in der Bildungspolitik und den jüngsten Ergebnissen der PISA-Studie wie heute in einer Zeit leben wo vor allen Dingen die soziale Herkunft und die Klassenherkunft darüber entscheidet ob man studiert.
00:12:28: Und ob man in der hierarchischen Arbeitsteilung der kapitalistischen Klassengesellschaft weiter oben seine sein Geld verdient oder weiter unten dasselbe tut, was die Eltern getan haben.
00:12:40: Im besten Fall oder noch Schlimmeres wenn man an die neoliberale Prächarisierung der Lohnarbeit denkt und hier haben wir es tatsächlich mit einer Institution zu tun dienen, die du vorgestellt hast, die sogar auf dieser Klassenkampfebene in der Tat ja auch eine historische Bedeutung hat nämlich das Bildungsmonopol der bürgerlichen Klasse radikal infrage zu stellen Und gerade diesen Aspekt der Herkunft, der sozialen Herkünft zu bekämpfen.
00:13:14: Der Klassengesellschaften ausmacht.
00:13:16: Dem liegt ja auch ein spezifischer Bildungsbegriff zugrunde.
00:13:21: Kannst du... Also so abstrakt die Frage an dieser Stelle ist, so wichtig ist sie auch wiederum?
00:13:27: Nämlich kannst du diesen Bildungs Begriff der DDR und auch in den realsozialistischen Ländern mehr oder minder ähnlich verfolgt wurde, vielleicht auch im Gegensatz zum bürgerlichen Bildungsbegriff oder dem Bildungs Begriff der Bundesrepublik Deutschland so ein wenig vorstellen?
00:13:47: Ja es ist zunächst um das erstmal anzumecken gar nicht leicht zu klären wovon wir überhaupt sprechen wenn wir von Bildung im Allgemeinen erst mal sprechen.
00:13:57: Und dieser allgemeine Bildungs begriff gewissermaßen allen anderen spezifizierten Bildungsbegriffen vorangeschaltet.
00:14:04: Deswegen probiere ich erst mal ein bisschen, mich vom klassischen Bildungs- begriff an zu einem sozialistischen und vor allem auch zum maximistischen Kritik am klassischen bildungsbegriff oder eher im bürgerlichen bildungs Begriff fortzuarbeiten.
00:14:19: Vielleicht ist es erstmal zu klären ob's bei Bildung um etwas wie Ausbildung oder vielleicht um Einbildung geht, ist jemand gebildet wenn er eine Ausbildung absolviert hat.
00:14:31: Wenn er studiert hat, wenn er ein enzyklopädisches Wissen abrufen kann oder den Bildungskanon rezipiert hat Oder einfach nur wenn er sich besonders schwitzig auszudrücken weiß?
00:14:42: man muss sagen weder noch all das hat bestimmt auch einen Anteil am Bildungsbegriff aber kann diesen nicht ausschöpfen.
00:14:51: Der klassische Bildungsbegriff, wie am Ausgang der Aufklärung von Herder, Humboldt, Hegel und vielen weiteren entfaltet wurde kann mal hier ganz grob nach drei Hinsichten unterschieden werden.
00:15:03: So geht es um einen, um Selbstbildung.
00:15:06: zum zweiten geht's um die institutionelle Bildung zum dritten auch um die Bildung der Menschheit.
00:15:12: Selbstbildung ist jeweil holistisch zu verstehen, ganzheitlich.
00:15:16: Das heißt das Bildung auf die Entwicklung der gesamten Personen zielt, die uns ermöglicht unsere Individualität innerhalb der gesellschaftlichen Pluralität zu steigern womit er auch diese Bildung der Menschheit im Ganzen zielt.
00:15:32: zum klassischen Bildungsberuf gehören noch viele weitere Merkmale und wir können dieses sicherlich hier nicht erschöpfen.
00:15:38: diskutieren aber vielleicht Die Frage ganz interessant, wozu benötigen wir überhaupt Bildung nach diesen klassischen Vertretern des Bildungsbegriff?
00:15:50: Nach dem deutschen Philosophen-Theologen und Schriftsteller Johann Gottfried Herder – ein Zeitgenosse eines anderen sehr berühmten Kanz – ist Bildung für den Menschen als Mängelwesen notwendig um sich in der Welt zurechtzufinden.
00:16:03: Bildung ist gewissermaßen ein Kompensationsprodukt der realen Gefährdung des Menschen.
00:16:09: So werden Hürden und Hindernisse zum Durchgangsstadium der Bildung, womit auch Entfremdungen, Veräußerlichungen, Vergegenständlichungen nach Hegel zum Bildungsweg dazugehören.
00:16:20: An denen das Individuum durch deren Überwindung über sich hinaus wächst – weswegen beispielsweise die klassischen Bildungsromane an solchen Hindernissen und Grenzerfahrungen entlang erzählt
00:16:31: werden.".
00:16:33: Mit all dem ist ein ziemlich hohes Ideal der Bildung angeschlagen und dementsprechend wurde dem auch viel Kritik entgegen gehalten.
00:16:42: Die marxistische Kritik am Bildungsbegriff verortet sich dabei sowohl im Bruch mit dem bürgerlichen Bildungs Begriff, aber auch in gewisser Kontinuität zu Idealen des klassischen Bildungs begriffs.
00:16:56: So besitzt Die Bildung im Sinne der Arbeiterbildung noch einen hohen Stellenwert verfolgt nun jedoch eher ein instrumentellen Zweck, der Bildung von Klassenbewusstsein.
00:17:11: Wobei nach Marx auch der Bildungsbegriff des Bürgertums nichts anderes als Klassenbildung darstellt.
00:17:19: Für die Mehrheit der Menschen bedeutet das jedoch nicht eine Bildung im Sinne des klassischen Bildungsideals, sondern eher eine Bildkung, die sich an den Maschinen orientiert, womit sie ein zu kritisierendes Erzeugnis der Produktions- und Eigentumsverhältnissen
00:17:35: wird.".
00:17:36: In Sinne dieser Kritik wurde ein sozialistisches Bildungswesen entworfen, zudem Parteipresse-, Verlage-, Schulen-, Kurse- und Vortragstügel dazugehörten über die die Kritik an diesen Verhältnissen vermittelt werden sollte.
00:17:53: Das sozialistische Bildungsideal ging dabei auch gegen die im bürgerlichen Kapitalismus zerfallende Bildung in Hand- und Kopfarbeit vor.
00:18:02: so um einen Sprung in die DDR zu machen, gehört es auch zum Schulsystem der DDR dazu eine polytechnische Bildung den Schülern zu vermitteln.
00:18:12: Wobei die Verschränkung von praktischer Arbeit und theoretischen Perspektiven zentral war.
00:18:19: So sollte zunächst ein Verständnis für die sozialistische Produktionsweise vermittelt und auch gestärkt werden aber sollten auch die Fähigkeiten eines jenen Menschen ihren Möglichkeiten ergründet werden.
00:18:32: So muss man hier nochmal anmerken, dass die Marxistische Kritik des Bildungsbegriffs als Klassenbildung auch zentrale Momente des klassischen Bildungsideals implizit voraussetzt um durch diese auf das Scheitern des Bürgertums an ihrem eigenen Ideal hinzuweisen.
00:18:51: In denen unter den kapitalistischen Verhältnissen die Bildung zum bloßen Schein degradiert wird.
00:18:56: Man könnte somit die These in dem Raum stellen wenn Behauptet, dass der Sozialismus nun den Anspruch erhebt einem jenen Menschen die vollwertige Bildung zur Person zu ermöglichen.
00:19:07: Könnte man diesen Bildungsbegriff auch ganz Roman zugrunde legen und indem er dann die Kritik- und das Spannungsverhältnis von Realität und Ideal aufzeigen kann?
00:19:20: In der Tat ich habe so den Eindruck auch bei deiner Ausführung, auch auf dem Bündnis von Intelligenz und Arbeit beruht.
00:19:34: Also anders als wie wir es vielleicht in bürgerlichen Gesellschaften kennen, dass eine Arbeitsteiligkeit vorliegt zwischen akademisch theoretisch-intellektueller Arbeit an Universitätsinstitution oder der Personalabteilung der Manager im Großbetrieb und auf der anderen Seite der körperlichen dienstleistenden Arbeit weiter unten in der Hierarchie ist das Ideal immer verknüpft mit der allseitigen Entwicklung der Persönlichkeit, die im Grunde genommen eine sozialistische Bildungspolitik voraussetzt auf der Grundlage eines Bündnisses einer Verbundenheit.
00:20:12: Eine Verzahnung von, ich nenn's wieder grob, Intelligenz und Arbeit nicht?
00:20:18: Und ich finde ... dass gerade diese Bemühungen darum, so muss man es ja formulieren in die Aula bei Kant immer wieder hervortreten mit all der Widersprüchlichkeit.
00:20:30: Und auch Hermann Kant kennt diese Widerspruchlichkeit ja durchaus aus seinem eigenen Leben kam er doch auch aus Arbeiterverhältnissen und hat diesen Anführungszeichen Aufstieg zum Schriftsteller gemacht.
00:20:44: vielleicht können wir dazu noch einen Wort verlieren die, weil es einfach so wichtig ist.
00:20:49: Und ich weiß man könnte eine ganze Folge machen zu dieser sehr umstritten und facettenreichen Person Herrmann Kant.
00:20:55: aber ich möchte das wirklich nur mit Blick auf das Buch mal kurz antippen nämlich wie kam Hermann Kant eigentlich zu diesem Roman dass sein erstes größeres Werk darstellt?
00:21:08: Wie viel Autobiografie steckt eigentlich im Text?
00:21:11: Man muss dazu vielleicht gleich im Vorhinein schon mal sagen, es steckt extrem viel Autobiografie drin.
00:21:17: In einem Gespräch mit Irmtraut Gutschger hat Herr Mann Kant auch erzählt, dass er überhaupt nicht einsieht warum er sich irgendwas ausdenken soll wenn seinem Kopf doch so viele erlebte Geschichten enthalten sind auf die er zurückgreifen kann.
00:21:32: und so zieht sich eigentlich sein erlebtes Leben durch all seine Romane ganz besonders auch durch die Aula Wie beispielsweise sein Protagonist Robert Iswal in die Aula ist... Er kannte ebenso Absolvent des ersten ABF-Jagangs, in Greifswald.
00:21:52: Und ihm so wie Robert wurde er auch zu einem Jubiläum der ABF eingeladen.
00:21:58: Er sollte allerdings keine Rede halten und hat dann aber selbst das Wort ergriffen um eine kleine Rede doch noch unterzubringen – auch wenn diese nicht angefragt war!
00:22:07: Aber für ihn war damit der Erzähler am Gesetz.
00:22:11: kann ich oder jetzt habe ich den Weg gefunden diesen Roman anzugehen, diese Geschichte zu erzählen.
00:22:18: So fing er denn am thirzehnten August neunzehnundzeinundsechzig an im ersten Jahrestag des Mauerbaus um das vielleicht mal hier kurz einzufügen diesen Roman zu schreiben und schrieb ihn über fast drei Jahren weg.
00:22:33: Und um vielleicht einige weitere autobiografische Parallelen irgendwie hier einzuführen so ist Sein Protagonist Robert Iswer, wie er selbst in Hamburg in eine proletarische Familie hineingebraten.
00:22:47: Beide machten Ausbildung zum Elektriker und wurden von der Wehrmacht eingezogen um nach wenigen Wochen an der polnischen Front beim Rückzug in den Kriegsgefangenschaft zu kommen.
00:22:59: Wobei kann zwei Jahre im Gefängnis und zwei Jahre in einem Arbeitslager verbrachte wie sein Protagonisten-Robot aus.
00:23:07: Diese Erfahrung, die er in Gefangenschaft gemacht hat ist wiederum dann auch sein Roman der Aufenthalt.
00:23:13: In den letzten Jahren entstanden, der ihm einen großen Erfolg in Ost wie auch West eingebracht hat.
00:23:22: Nach vier Jahren in Gefagenschaft kommt dann sein Bruder wie Mr.
00:23:26: Robert Wie auch Kant selbst wieder in die Heimat zurück und sieht sich denn dort mit dem neuen Mann seiner Mutter konfrontiert, seinem Stiefvater.
00:23:37: Und obwohl dieser Kommunist ist und ehemaliger Heft liegen in Sachsenhausen da, versteht sich Kant mit diesem nicht wie auch Robert sich mit dem nicht versteht.
00:23:48: Und für beide wird das gewissermaßen die Motivation sein um dann neunzehntneunundvierzig nach Greifswald an die ABF zu gehen.
00:23:57: Die Parallelen enden hierbei bald nicht aber ich denke da sie nur ein Teil der Inspiration ausmachen In dem Roman, die Aula ein viel größeres Panorama auf die frühe DDR öffnet können wir es hierbei mal kurz belassen.
00:24:14: Dann lass uns doch von der Biografie in die Imagination gehen nämlich in den Roman und dann auch direkt mit der Hauptfigur Robert Iswall beginnen.
00:24:23: Dazu möchte ich den Anfang des Romans mal kurz anlesen.
00:24:29: Da sitzt einer über seiner Schreibmaschine Rauch zu viel, bläst Staub von den Tasten, beißt in einen Apfel und denkt an Schiller dabei.
00:24:38: Start auf das leere Papier und dann auf die Uhr kratzt an dem verklebten Kleinen herum?
00:24:43: Bis es wieder sauber ist hat schon wieder eine Zigarette in Brand und nennt das alles Arbeit!
00:24:49: Er lauert auf EINEN Gedanken.
00:24:51: der Gedanke steckt den Kopf um die Ecke zögert noch Zögert lange aber endlich kommt er näher – er kommt.
00:24:57: Macht er noch einen einzigen Schritt, einen winzigen Schritt dann schnappt die Falle zu?
00:25:02: Dann ist der ausgedacht und ein Mann schlägt ihn ans Papier.
00:25:06: Robert Iswall wartete an diesem Morgen fast zwei Stunden auf die erste Beute.
00:25:11: Er war nicht ungeduldig aber als er den Gedanken kommen hörte, war er doch froh!
00:25:16: Der Anfang war immerhin das Schwerste und hier kam nun der Anfang.
00:25:21: Dann läutete es an der Tür.
00:25:23: auf dem Läufer im Korridor lag ein gelbes Kuvert mit einem roten Posthorn darauf, einen Posthorn mit Blitzen anstelle der Trudel.
00:25:31: Robert Iswall mochte keine Telegramme.
00:25:33: er konnte sich kaum an eines mit angenehmen Inhalt erinnern störender Besuch böse Mahnungen jeher tot.
00:25:40: das reiste per Depeche und erschreckte Robert Lars Mit Auslaufen, Semester, Schließung, ABF vorgesehen.
00:25:49: Stopp!
00:25:50: Abschlussfeier geplant.
00:25:52: Stop!
00:25:52: Kannst du Rede halten?
00:25:53: Stop!
00:25:54: Maybaum stopp – Direktor Also die Indusiest, auf einer Seite haben wir vollkommen unterschiedliche Stilmittel verdichtet in mehreren Absätzen.
00:26:06: Wenn man von sozialistischem Realismus in der Literatur spricht was ja durchaus auch damals Paradigma ist überrascht es einen hier nahezu stößt ein vor den Kopf dass man mit vertrauten Erzählformen hier enttäuscht wird.
00:26:20: Im Gegenteil, man hat eine Montage und einen Bewusstseinsfluss.
00:26:24: Man hat das überlappen von direkter Rede, Gedanken oder Erzählungen.
00:26:28: Man ist in einer Ich-Person.
00:26:29: Und dann wieder in der dritten.
00:26:31: What the fuck dachte ich mir als ich dieses Buch angefangen habe?
00:26:35: Und doch hat es mich nicht losgelassen gerade um dem auf die Schlüche zu kommen was jetzt geschehen wird.
00:26:41: Wird Robert diesen Auftrag annehmen?
00:26:43: wie wird er den umsetzen?
00:26:45: Wie geht es Robert damit, diesen Auftrag irgendwie zu verwirklichen, also eine Rede bei der Schließung seiner ehemaligen Arbeiter und Bauernfakultät zu halten.
00:26:57: Was macht er eigentlich danach?
00:27:02: zu nehmen.
00:27:03: Mir ging es genauso, ich dachte mir auch what the fuck?
00:27:05: Ich dachte okay Herrmann Kant die Aula klingt irgendwie erst mal trocken.
00:27:10: also man weiß nicht so ganz ok will er mir jetzt eine langweilige Bildungsgeschichte erzählen und dann startet der Romantirekt sowas.
00:27:19: das erinnert ja wirklich an die moderne Literatur des frühen zwanzigsten Jahrhunderts all das was man eigentlich im sozialistischen Realismus nicht unbedingt Erwartet oder auch überhaupt nur will.
00:27:30: Und ich war direkt eingenommen, ich fand es super spannend wie er ins erzählen kommt und Es ist wirklich interessant.
00:27:37: er startete ja nachdem er dieses telegramm bekommt Gretel direkt ins grübeln.
00:27:42: er beginnt Szenarien zu entwerfen er malt sich aus Wie diese veranstaltung diese festrede aussehen soll welchen Pomp sie denn braucht um so eine feierliche Veranstaltung zu begehen und er überschlägt, wie so eine Rede aussehen könnte.
00:27:58: Es skizziert dann direkt auch ein paar Sätze in denen er hochtramt ein paar Bemerkungen zu Pestalocis Begriff der Persönlichkeit ankündigt die jedoch nur als Fußnote zu verstehen sind und gar nicht mehr aussagen wollen.
00:28:12: Er möchte nur kurz darauf mal bezugnehmen weil das gehört sich auch dazu und so kommt er wirklich direkt ins Schreiben hinein und verwirft aber auch schnell wieder was.
00:28:23: Und es ist wirklich interessant hier diesen Kontrast, den du gerade auch vorgelesen hast zu sehen zwischen diesem lauernden Schriftsteller der auf zwei Stunden auf die Eingebung wartet, die nicht kommt.
00:28:35: dann der Kontrast zu diesen äußeren Impuls, der ihn direkt ins Denken, ins Schreiben hineinwirft.
00:28:43: Er brauchte einfach nur den Tipp von außen über was könnte man jetzt noch schreiben?
00:28:49: nachdenken und damit geht es direkt los.
00:28:51: und das dann über fünfhundert Seiten ist wirklich beeindruckend wie er ins Denke und Krübeln kommt.
00:28:58: Auf der zweiten Seite sieht er sich denn auch direkt schon in der Tite gehenden Aula die damit auftaucht und immer wieder mal auftauchen wird.
00:29:07: Und diese sieht er vor sich als ein geschichtsträchtigen Ort, das manifestiert sich vor ihm.
00:29:15: Er entwirft weitere ironische Skizzen in dem er Bezug auf die Geschichte der dieser Aula nimmt.
00:29:23: So wird er dann von diesem eher... Ja, überzogen mit ironischen Skizzen über eine mögliche Rede in seine eigenste Erinnerung hinein katapultiert.
00:29:33: Und er sieht sich auf einmal mit sich selbst und nicht nur mit diesen Grillen die er nun imaginiert konfrontiert sondern mit sich selber und seiner Vergangenheit.
00:29:43: Er könnte ja auch einfach ne formelle Abschiedsrede halten und damit den Auftrag erfüllen und ein Schulterklopfer bekommen.
00:29:52: Stattdessen motiviert der Auftrag ihn, du hast es ja schon angedeutet sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und das in einer sehr assoziativen und streckenweise auch grüblenden Art und Weise.
00:30:04: warum dienen also?
00:30:05: wie entwickelt sich Robert in dieser Erinnerungsarbeit?
00:30:09: Und dass ist wieder ein weiteres Stichwort dieser Romanist an der Stelle Dann plötzlich nicht nur Bildungsroman, sondern auch dann ein Erinnerungsroman geworden oder verzahnt sich zumindest damit.
00:30:20: Ja
00:30:21: total!
00:30:22: Aber diese Frage des Warums ist überhaupt gar nicht so einfach zu klären weil... ihm das selbst gar nicht irgendwie so offensichtlich ist, warum er von dieser Rede auf einmal so einen Beschlag genommen wird.
00:30:35: Auf den ersten Seiten können wir noch lesen Zitat Selbstverständlich würde man trotz der jetzt schon absehbaren Schwierigkeiten kein halbes Jahr für diese Rede benötigen.
00:30:46: Es würde genügen vorerst hin und wieder an sie zu denken Das natürlich maßlos untertreben ist.
00:30:53: Er ist eigentlich die ganze Zeit davon in Beschlag genommen und ihm ist wirklich nicht klar, wieso.
00:31:00: Da ist natürlich viel Interessantes passiert aber er merkt nach und nach dass viel Unabgegoldenes noch in der Vergangenheit schlummert.
00:31:09: Viel an das er sich gar nicht so gern zu erinnern vermag und was doch wiederum erinnert werden möchte.
00:31:15: Und diese Rede zwingt ihn auch eine Zwischenbilanz zu ziehen über seine Zeit an der ABF, die ABF im Allgemeinen aber auch über die DDR und sein Leben in dieser und natürlich auch sein persönliches Leben und wie all das miteinander verwoben ist.
00:31:33: Schnell wird den Lesern somit klar dass wirklich viel viel verdrängt es in diesem Robert steckt, über dass er sich wirklich nicht im Klaren.
00:31:43: Interessant ist.
00:31:44: dann diese Erzählstruktur, denn in diesen Gedanken die er sich macht über die Rede wie sie nun aufzuziehen ist vermischen sich immer wieder die Erziehebenen miteinander.
00:32:00: So ist man direkt von noch der Idee gerade zu einem Absatz für die Rede in eine Szene hineingeworfen, in den er auf einmal wieder im Klassenraum sitzt und sich dann dort über zehn Jahre eine Geschichte entwickelt.
00:32:14: Die gar nicht so unbedingt was mit diesem Absatz, den er gerade noch geschrieben hat oder zu tun hat oder meint also der drehen sich einen ganz schönen Knoten in dem Kopf kann dir da nur zustimmen.
00:32:26: ich war auch manchmal verwirrt musste wieder zurückblättern aber Dieser C-Form macht auch den großen Reiz dieses Romans aus.
00:32:33: Also ich hatte wirklich großem Spaß ihm in seinem Denken zu folgen und in dieser C Form sieht man so, dass die Gegenwart und Vergangenheit miteinander verwoben ist und nur aus diesem Verwoben hat sich die Zukunft wiederum spaßt.
00:32:53: Wir sehen so Robert, wie er durchs alltägliche Leben schaltet in bruflicher und familiärer Hinsicht.
00:32:59: So reist er zum Beispiel nach Hamburg, wie gesagt um über diese Flutkatastrophe von zweiundsechzig zu berichten Und dort trifft er dann aber wiederum auch seine Schwester und diese ist kurz nach Gründung der DDR geflohen in die BRD und lebt nun dort in Hamburg mit so einem Kleinganoven zusammen.
00:33:21: Und dieser Kleingandove gibt dann Robert nun wieder, weil Robert redet mit allen über diese Rede die er zu halten hat und fragt nach was ist nun damit reinzunehmen und was nicht?
00:33:31: Was muss draußen bleiben und was muss unbedingt erzählen.
00:33:34: Dieser Kleingadove gibt ihm sehr viele Tipps und meint auch RR hat schon ganz viele Grabreden gehalten.
00:33:39: Er ist gewissermaßen Profi und eigentlich kann auch Robert seine ganze Karriere ... seinen Geschichten auffüllen.
00:33:48: Also wenn er was schreiben will, kann ja ihm auch Informationen geben.
00:33:51: Er hat so viel erlebt und das ist wirklich ganz witzig wie Robert denn mit diesen unterschiedlichsten Leuten in Brührung kommt und sich immer wieder die Gedanken rund um die Rede und die Erinnerungen mit der Gegenwart verschränken.
00:34:05: So trifft er dann auch in Hamburg sein ehemaligen Kommiliton Karl Heinz Rieg auf dem wir später noch zu sprechen kommen.
00:34:17: wirklich interessant, wie sich das beschränkt.
00:34:19: Und für die Komperatisten unter uns ist vielleicht hier auch noch interessant anzumerken dass sich Kant hier auf Heinrich-Heines-Epos Deutschland ein Wintermärchen bezieht.
00:34:30: Diese ganze Fahrt nach Hamburg ist ganz nahe an Heinesfahrt aus Frankreich nach Deutschland angelehnt und Heine nimmt diese Reise als Exzitant, als Anlass zu höchst lesenswerten Reflektion über Deutschland das ja immer wieder mit Frankreich vergleicht und sein zerrissenes Verhältnis zu Deutschland.
00:34:54: Und die deutsche Misere im Allgemeinen.
00:34:56: er kannte diese erzählerische Figur von Heine auf und überträgt sie auf Robert's Hamburg-Reise, in der er natürlich nicht Deutschland mit Frankreichs, sondern die BRD mit der DDR vergleicht.
00:35:10: Und auch das Hamburg, in dem Robert geboren ist – mit der DDR und den Berlinen, in denen er nun lebt!
00:35:17: Und das ist wirklich interessant zu lesen und dass es nicht nur implizit in diese Erzählung mit eingewoben, sondern auch ganz explizit aktikuliert.
00:35:26: Wenn dann auf einmal Verse aus diesen besagten Wintermärchen zitiert werden so können wir lesen wenn Robert Die Grenze der DDR und BRD
00:35:43: passiert.".
00:35:44: Und als ich an die Grenze kam, da fühlte sich ein stärkeres Klopfen in meiner Brust.
00:35:49: Ich glaube sogar, die Augen begonnen zu tropfen.
00:35:52: Das ist einfach von Heine zitiert!
00:35:55: Und er kommentiert das dann aber wiederum... Zitat, hier verlief wirklich eine Grenze.
00:36:00: Das machte nicht das Wasser und der Doppelzaun oder das Mauerwerk, das machte der Unterschied zwischen dem was zu beiden Seiten dieser Linie bestand.
00:36:09: Geschah, verging und wuchs.
00:36:11: Und wenn es einen Grund gab der einem die Augen wohl Tropfen machen konnte dann war's die Grenze mitten durch Berlin.
00:36:18: Zitat Ende.
00:36:19: Was natürlich ein... ... krasser Satz ist für einen Roman, der in... ... Ninze und Sechzig erschienen ist vier Jahre nach Mauerbau.
00:36:28: Also für mich war nicht denkbar dass man so ein krasses Urteil zu der Grenze durchdoltern, wenn auch nicht explizit auf die Mauer den antifaschistischen Schutz war oder wie man es auch immer nennen will bezogen.
00:36:41: aber implizit ist das ja genau darin enthalten.
00:36:44: und sowas dort zu lesen hat mir schon schüttert weil ich dachte ah ich hätte nicht gedacht die Zensur in der DDR so was durchgehen lässt, aber sie ist tatsächlich beeindruckend wie er wirklich diese Widersprüche zu Kenntnis nimmt innerhalb denen er lebt.
00:37:04: Und so kommen wir dann auch zur Geschichte mit Gerd, seinem besten Freund und es kommt immer weiter heraus dass er ihn nicht nur hintergangen hat, nicht nur ein Verrat aus Liebe zu Vera an ihm verübt hat sondern dass er auch seine Funktionen in der ABF ausgenutzt hatte um ihm quasi ja von Vera wo er dachte das er sich zwischen diesen Stellen kann wegzuschicken.
00:37:37: Er schickt ihn oder lässt ihn nach China schicken um dort zu studieren.
00:37:41: darauf werden wir bestimmt sicherlich auch noch zu sprechen kommen.
00:37:44: aber schon ziemlich krass, als er dann immer weiter herausfindet.
00:37:49: Uuh!
00:37:50: Da liegt noch viel Unabgegoldenes.
00:37:52: Vera hat ja nie von diesem Motiv erzählt warum er Gert das angetan hat.
00:37:57: mit Gert hat er nie darüber gesprochen nachdem er nach China gegangen ist und es wird denn auch immer fraglicher ob die... Dieser Schritt, dieser Verrat überhaupt wirklich notwendig ist.
00:38:10: Weil Robert hat er probiert damit seine eigene Zukunft zu schreiben und hat das auch getan erst mit Vera daraufhin zusammengekommen... ...und sie sind immer noch zusammen!
00:38:19: Und die Frage ist aber war dieser Schritt wirklich nutwendig?
00:38:24: heile ich der Zweck damit die Mittel oder ist das nicht viel mehr in Zweifel zu ziehen?
00:38:28: Das ist wirklich auch interessant, wie er dem immer weiter nachgeht und er möchte dann auch Gerd besuchen in Leipzig.
00:38:35: Der ist nämlich denn nach dem Studium in China, er hat Sinologie dort studiert wieder zurückgekehrt und lebt jetzt mit seiner Frau Rosephal in Leibzig zusammen.
00:38:45: Und den möchte er nun endlich besuchen!
00:38:47: Das hat er seit Jahren nicht getan.
00:38:49: Er ist schon seit einigen Jahren wieder in Deutschland.
00:38:52: Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, warum ihnen der Auftrag dazu motiviert sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.
00:38:59: um es mit einem Wort vielleicht zu sagen Erinnerungen müssen gepflegt werden.
00:39:04: Was nicht heißt dass sie als bloße Fakten reproduziert werden soll sondern das wir lernen müssen uns ihn gegenüber angemessen zu verhalten ihm gegen Überhaltung anzunehmen.
00:39:15: und auch das gehört zur Bildung einer Person dazu womit Robert's Bildungsgeschichte nicht in der ABF hier
00:39:21: aufhört,
00:39:22: sondern sich bis in die Gegenwart und auch darüber hinaus fortsetzt.
00:39:26: Gerade diese Aspekt scheint mir auch wichtig und ich finde von einer psychologischen Ebene wird das auch eingeholt eben darin dass Robert so nervös ist und so im Zickzack irgendwie denkt und diese verdrängten Inhalte seiner Vergangenheit plötzlich hochkommen.
00:39:43: gleichzeitig finde ich ist auch irgendwie die Geste, die darin vorhanden ist.
00:39:53: Nämlich dass die eigene Geschichte von Robert bedeutungsvoll ist.
00:40:00: Also es ist erzählenswert und das finde ich auch so stark an dieser Stelle weil Robert ist erstmal so ein jedermann denkt man erst mal so Und je mehr er sich damit beschäftigt, desto klarer wird ihm ... Ich kann dem nicht aus dem Weg gehen.
00:40:19: Sondern meine Geschichte ist voller Bedeutung, den ich auf den Grund gehen kann eben und das ist vielleicht die große Synthese, dass es so was wie eine Zukunft gibt.
00:40:27: Ich freue mich, dass du auch Heine hervorgehoben hast, Dean.
00:40:30: Ich weiß nicht, wie es in deiner Ausgabe ist aber in meiner Ausgab ist ein Zitat von Heine dem Text vorangestellt der auch thematisch perfekt passt nämlich Der heutige Tag ist ein Resultat des Gestrigen.
00:40:43: Was dieser gewollt hat, müssen wir erforschen wenn wir zu wissen wünschen was jener will.
00:40:50: Nun von hier aus wieder vielleicht zur Bildung.
00:40:57: Er kommt ja auch immer wieder in so Situationen während der Erinnerungsarbeit wo ihm klar wird welche Strecken hinter sich gelassen hat und dass er manchmal auch gar keine Lust hatte Ja, bestimmten Autoren oder Gedanken zu beschäftigen und dass er es doch dann sich freut, das er es gemacht hat.
00:41:16: Wie würdest du seine Bildungsbemühungen und Erfahrungen beschreiben?
00:41:26: Vielleicht um mal zu sagen wie kann sie beschreibt... Den Robert als wirklich einwilligen und engagierten Charakter, der sich aber irgendwie immer in so einer gewissen ironischen Distanz zu all dem, indem sich Robert bewegt verhält.
00:41:42: Er ist für die Sache des Sozialismus, er ist direkt auch vor Gründung der DDR noch in die SED eingestiegen, ob bevor er an die ABF gegangen ist... Und doch sehen wir über den Roman hinweg, dass er sich in einer gewissen Distanz dazu bewegt und eine gewisse Kritik immer offen lässt oder auch zulassen muss.
00:42:00: Weil er sich nicht einfach eins zu eins damit identifizieren kann.
00:42:06: Und was auch noch interessant ist, ist Robert's Erfahrung als Arbeiterkind.
00:42:11: Es wird auch in einer Episode dargestellt das er es überhaupt nicht leicht hat als Arbeiterkind und sich lernen musste durchzusetzen und vielleicht auch ein bisschen zu sehr durchzusetzten.
00:42:22: Er wird immer wieder auch als Affe bezeichnet oder als Angeber bezeichnete.
00:42:26: Er ist sehr überrumpelnd und übervorteilend ist damit ein sehr widersprüchliches Charakter, der nicht unbedingt in all seinen Zügen sympathisch ist.
00:42:36: Auch wenn er wirklich sehr amüsant und witzig ist und gute Poan entwickelt... aber sympathisch nicht immer!
00:42:45: Interessant ist vielleicht, um zu den Bildungsbemühungen und Erfahrungen zu sprechen zu kommen.
00:42:50: Sein Universitärer Erstkontakt, wenn er das erste Mal mit Gerd zusammen die Arbeiter- und Bauernfakultät betritt und auch diese Aula Betritt, die Tite gähmt ist.
00:43:02: Und beide wundern sich über die Dekadenz dieses Universitätsgebäude.
00:43:07: Sie machen sich darüber lustig was das
00:43:09: soll
00:43:10: Und dass das keineswegs an das erinnert, was man sich unter einer Arbeiter- und Bauernfakultät
00:43:15: vorstellt.
00:43:17: Sondern eher wie Robert kommentiert an ein Thronensaal in dem man unter Jubelstürmen auf hohen Ross hineingoloppieren kann!
00:43:26: Die beiden wundern sich sehr... Was mit diesem Gebäude gemeint sein soll?
00:43:33: Warum jetzt sie als Arbeiter und Bauerkinder auf einmal in so einem Gebäud jetzt sich bilden soll und wie sie überhaupt darin hineinpassen können.
00:43:45: Sie hauen erst mal ab und gehen dann ein Bierchen trinken, weil sie denken so ne hier gehören wir nicht hin.
00:43:51: Und so meint er auch Gerd zu Robert.
00:43:54: Zitat ich stell mir gerade vor wie das wäre.
00:43:57: Wir beide da rein hauen denen aufs Kreuz gestatten istweil- und trolleisant Elektriker und Zimmermann und du fragst die Königin ob sie Zeit hat ins Kino.
00:44:06: Matrosen von Kronstadt nah Und da sieht man direkt so das Ressentiment und diese Abgestoßenheit von dieser Dekadenz der Akademie, der Bildung.
00:44:20: Sie können sich eigentlich in dem Gespräch dann die Bildung in einer DDR oder... da zu dem Zeitpunkt noch der SPZ eigentlich nur als eine Art von Sturm aus Winterpalais vorstellen.
00:44:32: Eigentlich muss man das Ganze in einem revolutionären Akt übernehmen, stellen Sie sich vor.
00:44:37: Wobei dann Robert wiederum darüber reflektierend über diese ersten Vorstellungen, die sie gegenüber der ABF gehegt haben und diesen Saal gehegt.
00:44:53: Da steckte schon ziemlich viel vor revolutionäre Romantik drin.
00:44:57: Ganz kann man die Bedeutung der Vergangenheit nun auch nicht wegstreichen.
00:45:02: Sie ist denn doch sehr relevant und man muss wissen, in welcher Tradition man sich befindet und wie diese Tradition aber nicht nur konserviert wird sondern auch weitergeführt wird geändert wird und zu einem besseren gewandelt wird.
00:45:14: Und dementsprechend ziehen wir immer wieder die ersten Kontakte mit der Universität und dem Unterricht dort die Frage, wie darauf zu reagieren ist.
00:45:25: Wie man sich dazu verhalten soll.
00:45:27: und zunächst verhält sich Robert Gerdt und alle anderen ziemlich naiv dazu und eher abgestoßen.
00:45:33: Sie sind halt aus einem ganz anderen Kontext, wurden ganz anders sozialisiert und finden das erstmal alles sehr blöd was sie da sehen.
00:45:43: Und diese Anekdote, die ganz am Anfang des Buches steht, ist dementsprechend sehr bezeichnet für diesen naiven Anspruch dem sie mit dem sie der Bildungsinstitutionen gegenübertreten.
00:45:56: und es entwickelt sich dann weiter zu einem gewissen Pragmatismus, auch indem man denn doch sich mit diesen Bildungsansprüchen irgendwie synchronisieren muss über Einkommen muss.
00:46:07: Aber dieses Spannungsverhältnis durchzieht eigentlich alle Episoden.
00:46:10: wir werden ja auch dann teilnehmen am Geschichtsdeutsch- und Mathematikunterricht aber auch an einer Reise zu den Bachtagen und immer wieder für die Frage nach dem kulturellen Erbe und der Tradition und auch dem Wandel in der Bildung aufgeworfen.
00:46:25: Und schließlich wird Robert, der Elektriker gelernt hat, Schriftsteller bzw.
00:46:32: Journalist, der Reportagen verfasst also mit diesen Bildungsbemühungen des Fremdeln damit das entwöhnen eigener Vorurteile beginnt eine Entwicklung ein Aufstieg und eine Verwandlung sozusagen.
00:46:55: Wenn wir von hier aus dienen, mehr jetzt in die zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren eingehen... Du hast ja einige Namen schon genannt!
00:47:04: Und ein sehr zentraler ist der beste Freund von Robert, der am Anfang bis zur Mitte und am Ende noch mal ganz stark auftritt nämlich Gerd Trulesand.
00:47:15: Es ist ja so dass aber mit der Figur Vera dann zumindest aus Robert's Sicht so eine Situation von Rivalitätschaft entsteht, sodass Robert den Gerd irgendwie als Eindringling wahrnimmt.
00:47:36: Da er sich jetzt zwischen den beiden zuständig scheint Es gibt eine Stelle die ich lesen möchte Die ist auch relativ weit am Ende angesiedelt.
00:47:46: Dort heißt es Robert Iswall hatte ein Mädchen gern und damit fing alles an.
00:47:52: Denn es geschah ihm dies in einer Zeit, in der er seiner selbst noch nicht sicher war!
00:47:57: Einmal war er den Wegmarken ohne Zögern gefolgt und hatte seinen Fall getan – im Schrecken hatte er lange stillgelegen.
00:48:05: Dann aber waren sie gekommen und hatten gesagt, wärst du tot wie die vielen, dann dürftest Du hier liegen bleiben, da Du aber lebst, lebe, bewege Dich, arbeite, denke,
00:48:14: lerne.".
00:48:15: So zu leben war möglich, Arbeit löste den Schrecken auf, Lernen war eine Sache auf Ewigkeit und Denken ging erstaunlich mit Vergessen überein.
00:48:25: Aber immer allein!
00:48:26: Immer nur für sich selbst, immer nur für Robert Iswall – das ging nicht.
00:48:31: Ein Gedanke will weiter und er kommt alleine nicht durch.
00:48:34: Man muss ihm helfen, man muss ihn aussprechen, muss ihn begründen, muss ihnen verteidigen.
00:48:39: Wenn er leben soll, muss man ihn
00:48:42: weitergeben.".
00:48:43: So lernte Robert Iswall sprechen.
00:48:46: Im selben Absatz, aber ich springe etwas weiter nach vorne... Und dann kam diese Vera Billfert, die Schneiderin.
00:48:53: War schon da seit Monaten und kam doch erst an einem Regentag hatte einem zwar mit diesem und jenem ins Auge gestochen wusste ein Rock so zu nähen dass er nicht nur wärmte trug einen Pullover der weit war wie Laurens Mantel und doch ganz anders wirkte aß ohne geziere Sülze stieg mit auf den Grund von simplen Geschichten lachte an den richtigen Stellen viel ohne auffindbaren Anlass in den Physikschrank damit überraschend viel zu denken und nicht nur damit.
00:49:25: Ja, der gute Mann verliebt sich offensichtlich!
00:49:29: Wie geht Robert mit dieser Situation geprägt von Freundschaft, Begehren, Eifersucht um?
00:49:37: Erst mal möchte ich kurz anmerken, wie schön an dieser Stelle die du gerade vorgelesen hast diese erzählerische Kreativität vorkommt.
00:49:45: Denn die Geschichte, die hier gerade rekapituliert wird haben wir auch schon anders gehört sehr zerstöckelt aber immer wieder wären gewisse Episoden daraus hervorgehoben.
00:49:55: und jetzt wird nun einmal da raus auf einmal eine eigene Erzählung geschaffen in der das nochmal zusammengefasst wird ... und aber zu etwas ganz eigenen erhoben wird, fast märchenhaft.
00:50:07: Und das wird dieses Motiv einer klassischen Liebesgeschichte aufgeworfen... ...und dass es wirklich schön wiederkannter macht wie er Sachen immer noch mal aus einer anderen Perspektive zeigt!
00:50:21: weil dieses wie immer wieder hervorhebt.
00:50:25: Wie muss diese Geschichte erzählt werden?
00:50:26: Wie kann ich sie noch angehen, wie muss auch vor allem diese Liebesgeschichte erzählt werden und dieser Bruch mit Gerd erzählt werden?
00:50:36: denn es geht in diesem Roman immer wieder um diese Freilegung dieses Bruchs.
00:50:40: Ich finde ja, Dean dass wir als Leserin und Leser auch damit den Einblick bekommen das er selbst nach dem wie sucht.
00:50:50: also er demonstriert uns die Suche nach dem richtigen erzählen ohne zu sagen Das ist das richtige Maß
00:50:59: Total, das leitet auf jeden Fall sein ganzes Erzählen.
00:51:02: Es ist wie so eine Archäologie in dem er probiert die Vergangenheit offen zu legen auszugraben und So geht der denn halt auch diesem Bruch seinem eigenen Verrat an seinen besten Freund.
00:51:15: nach über drei Jahre haben sie ja die Zeit eigentlich konfliktfrei miteinander verbracht Und dann tritt auf einmal immer weiter Vera mit in diese Beziehung hinein.
00:51:28: Sie wird als Love-Interest eingeführt und scheint aber zunächst für Robert unerreichbar, sie bezeichnet ihn unter anderem auch als Affen.
00:51:39: nicht nur von ihr wird er als Affe bezeichnete sondern wirklich sehr vielen Leuten würde er im Roman an als Affee bezeichnen, aber sie ist eine davon und somit hält sich gewissermaßen eher auf Distanz und artikuliert das auch zu ihm.
00:51:53: Sie in dieser Erzählung, die du gerade vorgelesen hast, kam auch schon die Sülze vor, die sie gemeinsam essen gegangen sind.
00:52:00: und nach diesem quasi Date dem ersten Date was sie zusammen hatten nach einer Demonstration sind sie zusammen Sülzeressen gegangen weil es geregnet hat.
00:52:10: Und da möchte ich kurz mal einen Satz vorlesen, der die Distanz Die Vera zu ihm einem ziemlich deutlich macht.
00:52:17: Zitat Ich weiß nicht ob ich dich mag Wenn du erzählst bist Du wirklich nett Aber du bist auch ein schrecklicher Angeber und wenn ich nicht so nass wäre Hätte ich bestimmt nicht mit dir Sülze gegessen.
00:52:28: Nur dass du es weißt.
00:52:30: Also hier wird schon ganz klar Also so richtig koscher ist er ihr nicht So sie weiß nicht so richtig Aber sie schiebt dann doch noch hinterher.
00:52:41: Sie müsste vielleicht nochmal drüber nachdenken, also ganz klar ist es noch nicht.
00:52:46: aber dementsprechend ist Robert immens verunsichert.
00:52:50: er fühlt sich sehr zu ihr hingezogen aber macht sich eigentlich keine Chancen bei ihr aus.
00:52:56: und da er nicht den ersten Schritt geht und auch nicht mit seinem besten Freund Gerd über seine Gefühle gegenüber Vera spricht, denkt sich Gerd, der ein ziemlicher Frauenheld in diesem Roman ist und zu verschiedensten Frauen Beziehungen aufbaut.
00:53:12: Denkt er sich ja?
00:53:14: also eigentlich könnte ich es ja dann auch mal probieren wenn du jetzt doch nicht so einen Interesse hast denn dann gehe ich da mal irgendwie auf sie zu und darauf bricht er dann bei Robert Panik aus.
00:53:24: Und er geht damit in einer ganz besonderen Weise um, du hast ja schon von Verrat gesprochen.
00:53:29: möglicherweise passt Intrige sogar besser.
00:53:34: das ist ja so.
00:53:35: da kommen wir irgendwie von dieser ja libidinösen Gemengelage um Robert um hin zu einem moralischen Konflikt Freundschaft oder Liebe?
00:53:47: platt gesagt natürlich.
00:53:49: Aber das ist ganz spannend, weil damit auch irgendwie ethische Fragen berührt werden.
00:53:55: Denn Gerd verzeiht ja Robert am Ende – zumindest in der Gegenwartzeit!
00:54:02: Was hat sich Robert da eigentlich ausgedacht?
00:54:04: und wieso kommt es zu dieser Haltung von Gerd?
00:54:13: ist Gras drüber gewachsen, ist verziehen.
00:54:16: Man muss dazu sagen so richtig hat Robert sich selbst diese Intrige nicht ausgedacht.
00:54:21: sie fällt ihm eher zu und er ergreift die Möglichkeit zur Intrigen zum Verrat an Robert.
00:54:27: da muss man vielleicht vorher noch eine kurze Episode voranschieben die ziemlich zentral ist für den Verrat und die einen Tag vor diesem Verrat vor der Entriege geschieht.
00:54:39: gerade zum Abschluss der Ausbildung des Studiums an der ABF gibt es eine kritische Mathematikprüfung.
00:54:49: Robert ist eigentlich in allem ziemlich gut, nur Mathematika hat er seine Probleme und macht sich ziemlich Sorgen dass er sich mit der Note in Mathe den ganzen Schnitt seines Abschlusses versauen kann.
00:55:05: Und Vera die sehr gut in Matthe hilft ihn dann beim Lernen.
00:55:10: Über die letzten Monate des Studiums sind weg, sitzen sie ganz viel zusammen.
00:55:15: Sie erklärt ihm alles, probiert ihnen das für ihn die chaotische Ordnung der Mathematik einzuführen und schafft es auch.
00:55:27: Und Robert legt mit seiner Mathematikkrüffung eine Glanzleistung hin, rettet seinen Schnitt und voller Freude betrinkt er sich auf einem fest indem er komplett über die Strenge schlägt.
00:55:41: und wiederum wäre, die aus dieser ganzen Erschöpfung als quasi neben dem Studium das ihr selbst absolvieren musst musste sie auch noch Nachhilfelehrerin sein.
00:55:50: Aus der Erschöfffung heraus hat sie in dieser Mathematikprüfung schlechter als er abgeschnitten und damit zieht Robert sie immens auf.
00:55:58: und ja kann eigentlich gar nicht von ihr ablassen muss dass immer wieder hervorheben, dass er jetzt sogar noch besser als sie ist und sie es dadurch natürlich total angeschlagen.
00:56:12: Es wirklich eine berauschte Überheblichkeit in die er sich dahinein gibt so das sogar einer seiner Kommilitonen und auch Zimmergenossen Jakob Filter über den man auch noch viel erzählen könnte den wir vielleicht jetzt aber hier mal einfach zur Seite stellen.
00:56:27: Der ist eher ein zurückhaltender Typ und will eigentlich gar nicht sich mit Robert anlegen, aber selbst der interveniert und sagt so.
00:56:35: Hey, Robert!
00:56:37: So kannst du mit der Vera nicht sprechen?
00:56:39: Das geht überhaupt nicht.
00:56:41: Vorauf Gerd dann einsteigt und meint, weil Robert will direkt gegenhalten und meinte die Vera muss das doch ab... Das ist doch überhaupt nicht, ich mache doch nur den Spaß.
00:56:51: Und dann steigt auch Gerd darauf an und meint so nie sorry hier ist jetzt wirklich irgendwie mal eine Grenze gefunden und das funktioniert nicht so.
00:56:59: Damit ist der erste Konflikt seit sechs Semestern zwischen den Freunden angebrochen.
00:57:05: und als dann Vera die gerade tanzen war wieder zum Tisch zurückkehrt bringt Gerd Robert dazu, sich bei Vera zu entschuldigen.
00:57:16: Er spielt gewissermaßen Robert freundschaftlich den Ball zu und gibt ihm die Möglichkeit jetzt diesen zu ergreifen und zu sagen so hey Vera das war nicht so gemeint.
00:57:27: ich weiß wie wichtig du für meine Mathenote warst und ich bin dir total dankbar Und alles ist eigentlich gut.
00:57:35: nur er sieht dann Robert wie Vera Gerd ein Blick zuwirft.
00:57:40: Ein dankbaren Blick sich bei Gerd bedankt, weil ihr es schon klar der Affe Robert wäre nicht selbst darauf gekommen sich mal zu entschuldigen.
00:57:48: da musste schon sein bester Freund her und er musste ihm halt irgendwie zurechtweisen.
00:57:52: dementsprechend ist sie einfach sehr dankbar dem Gerd.
00:57:56: Und das Problem ist dass Robert der sowieso extrem eifersüchtig ist und sowieso auch nach diesen ganzen Monaten die Sie gemeinsam Mathematik gelernt haben, immer noch denkt.
00:58:08: Eigentlich hat er keine Chance bei der Vera.
00:58:10: Der denkt natürlich so ... Ah shit!
00:58:13: Die haben eine Affäre am Laufen, da ist irgendwas zwischen den Ballen.
00:58:17: Und somit entfaltet sich die Geschichte seines Betrugs wo auch Kant wiederum einen literarischen Kniff anwendet in dem er auf einmal ein Teufel einführt, den er als Handlungsmotor nutzt und dann über diesen Teufeln hinweg die Geschichte deines Verrats erzählt Womit er natürlich dann auch irgendwie die Tragweite seines Verrats einführt, da er wirklich das absolut Böse irgendwie heranführt.
00:58:42: Aber auch eine gewisse Distanz irgendwie wieder einbringt, weil irgendwie ist der Teufel dann Schuld, der hat irgendwie wie die Macht von ihm ergriffen und es ganz interessant wie auch Herr Mann Kant wiederum hierzu diesem Kniff greift um diese Geschichte eines Verrats einer Intrige zu erzählen.
00:58:58: Und ein Tag nach diesem Volksfest, um jetzt nun zum Verrat aufzukommen sitzt Robert aber auch Gerd und quasi Wig.
00:59:07: Und eigentlich so ziemlich alle sitzen in einer Leitungssitzung wo über einen Plan debattiert wird.
00:59:14: der ABF wird nämlich die Möglichkeit unterbrate zwei der besten Absolventen nach China zu schicken um dort Sinologie zu studieren.
00:59:26: Das ist natürlich eine große Ehre, dass man im Namen der sozialistischen Völkerfreundschaft da die besten hinschicken kann.
00:59:36: Und Robert fällt nichts anderes ein als ungefragt direkt die Namen Gerd Trollesand und Rose Paul in den Raum zu werfen, worauf natürlich Gerd nicht vorbereitet ist, der sich vielleicht unter einer anderen Situation auch darüber gefreut hätte nach China zu gehen.
00:59:52: aber so denkt er sich erst mal was ist denn mit?
00:59:54: dem los.
00:59:55: Wir haben uns ja Pläne ausgemacht, gemeinsam nach Berlin zu gehen dort zu studieren, Gerd will Philosophie studieren und jetzt schickt er mich auf einmal nach China da.
01:00:06: und dieser Austausch nach China ist auch an mehrere Bedingungen geknüpft nämlich zum Beispiel dass es ein männlicher Absolvent und eine weibliche Absolventin sein müssen.
01:00:17: Diese müssen für sieben Jahre nach China gehen, können in diesen Jahren auch nicht andauend hin- und herreißen sondern sind eigentlich sieben jahre in China die man dann verbringt.
01:00:27: Und zu guter Letzt sollen diese beiden Absolventinnen noch heiraten.
01:00:32: Man denkt sich da okay, die sind ihrem besten Alter können die, und das denkt sich die KP-Schieners denn.
01:00:40: Die können eigentlich hier nur verallertet herkommen damit sie eine gemeinsame Zukunft haben nicht diese Zeit in China verlieren?
01:00:47: Und dass natürlich in diesen Konsequenzen ein dickes Ding für Gerdtas Robert ihn da auf einmal so reinschmeißen in die Situation mit prallen dann auch gewissermaßen Welten aufeinander, weil natürlich diese große Ehre hier im Raum steht und haben der Völkerfreundschaft in China studieren zu gehen.
01:01:08: Und es kommt die egoistische Instrumentalisierung durch Robert mit ins Spiel.
01:01:13: dieser sieht nämlich in dieser großen Ehre die Möglichkeit Gerd abzuschieben und aus diesem quasi liebes Dreieck was so aber nie existiert hat hinauszustoßen.
01:01:26: Und zehn Jahre später schafft er es denn auch wirklich mal zu gern zu reisen.
01:01:33: Sie haben keinen Kontakt mehr danach und nachdem er dieses Telegramm bekommen hat, hat der dann überhaupt erst einmal damit angefangen sich mit dieser Intrige auseinanderzusetzen?
01:01:43: Das war vergraben!
01:01:44: Er ist mit Vera zusammengekommen, hat sogar noch einen gewissen Zeitraum übrig oder sie ist ja... eingeschoben, in der Gerd sich bei Vera hätte melden können.
01:01:55: Irgendwie eine Frist von einem Jahr hat er sich selbst in seinem Kopf gesetzt.
01:01:59: falls Gert sich in dieser Zeit meldet und seine Gefühle oder den Verrat Vera kundt tut dann sei es halt so.
01:02:07: aber danach hat er sie auch um das Jahrwort gebeten und geheiratet, und sie sind immer noch zusammen.
01:02:16: Und diese Geschichte war damit für ihn einfach abgestoßen.
01:02:19: Jetzt muss er sich damit auseinandersetzen, reißt dann zu Gerd... ...und stellt auf einmal fest, dass Gerd als er ihn wieder trifft diesen Auftrag der von außen an ihnen herangetragen wurde nicht nur angenommen hat sondern der hat sich den zu eigen gemacht.
01:02:37: so aus einer gewissen grotesken Komik heraus, hat er sich gedacht so ja wieso eigentlich nicht?
01:02:45: Eigentlich also... Er war total abgefuckt von Robert.
01:02:49: Aber das zu... Eigentlich ist es nicht die schlechteste Möglichkeit.
01:02:52: Eigentlich isst das doch ganz interessant.
01:02:55: Eiglich ist auch eine große Ehre und irgendwie hatte er sich damit zurecht gefunden.
01:03:00: Er hat sich auch mit seiner Jetzt Frau Rosepal zurechtgefunden, die direkt erst mal das Gespräch gesucht haben und sich irgendwie einig waren.
01:03:09: Okay wir gehen jetzt mit einem gewissen Pragmatismus damit um.
01:03:13: natürlich lieben wir uns jetzt nicht und wir wissen auch nicht was jetzt aus dieser Ehe irgendwie entstehen wird aber sie dachten sich so.
01:03:20: eigentlich ist es ein Ereignis auf dass man sich freuen kann.
01:03:24: und so gehen Sie daran und sie eignen sich diesen von außen herangetragenen Auftrag damit anmachen sie ihn sich zu eigen.
01:03:32: Und das heißt überhaupt nicht, dass Gerdt nicht sauer irgendwie auf Robert war sondern wirklich sein Weltbild ist zerbrochen.
01:03:37: Das war die wichtigste Freundschaft über die letzten drei Jahre für ihn und aus dem Nichts wurde er verraten und er war sich nicht mal ganz im Klaren darüber woher dieser Verrat kam es.
01:03:52: Wirklich eine schwierige Situation aber für ihn ist das abgeschlossen.
01:03:56: sie treffen sich beim Angeln in Leipzig und es ist damit gut und eigentlich endet der Roman nicht direkt darauf, aber eigentlich ist damit denn diese Geschichte auch gegessen.
01:04:07: Und es war einfach nur nötig mal wieder auf seinen ehemaligen Freund hinzuzugehen die Konfrontation zu suchen so unangenehm wie sie auch ist Aber im Endeffekt hat sich zum besseren geändert.
01:04:18: Diese Freundschaft kann nun wieder sich fortsetzt natürlich in einer gebrochenen Form, aber diese Wunden können heilen.
01:04:26: Aber nur in der Konfrontation, nur indem man den Mut zusammennimmt und sich dieser Angst stellt und die Vergangenheit
01:04:35: aufarbeitet.".
01:04:36: Und die ironische Pointe scheint darin zu liegen dass er es ja nur tut durch den Impuls von außen.
01:04:42: in Gestalt.
01:04:43: dieses Auftrag ist eine Rede zu schreiben.
01:04:47: also ich finde gerade diese Diese Gemengelage, diese Konfliktsituation zwischen Vera, Gerd und Robert.
01:04:57: Die ist voller ja auch Illusionen.
01:05:02: Und gerade das macht das so dramatisch.
01:05:05: Man könnte meinen... Da ist irgendwie auch Minatur noch ein kleines Theaterstück aufgebaut um die drei herum.
01:05:13: Ich würde jetzt noch mal zu der Gegenwartzeit kommen, nämlich zur Sache mit Hamburg.
01:05:21: Es ist ja so, dass Robert im Laufe seiner Notizen zu dieser Rede dann ja auch neunzehnzeinzehntsechzig nach Hamburg reißt um über die berüchtigte Sturmflut zu berichten.
01:05:35: Er fährt also nach Hamburg und trifft dort Menschen aus seiner Vergangenheit, aber auch aus seiner Herkunft.
01:05:40: Auch aus dem Osten nämlich den Karl-Heinz Rieg.
01:05:46: Ich möchte dazu eine Stelle lesen.
01:05:50: Und dann war er fort verdorben und gestorben.
01:05:53: Sein Name steht auf keinem Grabstein.
01:05:56: Es steht im Telefonbuch der Elbe statt Hamburg.
01:05:58: Karl Heinz Rieck Gastwirt steht da von vormals Klemmten einer Zuckerfabrik in Dömitz an Elbe- und Eldekanal, nichts von Bruder-, Nachbar- und Kommilitone-und verjagter TBC & Täterete.
01:06:13: Was aber macht man mit einem quasi Rieg?
01:06:16: Wenn er inzwischen der Gast wird riech, Hamburg, Sechslings, Vitevier zum Toten rennen geworden ist!
01:06:23: Wie passt ein Kerl wie der in eine Aulerrede voll Abschied, Glanz und
01:06:27: Gloria?!
01:06:29: Er passt nicht….
01:06:30: Aber heißt denn das…?
01:06:32: Es hat ihn nie gegeben?
01:06:33: Das wäre eine schöne Geschichte, in der nicht wäre was nicht passt.
01:06:37: Das sind schöne Reden, in denen nicht ist, was nicht passte!
01:06:41: Die Adresse in dem dicken Telefonbuch klang wie ausgedacht von sechs Links Wiete war es nicht weit bis zu Silberlingswiete und acht Groschen assoziierten sich eben so leicht dazu und von totes Rennen kam man in diesem Zusammenhang ohne Mühe auf.
01:06:58: toter Hund.
01:07:00: Wenn man in der Aula wirklich von quasi Rieg und seinem Ende reden wollte, so brauchte man kaum mehr als die Stimme etwas zu heben und mit leichten Dehnungen die Anschrift zu sprechen.
01:07:11: Er hat jetzt eine Kneipe, die heißt zum Totenrennen!
01:07:15: Und sie liegt in einer Straße, die heisst Sechs Links Wiete.
01:07:19: Das sagte alles.
01:07:20: Sagt das alles?
01:07:23: Ja Dean um vielleicht in diese Richtung noch einen Schwenk zu machen... Wie geht der Robert mit dieser Reise um und mit Begegnungen und Reflexionen, wie solche die ich gerade gelesen habe?
01:07:37: Diese Bekanntschaft zu Quasirik ist wirklich eine der interessantesten im Roman.
01:07:43: Und es für Robert selbst auch eines der größten Fragezeichen in seiner Vergangenheit.
01:07:48: Er nutzt jetzt diese Reportage in Hamburg als Anlass, um diese Frage nun auch anzugehen genauso wie die Intrige mit Gerd dass eine der großen Fragen, die einfach nur beantwortet werden muss.
01:08:01: Und er geht in diese Knallpe zum toten Rennen, in der quasi nun Gastwirt ist und möchte quasi nicht zu redestellen sondern möchte das Gespräch einfach suchen.
01:08:14: Und dieses Wiedersehen muss man sagen fällt zunächst erstmal nicht sonderlich freundschaftlich aus baut direkt erstmal eine gewisse Drohkulisse auf, indem er mögliche Anklagen wegen Menschenraubs in den Raum stellt, denen man DDR-Bürgern mal ganz schnell irgendwie an den Hals hängen kann.
01:08:33: Sofern diese mit Republikflüchtlingen in der BRD sprechen und vielleicht mal fragen warum sie da nun gegangen sind und entsprechend zeigt ihr direkt erst einmal Robert auf hier sind deine Grenzen treibt es nicht zu weit.
01:08:50: quasi kommt dann auch ziemlich schnell auf den Verrat von Robert an seinem Freund Gerd zu sprechen und zeigt damit so ein bisschen auf.
01:08:58: Ja, das war schon ein guter Grund für ihn dort zu gehen.
01:09:04: Er war auch ziemlich verletzt davon weil es war diese Viererkonstellation und sie waren ziemlich enge Freunde.
01:09:11: Robert und Gerd natürlich waren die Ängste, die haben wir meistens zusammen gemacht aber quasi Rik war auch immer mit dabei eigentlich Und dieser war nun auch verletzt mit Mathe.
01:09:22: zu Robert, wenn der Moment kommt in dem ich doch mal Heimweh bekomme.
01:09:29: Da erinnere ich mich einfach an deinen Verrat an Gerd und dann weiß ich schon warum ich jetzt hier bin und nicht mehr bei euch bin.
01:09:36: Trotz dieser angespannten Situation wünscht dann quasi bei der Verabschiedung dem Robert das ja doch mal wieder vorbeikommen soll, wenn er mal wieder in Hamburg ist setzt dem aber ganz leise eine Warnung hinterher und meint zu Robert, dass er doch nicht wiederkommen solle.
01:09:58: Und auch niemand umgefragt von seinem Besuch erzählen sollte und schließt das Gespräch mit der bedeutungsschweren Frage verstehst du das?
01:10:09: Hier ist so nicht ganz klar, wie das nun alles zu beurteilen soll.
01:10:12: Und für Robert stellen sich hier auch eigentlich nur noch mehr Fragen und diese Frage die er mit der er in dieses Knall hineingegangen ist damit überhaupt nicht beantwortet weil er denkt sich naja dass was der quasi Ried mir jetzt erzählt hat Das ist ja überhaupt keinen Grund aus der DDR zu fliehen Weil die DDR hat ihn ja nicht verraten sondern ich robert habe ihn verratten Ich war ja der arsch hier und eigentlich gab es aus der DDR heraus, aus der politischen gesellschaftlichen Situation heraus überhaupt keinen Grund für quasi rick zu fliehen.
01:10:45: Dieser war nämlich der größte Agitator.
01:10:48: Gert und Robert haben auch direkt am ersten Tag an der ABF gedacht, dass er da mitarbeitet weil er direkt zum Subotnik aufgerufen hat.
01:10:55: Und kommen wir machen direkt Aktionen und alle arbeiten mit und dann so, okay arbeitest du hier?
01:11:00: Und ich war nur der Erste und es gab niemanden der mir Anweisung geben kann.
01:11:03: deswegen habe ich mich jetzt in Terims Halber selber mal eingesetzt.
01:11:06: also der war wirklich durch und durch DDR-Bürger, durch und sozialist.
01:11:11: jetzt so plötzlich nach dem Verrat von Robert an Gerd aus der DDR zu fliehen, wo eine große Karriere ihm hätte bevorstehen können.
01:11:18: Er wollte Mathematik studieren und hätte auch in der Partei große Karrière machen kann.
01:11:24: Das ist schon ein bisschen merkwürdig!
01:11:27: Und... So wird dann immer wieder die Vermutung mit eingeschoben oder die Vermotungen aufgeworfen er das hinter quasi das Warnung vielleicht auch mehr stecken könnte und dass er vielleicht gar nicht aus einer Skepsis gegenüber der DDR gegangen ist, sondern vielleicht für die DDR gegangen sind.
01:11:48: Vielleicht als Mitarbeiter im Ministerium für Staatssicherheit, als Spion ins feindliche Ausland gegangen ist.
01:11:55: Da gibt es verschiedenste Passagen in denen das angedeutet wird.
01:12:00: Es gibt Akten im Archiv von allen Studierenden auch den Republikflüchtigen Nur von quasi gibt's keine.
01:12:09: Robert wundert sich, warum ist denn seine weg?
01:12:11: Er ist ja auch Republikflüchtling wie die anderen.
01:12:14: Mit Studien gibt es noch zwei weitere im Jahrgang von... ...Ninzen, neunundvierzig und dementsprechend wundert er sich!
01:12:20: Und das wird ihm immer wieder nahegelegt.
01:12:22: der Quasi-Rieg Das ist nichts für deine Rede den lass mal da schön raus.
01:12:27: und so werden mit Quasi Rieg aber auch mit den Andern und auch weiteren immer wieder wird auf das Thema Republik Flucht angetippt Und so wird auch die Arbeit der Stasi ganz offen thematisiert, nicht besonders ausschweifend.
01:12:42: Aber es kommt schon mit zum Gespräch und wird immer wieder angetippt.
01:12:48: So verbindet hier Hermann Kant ganz interessant eine gewissermaßen Mystifizierung wie auch Entmystifizierungen der DDR.
01:12:57: Das ist irgendwie eine Gratwanderung, die er nur durch seinen besonderen Stil gehen kann, denn er ist schon für den Aufbau des Sozialismus in der DDR aber hat auch immer dann doch noch seine Kritikpunkte, die ja anmerken will und ist doch dann gewissermassen skeptisch gegen manche Vorgänge, die innerhalb der DDR unternommen wurden.
01:13:20: Ja, kommen wir zum Schluss noch zum Stil und zu seiner Erzählweise die du ja jetzt zuletzt auch nochmal hervorgehoben hast.
01:13:30: Letztendlich ist er halt auch Schriftsteller und dann kommt man zumindest mit entsprechenden Ansprüchen nicht drum herum bei der literarischen Verarbeitung von Wirklichkeit auch kritische Akzente freizulegen.
01:13:43: Nollens-Vollens!
01:13:45: Wie hast du diesen Text?
01:13:49: Diese... Dieses Text-Geflecht muss man ja schon sagen.
01:13:53: Wie hast du das wahrgenommen beim Lesendien?
01:13:58: Extrem überwältigend, es hat wirklich eine mehr andere Struktur herkommt von ein aus andere, von hunderts auf tausendste und ist wirklich sehr beeindruckend Aber auch sehr überfordernd.
01:14:12: und diese subjektive Erzählweise hat mich sehr imponiert, weil dieser eigentlich nicht so gängig für die frühe DDR-Literatur ist.
01:14:22: Und es ist auch keine klare Hellengeschichte.
01:14:24: Es ist eher die Geschichte eines Nichthelden und das er durch einen Nichtprotagonisten erzählt.
01:14:30: Denn nicht nur Robert steht im Mittelpunkt, sondern Robert wird selbst auch immer wieder zum Erzähler der andere Person in den Mittelpunk drückt.
01:14:39: Und Robert wird selber in diesen Erzählungen und Erinnerungen immer wieder zur Nebenfigur.
01:14:45: Diese subjektive Erzählweise gibt dabei nicht so eine subjektivistische Selbstbespaßung, sondern zeigt sich in ihrem Anekdotenreichtum als Reflektionspunkt der gesellschaftlichen Entwicklungen.
01:14:58: Die Anekdate wird daher.
01:15:00: man kann somit zum Erkenntnismittel und vielleicht muss man auch noch auf kann es beißenden Humor und seine Ironie zu sprechen kommen, denn als Ironiker nimmt er gesellschaftliche Tendenzen auf und verkehrt oder übersteigt diese ins Absurde vorhin mitunter ihre Wahrheit aufzuschalen vermag.
01:15:19: So nimmt der z.B.
01:15:21: den Parteisprec aufs Korn und persifliert gerne die Kader-Terminologie der Partei und zeigt ihre entpersonalisierenden Tendenzten auf in denen der einzelne Mensch gern auch mal zu verschwinden droht Oder ersetzt sich auch kritisch mit der DDR-Literatur selbst auseinander.
01:15:40: So fragt sich Robert auf den ersten Seiten des Romans etwa, ob es für seine Rede nicht am besten wäre wenn er eine Art kubernetesische Maschine zur Bestimmung das Typischen hätte?
01:15:51: Das liest sich so schön!
01:15:53: Sehr schön!
01:15:54: Nur, wie hält man die Sachen vom allgemeinen und objektiven Interesse?
01:15:58: Und diese persönlichen Memoanen klinge auseinander.
01:16:01: Man müsste eine Maschine haben ein Typometer so einen Apparat mit Kibernetik mit Mikrofon und einer Skala linksrot für das typische also erzählenswürdige und rechtsblau für den individualistischen Abfall.
01:16:15: Man setzt sich vor das Mikrophone und trägt die Sache vor und wenn man fertig ist schnurrt und knattert es eine Weile im Kasten.
01:16:21: denn die Maschine hat einiges zu berücksichtigen, Zeit und Ort der Handlung.
01:16:26: Allgemeine Lage, besondere Lage und die neuesten Forschungsergebnisse.
01:16:30: Und schließlich schlägt der Zeiger aus mitten ins Blau und man kann die Geschichte
01:16:34: wegwerfen.".
01:16:36: Das ist natürlich... eine ziemlich überspitze Darstellung dieses Anspruchs ist typisch in der sozialistischen Literatur, wo alles einen größeren Kontext eingebettet sein soll.
01:16:48: Immer über den Einzelnen aus besonderes Allgemeine verweisen soll und er nimmt ja genau diese wirklich ganz kleinen Anekdoten immer wieder als Anlass um diese auszuziehen und dann ist manchmal nicht ganz klar Ist das überhaupt vom Allgemeinen Interesse?
01:17:08: Können wir da was ablesen.
01:17:09: Es kommt immer wieder dazu, aber manche Sachen vielleicht auch nicht gehört zur Kontingenz des Lebens... auch dazu, dass nicht alles aufs typische hinausweist und vielleicht gehört das auch zur Literatur hinzu.
01:17:22: Das hat ja vor allen Dingen die moderne Literatur sehr stark gemacht, dass die Kontingenz ins Erzählen eingeführt wurde und es nicht nur das Notwendige sein sollte – das ist hier wirklich interessant!
01:17:33: Das notwendige scheint auch hierauf aber in seiner Kontingenz und das ist wirklich spannend.
01:17:38: Und vielleicht sollte man an dieser Stelle wenigstens Kurz auf die politische Bedeutung der Ironie zu sprechen kommen, wo ich nur gerne kurz auf Hegel... Ich weiß, man sollte da jetzt nicht so tief reingehen weil es ist ein immens großes Thema.
01:17:53: Aber man muss kurz auf hegels Kritik an der Ironiede Romantika zu sprechen kommt und auch der Ironier des Socrates.
01:18:01: Aber es würde wirklich den Rahmen hier sprengen.
01:18:04: Um das vielleicht auf Kant runterzubrechen, begreift dieser Ironie als Mittel einer innerparteilichen Dissidenz in der er sich an einem gewissen Rahmen, der durch die gemeinsame Sache abgesteckt wird, kritisch mit diese auseinandersetzen kann womit Ironie bekannt nicht wie bei den von Hege kritisierten Romantikern zur subjektivistischen Fundamentalkritik der Moral am Sittlich allgemein wird, sondern in einer dynamischen Vermittlung der subjektiven Freiheit in ihrer Kritik am Siddlichallgemeinen zu einem Moment innerhalb dieses Allgemeins wird.
01:18:35: Indem die gemeinsame Sache des Sozialismus nicht als etwas von vornherein feststehendes begriffen wird, wirklich ziemlich interessant, wie die Ironie hier nicht einfach negiert bei Kant.
01:18:49: Sondern immer wieder auch auf die Möglichkeit etwas zu verändern, etwas zu verbessern hinaus war es.
01:18:55: das ist nie destruktiv wie Kant hier mit der Sache des Sozialismus umgeht sondern eigentlich in aller Polemik in einem fördernden Willen.
01:19:05: er will gemeinsam weiter daran arbeiten.
01:19:07: und dass wirklich zentral für Hermann Kant's Poetic.
01:19:12: Es muss einem früher später klar werden, dass Hemman kann tatsächlich im Erzählen sehr oft die Ironie mobilisiert.
01:19:22: Was mich beeindruckt hat ist, dass diese streckenweise assoziative Erzählweise doch auch immer transcendiert ... Du hast das jetzt gerade gegenübergestellt mit moderner Literatur, Kontingente mehr und mehr in den Fokus nimmt.
01:19:40: Und nicht nur das Notwendige, tatsächlich ist es aber auch so dass nicht wenig moderne Literatur insbesondere im postmodernen Spektrum Das notwendige gänzlich damit ausgetilgt hat also dass wir quasi uns dann nur noch im Bereich des Partikulären des kontingenten bewegen dass sich kaum noch transcendieren lässt.
01:20:00: Ja, dass sich sogar weigert, sich transcendieren zu lassen und da könnte man durchaus noch mal von Neoromantischen Mücken sprechen.
01:20:10: Fakt ist es handelt sich um ein sehr interessantes Spannungsverhältnis liefert mit diesem Roman eine poetische Strategie, ein Modell vielleicht diese Spannung in einer interessanten Weise zu versöhnen.
01:20:32: Tatsächlich – wir haben es ja schon mehrmals angedeutet auch gesagt das Buch der Roman di Aula zählt zur DDR-Litratur der neunzehntonundsechziger Jahre.
01:20:43: Und die DDR- Litteratur der sechzehnundsechsziger Jahr hat natürlich auch bestimmte typische und wiederkehrende Merkmale, die ich an dieser Stelle kurz anführen möchte – zumindest jene, die mir sehr wichtig erscheinen!
01:20:58: Eines dieser typischen Merkmalen ist offenkundig nämlich das Diese Literatur sich immer wieder mit Sozialismus und dem Aufbau des Sozialismus in der DDR beschäftigt.
01:21:11: Typische Themen sind, naja wie baut man eine neue Gesellschaft?
01:21:15: Wie sieht Arbeit- und Arbeitswelt unter anderen Vorzeichen aus wo die Produktionsmittel eben nicht mehr hinter der Verfügungsgewalt, der von Kapitalisten steht.
01:21:26: Wie sieht eigentlich Gemeinschaft aus in diesem Zusammenhängen und was sind sozialistische Ideale?
01:21:32: Das entscheidende, was auch immer wieder hervortritt ist ja die politische Entwicklung der DDR.
01:21:38: also bildet halt immer wieder irgendwie so einen Referenzrahmen für die Figuren und für die Handlungen.
01:21:44: ein weiteres Merkmal ist Auch das haben wir heute sehr oft Besprochen ist dieses Spannungsverhältnis, dieser Widerspruch zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft.
01:21:57: Also welche Konflikte gibt es zwischen persönlichen Wünschen und gesellschaftlichen Erwartungen?
01:22:03: Und vor allen Dingen wie werden diese Konflikte angesprochen behandelt und wie gehen Figuren damit um?
01:22:09: das können Fragen sein wie zum Beispiel, wie kann sich ein Mensch in der sozialistischen Gesellschaft verwirklichen?
01:22:16: Was passiert wenn persönliche Interessen mit politischen Erwartungen kollidieren?
01:22:20: Wie viel Freiheit hat der Einzelne und was bedeutet Freiheit im sozialistischen Kontext?
01:22:26: Ein weiteres Merkmal ist die kritischere Darstellung der DDR.
01:22:31: Insbesondere der Literatur in den neunzigundsechziger Jahre, die hat dann noch einmal differenzierter und kritischer die Wirklichkeit beschrieben.
01:22:43: Das zeigt sich in unterschiedlichen Aspekten aber auch jetzt hier in der Aula beispielsweise in Themengebieten wie der Bürokratie, der politischen Kontrolle des Anpassungsdruckts auch der Konflikte zwischen Individuum und Staat.
01:22:59: Und Zwischenindividuum aber auch der Reflexion von Fehlern und Problemen innerhalb der gesellschaftlichen Entwicklung.
01:23:08: ein weiteres Merkmal und das wundert wahrscheinlich nicht ist dass die Subjekte der Erzählung also die Figuren in diesen Romanen und Texten nun Arbeiterinnen und Arbeiter, in Anführungszeichen kleine Leute sind.
01:23:25: Also die DDR-Literatur der Sechziger Jahre beschäftigte sich häufig mit Menschen aus der Arbeiterklasse, mit einfachen Verhältnissen.
01:23:34: Dadurch wurden Figuren dargestellt, die in älteren bürgerlichen Romanen oft weniger im Mittelpunkt standen oder gar nicht erst auftauchten.
01:23:45: Gerade in die Aula ist das besonders deutlich, weil alle Studentinnen und Studenten kommen aus Arbeiter- und Bauern also aus nicht akademischen Familien.
01:23:55: Ein anderer Aspekt – und der gilt fast generell für die DDR Literatur, nicht nur für die Sechziger – ist dass die Entwicklung des Menschen im Vordergrund steht.
01:24:06: Also häufig ist es immer die Frage Na ja, wie entwickelt sich eine Person?
01:24:13: Wie verwandelt sie sich?
01:24:14: Die Hauptfigur macht dementsprechend immer Erfahrungen.
01:24:17: Sie erkennt oder verkennt Fehler.
01:24:20: Sie muss Konflikte bewältigen sowohl mit anderen Figuren aber auch bei Robert ganz eindeutig inneren Konflikten und wir verändern sich dementsprechend Einstellungen und Gewohnheiten die ja per Definition immer sehr tief sitzen und segmentiert sind.
01:24:39: Oft geht es halt auch darum, wie man seinen Platz in der Gesellschaft findet.
01:24:46: Bei Robert Iswal geschieht all das in der Form der Erinnerungsarbeit und in der Reflexion seiner eigenen Vergangenheit – wie wir die ihn heute ausführlich besprochen haben.
01:24:58: Als Fazit lässt sich ziehen Der beste Weg – und das ist meine persönliche Meinung – sich mit der gelebten Wirklichkeit in der DDR vertraut zu machen ist die DDR-Literatur.
01:25:10: Und gerade bei Hermann Kant, das hat mich wirklich sehr überrascht und sehr produktiv überraszt sind dabei Ironie, Humor und Satire sehr zentral und wichtig sowohl als ästhetisches Erlebnis aber auch als Erkenntnismittel.
01:25:25: so kann Kant halt bestimmte Beobachtungen und Tendenzen kritisieren verarbeiten in unterschiedlichen Fallhöhen ohne aber die Entwicklung den sozialistischen Prozess als Seuchen abzulehnen.
01:25:40: Dean, ich komme hiermit zu meiner Schlussfrage.
01:25:44: Ich meine letztlich handelt es sich bei der Geschichte von Robert ja auch um eine Aufstiegsgeschichte.
01:25:50: Also entsprechend konditionierte Leserin und Leser heute interessiert das weil darüber viel geschrieben wird also um diesen heißen Brei.
01:26:01: Im Kapitalismus wird das Aufstiegsnarrativ bedient, wenn Arbeiterkinder durch Bildung ihre Klasse verlassen und in die bürgerliche Klasse wechseln oder sich zwischen den Klassen zerrieben fühlen und sich fragen, wo gehöre ich eigentlich hin?
01:26:15: Bei Hermann Kant in Die Aula sehen wir dass Aufstiegturchbildung nicht zwangsläufig auf Verbürgerlichungen und das Gefühl von Klassenverrat hinausläuft.
01:26:26: Was bedeutet also Aufstieg im sozialistischen Kontext und im Kontext des Romans?
01:26:32: Und inwiefern kann man an einem solchen Aufstiegsverständnis unter den heutigen Bedingungen des Kapitalismus ohne ABF anknüpfen.
01:26:44: Das sind natürlich viele große Fragen, die nun schwer zu beantworten sind aber... Ich weiß vielleicht erst mal darauf hin, dass der im Roman dargelegte Aufstieg der sogenannten Weisenkinder den Möglichkeiten Spielraum einer jeden Person aufzuzeigen.
01:27:03: So wer als Elektriker zum Beispiel ausgebildet wurde, hätte auch Journalist werden können oder könnte auch noch Journalist wären.
01:27:11: Wer Tischler ist, könnte auch Synologe wehren oder wer als Schneiderin eine Ausbildung gemacht hat, könnte genauso gut auch Augenärztin wehnen.
01:27:19: Die Ausbildung unserer Fähigkeiten ist nicht nur von unseren Leistungen sondern auch von den Möglichkeiten abhängig in denen sich diese entwickeln können womit Ein zentrales Prinzip des Sozialismus ein bisschen anklingt, das sogenannte jeder nach seinen Fähigkeiten jedem nach seiner Leistung.
01:27:37: Das klingt ein bisschen nach der Myritokratie die ja auch hier in der BRD immer wieder gepriesen wird.
01:27:44: aber dabei kommen direkt zwei Fragezeichen mit denn Fähigkeit und Leistung – das sind zwei durchaus problematische Begriffe bei denen wir gar nicht im Vorhinein festsetzen können, was diese nun zu bedeuten haben oder wie diese zu definieren sind.
01:28:02: Welche Fähigkeiten ein Mensch besitzt ist nicht einfach an der Person abzulesen und zeigt sich erst in der Möglichkeit ihrer Entfaltung womit die Möglichkeitenräume eine Notwendigkeit der Entfaltung und Ausbildung der Fähigkeiten sind.
01:28:14: Gezielte Förderungen ist hier der Schlüssel und die ABFs waren ein Versuch dieser Förderung.
01:28:20: Und wie die Leistung eines Menschen zu beurteilen ist, ist ebenso eine schwierige Frage und sollte nicht einfach auf quantifizierbare Zahlen reduziert werden.
01:28:29: Wie zum Beispiel das BIP oder Noten in der Schule wird aber wahrscheinlich auch kaum ohne Diese zu beurteilen sein wird nicht ohne diese Dimensionen auskommen, wenn wir auch immer darauf hinweisen müssen.
01:28:42: Dass wir die Kriterien dieser Beurteilung immer wieder neu befragen müssen und immer neu hinterfragen müssen.
01:28:49: Es ist nicht einfach klar was ist Leistung?
01:28:52: Was wir als Leistung beurTeilen wollen, müssen wir selbst herausfinden Und wir sehen, dass unter dem sozialistischen Leistungsprinzip wie auch der liberalen Miritokratie begriffliche Handlungsspielräume offen stehen.
01:29:06: Die aber bedient werden müssen.
01:29:08: Das wäre auch in unserer bürgerlichen Demokratie mehr möglich.
01:29:14: Die Miritratie, die sie von Liberalen verkauft wird ist nicht so liberal wie Sie scheint es.
01:29:22: mit Blick auf unsere Gegenwart wird auch deutlich, dass dieses mirriptokratische Prinzip der Leistung mehr Schein als sein ist.
01:29:29: Denn Leistungen alleine verhilft den wenigsten zu einer Karriere oder Wohlstandsspielen.
01:29:35: immer mehrere Faktoren mit Rhein wie zum Beispiel ökonomisches kulturelles und soziales Kapital.
01:29:41: Wer viel Geld hat, dem öffnen sich einfacher die Türen.
01:29:44: Ohne den richtigen Stallgeruch einen gewissen Habitus wird man in gewissen Kreisen einfach keinen Bestand haben.
01:29:49: das ist einfach so.
01:29:51: da wird man ausgestoßen oder abgestoßten und wer keine Kontakte hat wird auch schwierig neue Kontakte knüpfen können.
01:29:58: Das bedingt sich ganz allen deutlich dass es eine Frage die beantwortet werden muss Und die bildungspolitischen Hörden die sich daraus ableiten sind immens.
01:30:10: Wenn man nun auf die ABF schaut, dann zeigt sich da dass hier eine gegenprivilegierende Bildungsmaßnahme eingeführt wurde und das sowas auch theoretisch unter den bürgerlichen liberalen Verhältnissen in unserer Demokratie möglich ist.
01:30:29: Was wird immer wieder getan?
01:30:30: Es wird bewusst gefördert aber nicht in diesem Ausmaß, nicht in dem großen Stil Und das ist aber selbstverständlich möglich.
01:30:39: Man muss dabei aber wiederum auch im Blick behalten, dass daraus auch ungewollte Konsequenzen hervorgehen können.
01:30:44: Wenn man eine Gruppe bevorteilt kann es natürlich auch andere Gruppen die sowieso benachteiligt sind negativ beeinflussen.
01:30:55: bei Akademikern muss man sich keine Sorgen machen.
01:30:58: allein aus der Bildungsfamilie an Bildungstradition heraus sind die eigentlich dazu befähigt, weiterhin auch Karriere zu machen.
01:31:06: Man muss nur schauen dass die Bevorzugung einer benachteiligten Gruppe nicht für andere benachteilligte Gruppen wiederum zu negativen Konsequenzen führen kann.
01:31:16: da gab es in der DDR müssen wir sich weiter ausfinden aber auch gewisse Probleme das gewisse Gruppen die sowieso schon benachteilt waren durch die Förderungen von Arbeiter und Bauern Beispiel zwar also benachteiligt worden, weil halt das Kriterium ganz klar auf diese gelegt wurde.
01:31:36: Bildungspolitisch liegt in diesen gegenprivilegierenden Bildungsmaßnahmen so mit eine große Chance zur Reduzierung der sozialen Ungleichheit aber sie ist nicht unendlich groß.
01:31:50: zunächst muss eigentlich am ersten Bildungsweg angesetzt werden.
01:31:53: hier ist am meisten zu machen.
01:31:55: es muss in den ersten bildungsweg die normale Schulbildung investiert werden.
01:32:00: ABF war natürlich eine Möglichkeit im zweiten Bildungsweg, die Möglichkeiten zur Ausbildung der Fähigkeiten zu erhöhen.
01:32:09: Aber ausschlaggebend ist das erste Bildungswege.
01:32:12: Die Erwartungen sollten dabei auch nicht als hoch gesetzt werden – wir haben ja bei der ABF gesehen, dass es viele Probleme gab und ... Die über Jahrhunderte gewachsene Bildungsungerechtigkeit wird nicht durch weniger einzelne Maßnahmen zu beheben sein.
01:32:27: Das führt jahrelang dauernd mit wirklich einer progressiven Politik dagegen vorzugehen und ohne diese wird sowieso nicht möglich sein, damit konserviert sich einfach nur der Bildungsstand wie wir ihn haben und verschlechtert sich für die Leute, die sowieso mitnachteiligt sind.
01:32:42: Somit auch wenn die gezielte Förderung allein keine Chancengleichheit erzielen wird, da für die multidimensionale Ungleichheit unter den Menschen sich historisch zu tiefgreifend verankert hat sollte sich eine progressive Politik durchaus mit gegenprivilegierenden Bildungsmaßnahmen wie zum Beispiel der ABF auseinandersetzen.
01:32:59: Hermann Kant zeigt damit in seinem Roman di Aula eine gesellschaftliche Alternative zum individualistischen Aufstiegsversprechen was ich extrem lesenswert fand.
01:33:08: Dean!
01:33:10: Vielen Dank für das Gespräch
01:33:11: Danke schön.
01:33:47: Klasse Literatur.
01:33:49: Der Podcast mit Klassenperspektive.
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